SZ

Wolfgang Schröder wacht über den Glockenturm
Damit die Stunde pünktlich schlägt

Wolfgang Schröder kümmert sich nicht nur um die Uhr im oberen Teil des Turms. Er kontrolliert auch die Motoren für die Glockensteuerung.
3Bilder
  • Wolfgang Schröder kümmert sich nicht nur um die Uhr im oberen Teil des Turms. Er kontrolliert auch die Motoren für die Glockensteuerung.
  • Foto: vc
  • hochgeladen von Praktikant Online

vc Richstein. Wenn die Turmuhr im Dörfchen Richstein pünktlich an Silvester das neue Jahr anschlägt, ist das keine Selbstverständlichkeit. Das Uhrwerk des kleinen Glockenturms ist noch gut in Schuss, bedarf aber der akkuraten Pflege. Seit 1966 steht der Richsteiner Glockenturm, seit 1966 tickt das Uhrwerk in trauter Nachbarschaft zu den Richsteiner Turmglocken.
Nicht jeder passt durch die Turmklappe
Wolfgang Schröder ist für seinen Ort der Ansprechpartner, wenn es um den Glockenturm geht, der gut 30 Meter oberhalb der Richsteiner Kapelle steht. Die Technik hat der 70-Jährige stets im Blick: „Das Uhrwerk hat einen täglichen Verschlag von gut 10 Sekunden. Wenn sich die Uhr einer Verzögerung von einer Minute nähert, muss ich in den Turm und das Ganze nachstellen.

vc Richstein. Wenn die Turmuhr im Dörfchen Richstein pünktlich an Silvester das neue Jahr anschlägt, ist das keine Selbstverständlichkeit. Das Uhrwerk des kleinen Glockenturms ist noch gut in Schuss, bedarf aber der akkuraten Pflege. Seit 1966 steht der Richsteiner Glockenturm, seit 1966 tickt das Uhrwerk in trauter Nachbarschaft zu den Richsteiner Turmglocken.

Nicht jeder passt durch die Turmklappe

Wolfgang Schröder ist für seinen Ort der Ansprechpartner, wenn es um den Glockenturm geht, der gut 30 Meter oberhalb der Richsteiner Kapelle steht. Die Technik hat der 70-Jährige stets im Blick: „Das Uhrwerk hat einen täglichen Verschlag von gut 10 Sekunden. Wenn sich die Uhr einer Verzögerung von einer Minute nähert, muss ich in den Turm und das Ganze nachstellen.“ Nur so ist gesichert, dass die Richsteiner pünktlich auf das neue Jahr anstoßen können. Der Einsatz ist auch nötig, wenn der Wechsel zur Sommer- oder Winterzeit ansteht.

Ob Feinjustierung oder das Umstellen zur Sommerzeit: Wer zum Uhrwerk will, muss durch die Turmklappe. „Da passt leider kaum einer durch – selbst die Mitarbeiter der Wartungsfirma nicht immer. Dann muss ich wieder hoch“, berichtet Wolfgang Schröder im Gespräch mit der SZ. Noch spielt der Rücken mit und der Turmwärter kommt zu seiner Uhr. Wer auch immer die Nachfolge antritt – er sollte rank und schlank sein.

Die Uhr stammt aus einer Fabrik in Recklinghausen

Doch noch ist es nicht soweit: Ortsvorsteher Michael Sittler und alle anderen Bürger von Richstein können sich auf ihren Routinier verlassen. Der schaut auch nach dem Motor für die Kirchenglocke und dem Laufwerk der Uhr. Schröder: „Die Uhr ist an und für sich wartungsfreundlich. Wenn einmal der Strom weg ist oder der Motor zum Stillstand kommt, der die Uhr alle sechs Stunden aufzieht, ist das auch keine Katastrophe. Die Uhr hat eine Gangreserve von sechs Stunden und könnte auch manuell mit der Hand aufgezogen werden.“

Teil des am 20. März 1966 montierten Uhrwerks: Die Uhr verfügt über eine Gangreserve von sechs Stunden und kann zur Not manuell aufgezogen werden.
  • Teil des am 20. März 1966 montierten Uhrwerks: Die Uhr verfügt über eine Gangreserve von sechs Stunden und kann zur Not manuell aufgezogen werden.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Praktikant Online

Der Richsteiner zieht heute noch den Hut vor jenen, die die Turmuhr einst installierten. „Wolfgang Hartmann und Norbert Menzel haben diese Uhr montiert. 20. III. 1966“ steht auf dem Balken beim Uhrwerk. Die Uhr stammt aus der Turmuhrenfabrik Bernhard Vortmann aus Recklinghausen.

Glockenklang zu freudigen Anlässen

Seit 1966 steht der Glockenturm in Richstein. Interessant ist die Kostenaufteilung für den Neubau oberhalb der alten Kapelle. Wer der Rechnung für das Uhrwerk folgt, erlebt eine kleine Überraschung. Während die ev. Kirchengemeinde für den Bau des Turms aufkam, stemmte die politische Gemeinde die Rechnung für das Uhrwerk. Noch heute gehört der Kirchengemeinde der Turm, während die Uhr in Besitz der Stadt Bad Berleburg als Rechtsnachfolgerin der Gemeinde Richstein ist.

Die Uhr ist an und für sich wartungsfreundlich.
Wolfgang Schröder
Turmwärter von Richstein

Die klamme Kirchengemeinde ging 1966 mit der Gemeinde Richstein einen besonderen Handel ein. Die Läutemaschinen der drei Glocken wurden von der Gemeinde mit 2943 Mark bezahlt. Dafür sichert das Presbyterium in einem der SZ vorliegenden historischen Schreiben folgendes zu: „Die Kirchengemeinde erklärt sich hingegen bereit, bei gegebenem Anlass und auf Wunsch das Geläut auch solchen Gemeindebürgern zur Verfügung zu stellen, die nicht der Evangelischen Kirche angehören.“ Und so läuten die Richsteiner Glocken zu weltlichen und kirchlich Anlässen gleichermaßen. Das ist bei einem Gottesdienst und einer Beerdigung obligatorisch. Der Glockenklang ist aber auch dann zu hören, wenn in Richstein eine Geburt oder ein anderer freudiger Anlass gefeiert wird. Presbyterin Helga Duchardt kann das Geläut mittlerweile per Funk auslösen.

Hier erhält der Turm oberhalb der Kapelle seine Kupferdachrinne.
  • Hier erhält der Turm oberhalb der Kapelle seine Kupferdachrinne.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Praktikant Online

Gegossen für die Gemeinde Richstein

Vorher haben die Richsteiner die Mechanik von Hand ausgelöst, so zum Beispiel bei der feierlichen Einweihung am 20. März 1966. Im Vorfeld ließ die Kirchengemeinde zwei der Glocken zum Neubau des Turms neu gießen. Die Gießerei Rinker holte die Glocken am 18. Februar 1966 in Sinn im Dillkreis aus der Gussform. Sie läuten bis heute neben einem historischen Exemplar. Die Kapelle hatte bis 1966 zwar keinen großen Turm, aber wenigstens eine eigene Glocke. „Gegossen für die Gemeinde Richstein von H. Hampert und Sohn zu Brilon 1886“ ist auf dem Metall zu lesen. Die Richsteiner transportierten die alte Glocke von der Kapelle in den Turm, wo sie mit den 1966 gegossenen Exemplaren an Silvester läuten wird.

Dann schlägt die Stunde der gut gewarteten Technik. Wolfgang Schröder: „Fünf Minuten vor Mitternacht und fünf Minuten danach – so läuten wir in Richstein das neue Jahr ein.“

Autor:

Christian Völkel

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Anzeigen in der Siegener Zeitung
Anzeigen einfach online aufgeben

Egal ob privat oder gewerblich: Mit der Online-Anzeigenannahme der Siegener Zeitung können Kunden ihre Anzeige schnell und unkompliziert über das Internet aufgeben. Die Online-Anzeigenaufgabe bietet ein breites Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten und verschiedene Buchungsoptionen. Viele Kategorien und Muster für AnzeigenWählen Sie die gewünschte Kategorie und ein Anzeigenmuster, gestalten Sie Ihre eigene Anzeige und buchen Sie in der gewünschten Rubrik. Als registrierter Benutzer können Sie...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.