Behandlung weiter möglich
Corona: Physiotherapie-Praxen müssen nicht schließen

Wer über ein vom Arzt ausgestelltes Rezept verfügt, kann die Leistungen von Physiotherapeuten – wie hier in der Bad Berleburger Praxis TherapieZeit von Inhaberin Nina Saßmannshausen (l.) – auch in Corona-Zeiten in Anspruch nehmen. Foto: Alexander Kollek
  • Wer über ein vom Arzt ausgestelltes Rezept verfügt, kann die Leistungen von Physiotherapeuten – wie hier in der Bad Berleburger Praxis TherapieZeit von Inhaberin Nina Saßmannshausen (l.) – auch in Corona-Zeiten in Anspruch nehmen. Foto: Alexander Kollek
  • hochgeladen von Björn Weyand (Redakteur)

ako/howe Bad Berleburg/Feudingen. Noch vor ein paar Wochen war es schwierig, in den Räumen von Nina Saßmannshausen einen kurzfristigen Termin zu bekommen. Die Physiotherapie-Praxis mit dem Namen TherapieZeit in Bad Berleburg, die im Oktober 2019 eröffnete – und laut der Praxisleiterin damals „besser startete als erhofft“ – musste aufgrund der hohen Nachfrage kürzlich sogar einige Patienten abweisen bzw. weitervermitteln. Doch nun ist alles anders. Der Grund: das Corona-Virus. Einige Patienten reagieren derzeit verunsichert, auch aufgrund der neuen Verordnungen von Sonntag: „Wir kämpfen mit vielen Terminabsagen“, berichtet Nina Saßmannshausen. Dabei gelten die von der Regierung angeordneten Schließungen zur Eindämmung der Infektionszahlen zwar für viele Dienstleister wie Friseure oder auch den Einzelhandel, nicht aber für Physiotherapie-Praxen: „Wir dürfen für Patienten öffnen. Wir stellen einen wichtigen Baustein im Gesundheitswesen dar, denn wir entlasten auch Rehabilitations-Einrichtungen und Arztpraxen“, erklärt Nina Saßmannshausen.

Viele Menschen seien derzeit aber der falschen Auffassung, dass die Verordnungen – wohl auch aufgrund des vorhandenen Massageangebots – für die Praxis TherapieZeit gelten, beklagt Nina Saßmannshausen. Sie appelliert in dieser schwierigen Situation deshalb vor allem an die Patienten mit konstantem Therapiebedarf, weiterhin die Praxis aufzusuchen und die Angebote wahrzunehmen. „Notwendige Therapien sollten und dürfen weiter durchgeführt werden. Auch nach den neuen Verordnungen ist das kein Problem.“Aufgrund der allgegenwärtigen Ansteckungsgefahr werde den derzeit verschärft geltenden Hygienemaßnahmen natürlich eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet, versichert die Praxisleiterin: „Wir sind mit den erhöhten Hygienevorschriften vertraut – und auch fleißig am desinfizieren. Die Patienten-Behandlung wird bei Bedarf auch mit Mundschutz und Handschuhen durchgeführt.“ Der notwendige Patientenkontakt ist laut der Inhaberin ebenfalls weiterhin erlaubt – „immer unter Berücksichtigung der vorgegebenen Hygienevorschriften“.

Auch der derzeit geforderte Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen Personen könne in der kleinen Praxis laut Saßmannshausen problemlos eingehalten werden. Die bereits seit Oktober bestehende Behandlungszeit von 30 Minuten pro Patient helfe in der aktuellen Situation dabei, dass sich nicht zu viele Menschen zeitgleich in den Räumen an der Poststraße aufhalten: „Wir arbeiten sehr viel mit dem Patienten zusammen. Zudem haben wir einen zeitlichen Korridor eingerichtet, damit der Kontakt zwischen einzelnen Personen weitestgehend vermieden wird.“Wer vom Arzt ein Rezept ausgestellt bekommen hat, soll weiterhin die Physiotherapie-Praxis aufsuchen, betont die Inhaberin: „Alle Leistungen – auch Massagen –, die vom Arzt angeordnet und verschrieben worden sind, werden angeboten und durchgeführt.“ Klar sei jedoch auch, dass das Massageangebot sowie Therapien auf Eigenleistung aufgrund der Verordnungen derzeit nicht zur Verfügung stehen: das heißt, ohne Rezept keine Therapiemöglichkeit.

Wer jedoch über Beschwerden klagt, dem empfiehlt Nina Saßmannshausen, einen Arzt zu kontaktieren und sich von diesem eine Bescheinigung ausstellen zu lassen – „so können alle akuten Probleme in der Praxis behandelt werden“. Darüber hinaus beantworte die Praxisleiterin ihren Patienten alle Fragen per Telefon: „Einfach anrufen.“ Über ihre eigene Situation macht sich Nina Saßmannshausen in dieser schwierigen Zeit natürlich so ihre Gedanken. Ihre fest angestellte Mitarbeiterin Andrea Homrighausen kann die Praxisleiterin bisher weiter normal bezahlen – Kurzarbeitergeld musste sie noch nicht beantragen. Dennoch beobachte sie die Lage genau: „Wir stehen mit unserem Verband IFK (Anm. d. Red.: Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten) in permanentem Kontakt und informieren uns zudem auch täglich über die Aussagen des Robert-Koch-Instituts.“Angst um ihre Existenz mache sich die Inhaberin „am heutigen Tag“ noch nicht, doch wie sich die Lage entwickelt, darüber habe sie natürlich keine Gewissheit: „Wir haben diese Woche schon viele Terminabsagen. Wenn das so weiter geht, dann muss ich die Situation in den nächsten Wochen neu bewerten.“

Von zahlreichen Terminabsagen kann auch Physiotherapeutin Daniela Jungermann von der bekannten Feudinger Therapiepraxis – früher Sonneborn – berichten. „Wir haben einen deutlicheren Einbruch als sonst. Die Kunden bleiben fern.“ Woran das liegt: Diejenigen Betriebe, die schließen müssten, seien von der Landesregierung ja genannt worden. Für ihren Berufszweig sei das leider nicht deutlich kommuniziert worden. „Herr Laschet hat von Massage-Salons“ gesprochen. Und genau das assoziierten etliche Kunden mit der Physiotherapie-Praxis. „Wir waren alle frohen Mutes, weil man unsere wichtige Leistung der medizinisch notwendigen Therapie anerkannt hat. Jetzt sind wir leider etwas niedergeschlagen“, sagt Daniela Jungermann. Die Patienten seien verunsichert und wüssten zum Teil gar nicht, dass sie die Physiotherapie-Praxis auch weiterhin nutzen dürften.

Autor:

Alexander Kollek

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