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Vereine befürchten Mitgliederschwund
Corona verändert das Schützenwesen

Schützenfest in Bad Berleburg – das ist eine Massenveranstaltung. Unmöglich in Corona-Zeiten – wie soll jedoch das Vereinsleben erhalten bleiben?
  • Schützenfest in Bad Berleburg – das ist eine Massenveranstaltung. Unmöglich in Corona-Zeiten – wie soll jedoch das Vereinsleben erhalten bleiben?
  • Foto: bw (Archiv)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ako Bad Berleburg/Bad Laasphe. Keine Umzüge, keine Ehrungen und keine Feiern: Die Schützenvereine in Wittgenstein und darüber hinaus leiden unter den Folgen der Corona-Pandemie. Wie nahezu alle kulturellen Angebote mussten in diesem Jahr Schützenfeste und zahlreiche weitere Veranstaltungen abgesagt werden. Viele der heimischen Vereine hat das hart getroffen – nicht nur finanziell, sondern auch zwischenmenschlich. Allerdings hat die Krise zeitgleich einen Digitalisierungsschub hervorgerufen. Das bestätigten vor Kurzem Wissenschaftler der Universität Paderborn. Sie haben mit über 2000 Mitgliedern der Brauchtumspflege in Westfalen eine Online-Umfrage durchgeführt.

ako Bad Berleburg/Bad Laasphe. Keine Umzüge, keine Ehrungen und keine Feiern: Die Schützenvereine in Wittgenstein und darüber hinaus leiden unter den Folgen der Corona-Pandemie. Wie nahezu alle kulturellen Angebote mussten in diesem Jahr Schützenfeste und zahlreiche weitere Veranstaltungen abgesagt werden. Viele der heimischen Vereine hat das hart getroffen – nicht nur finanziell, sondern auch zwischenmenschlich. Allerdings hat die Krise zeitgleich einen Digitalisierungsschub hervorgerufen. Das bestätigten vor Kurzem Wissenschaftler der Universität Paderborn. Sie haben mit über 2000 Mitgliedern der Brauchtumspflege in Westfalen eine Online-Umfrage durchgeführt. 

Pandemie verändert Verein

Insgesamt 83 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Pandemie die kulturelle Praxis ihres Vereins stark oder sehr stark verändert hat. Am stärksten werde dabei der Ausfall der Schützenfeste bedauert. Allerdings stehen mit 95 Prozent der Befragten jedoch nahezu alle hinter der Corona-bedingten Absage der Schützenfest-Saison. Die Befragung wurde im Rahmen des Forschungsprojektes „Tradition im Wandel“, das seit 2016 die Bedeutung des Schützenwesens als Immaterielles Kulturerbe untersucht, durchgeführt.

Bei weiteren Ausfällen droht Mitgliederschwund

Für viele Teilnehmer dieser Umfrage hängt die Zukunft der Vereine stark von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab: Sollten auch in den nächsten ein oder zwei Jahren Schützenfeste und weitere Veranstaltungen abgesagt werden, gehen zwischen 50 und 60 Prozent der Befragten von drohendem Mitgliederschwund, einem Bedeutungsverlust und in der Folge einer Existenzbedrohung der Vereine aus. Bislang beobachten aber die meisten, dass die Bedeutung der Schützenvereine vor Ort gleich geblieben (61 Prozent) oder sogar gestiegen sei (20 Prozent).

Nutzung sozialer Medien weiterentwickelt

Doch die Corona-Krise hat den Forschern zufolge wohl auch positive Auswirkungen auf das Vereinsleben – vor allem im Hinblick auf digitale Lösungen: Denn ein Drittel der Befragten gab an, dass der Verein sich stark oder sehr stark bei der Nutzung sozialer Medien weiterentwickelt habe. Mehr als jedes vierte befragte Vorstandsmitglied berichtete, im Vereinskontext an einer Videokonferenz teilgenommen zu haben.
Weitere Vereine entwickelten digitale Alternativformate, übertrugen etwa einzelne Vereinsrituale in den sozialen Medien. „Diese Themen wurden zwar schon vor der Pandemie von zahlreichen Vereinen fokussiert, allerdings nicht mit der nötigen Entschlossenheit“, sagte Jonas Leineweber vom Forschungsprojekt.

Klickzahlen entwickeln sich positiv

Auf den Laaspher Schützenverein treffen die Aussagen der Umfrage aber nicht in Gänze zu, wie Michael Wamich im Gespräch mit der Siegener Zeitung erklärte. Dem 1. Vorsitzenden zufolge habe der Verein soziale Netzwerke wie Facebook oder Whatsapp schon lange vor Ausbruch der Pandemie intensiv genutzt: „Wir haben auf Facebook schon vor vier Jahren erfolgreich Werbung für unser Schützenfest gemacht.“ Im Krisenjahr sei aber auffällig, dass sich die Klickzahlen „positiv“ entwickelten: „Seit der Pandemie vernehmen wir viel mehr Zugriffe.“ Viele Ankündigungen mache der Schützenverein deshalb auf seiner Facebook-Seite aber nicht: „Es findet ja nichts statt, dann brauchen wir auch nichts ankündigen.“

Video kein Ersatz für Treffen

Der Vorstand verwende in Corona-Zeiten für die Durchführung seiner regelmäßigen Sitzungen zwar die Videoplattform Google Duo – „wir müssen ja geschäftsführend bleiben“. Ein Ersatz für die persönlichen Zusammenkünfte sei das allerdings nicht: „Solange wir es durften, haben wir uns getroffen“, betonte Michael Wamich. Der 1. Vorsitzende wies es an dieser Stelle auch darauf hin, dass digitale Formate durchaus hilfreich seien, das eigentliche Vereinsleben können diese auf Dauer aber nicht ersetzen. Problematisch sei zudem, dass die „sportliche Seite“, die einen großen Teil des Vereinslebens ausmacht, seit März „komplett brach“ liege.

Einnahmen fehlen

Kein Training, keine Meisterschaften, keine Treffen der Vereinsmitglieder. Zudem fehlen dem Laaspher Schützenverein, wie vielen anderen Vereinen, wegen der ausgefallenen Veranstaltungen viele Einnahmen. Und obwohl die Aussichten für die kommende Schützenfest-Saison alles andere als gewiss sind, stehe der Vorstand in permanentem Kontakt mit seinen Musikgruppen: „Wir haben einen festen Plan in der Tasche“, sagte Michael Wamich.
Der Verein könne innerhalb von 14 Tagen ein Schützenfest organisieren. Natürlich nur unter der Prämisse, dass Veranstaltungen wieder erlaubt sind, und in Absprache mit den Behörden, merkte der
1. Vorsitzende an.

Keine normale Schützenfest-Saison erwartet

Auch beim Schützenverein Berleburg laufen derzeit die Planungen, um das normalerweise jährlich am ersten Juli-Wochenende stattfindende Schützenfest in 2021 durchführen zu können, wie Christian Hainbach gegenüber der SZ erklärte: „Sollte es möglich sein, wird es stattfinden“, so der 1. Vorsitzende, der gleichzeitig klarstellte: „Aber man muss realistisch sein.“ Denn er persönlich gehe „nach jetzigem Stand“ nicht davon aus, dass im kommenden Jahr eine „normale“ Schützenfest-Saison stattfinden werde.
Dadurch laufe das Schützenwesen, das sich vor allem durch die Werte Geselligkeit und Gemeinschaft auszeichnet, im Allgemeinen in Gefahr, das ein oder andere Mitglied zu verlieren. „Dass in diesem Jahr Feste, Jahreshauptversammlungen und auch Vorstandssitzungen ausgefallen sind, ist schlimm. Die Gemeinschaft hat stark gelitten“, meinte Christian Hainbach.

Wenn möglich persönlichen Kontakt pflegen

Deshalb hätten die Verantwortlichen des geschäftsführenden Vorstands auch in diesem Jahr versucht, wenn möglich und immer unter den zu dem jeweiligen Zeitpunkt geltenden Corona-Regelungen, Entscheidungen persönlich und gemeinsam zu treffen: „Es gab nur eine Videokonferenz“, betonte der 1. Vorsitzende.
Dennoch will der traditionsreiche Schützenverein Berleburg mit seinen rund 1900 Mitgliedern in Zukunft vermehrt die eigenen Social-Media-Kanäle wie Facebook oder Instagram bespielen: „Ich würde mir wünschen, dass wir da künftig mehr machen“, sagte Christian Hainbach.

Autor:

Alexander Kollek

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