„Das ist fast wie im Märchen”

Angeklagter bestritt gestern Vorwurf der Urkundenfälschung

Bad Berleburg. Wer das Fernseh- und Radioprogramm aus der ersten Reihe genießen will, ist zu monatlichen Zahlungen verpflichtet – Beträge, die an die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) zu überweisen sind. Gern kommen wohl die Allerwenigsten dieser Verpflichtung nach, doch letztlich führt daran in der Regel kein Weg vorbei. Auch dann nicht, wenn mittels einer Urkundenfälschung ein unbeteiligter Dritter zur Zahlung von ausstehenden GEZ-Gebühren verpflichtet wurde.

Überweisung für Dritten ausgefüllt?

Aufgrund dieses Vorwurfes musste sich gestern Nachmittag ein ehemaliger Oberfeldwebel der Bundeswehr vor dem Bad Berleburger Amtsgericht verantworten. Staatsanwalt Wolfgang Nau warf dem zweifachen Familienvater vor, im April vergangenen Jahres einen auf seinen Namen ausgefüllten Überweisungsträger mit der Kontonummer und Unterschrift eines ihm untergeordneten Zeitsoldaten versehen und bei einem Bad Laaspher Kreditinstitut eingereicht zu haben.

„Verfügte nicht über die Kontonummer”

Die Zahlung wurde anschließend storniert und Strafanzeige erstattet. Der Bäcker- und Küchenmeister räumte ein, dass es „sein kann, dass ich den Überweisungsträger zwar in meinen Händen hielt”, doch das Ausfüllen ginge zweifelsfrei nicht auf sein Konto. Er gab außerdem zu bedenken, dass es ihm nicht möglich gewesen sei, die Kontonummer des vermeintlichen Einzahlers ausfindig zu machen: „Im Küchenbereich der Erndtebrücker Kaserne war mir der junge Mann zwar unmittelbar untergeordnet, doch persönliche Daten standen mir natürlich nicht zur Verfügung.”

Sachverständiger sah „viele Parallelen”

Amtsgerichtsdirektor Hans-Jürgen Niediek stellte hingegen fest, dass „es kein allzu großes Problem darstellt, eine Kontonummer zu besorgen”, vielmehr sei er zu der Überzeugung gelangt, dass der Angeklagte hier eine sehr ungewöhnliche Geschichte auftische. Noch deutlicher wurde der Staatsanwalt: „Das ist fast wie im Märchen, Sterntaler eben. Wir haben hier schon viel erlebt, aber dass ein Dritter die GEZ-Gebühren eines Anderen übernimmt, das glauben Sie doch wohl selbst nicht.” Erschwerend komme hinzu, dass ein Sachverständiger die Unterschrift auf dem Überweisungsträger mit Proben des Angeklagten verglichen habe und „viele Parallelen” festgestellt habe.

Urteilsfindung erst einmal vertagt

„Wenn Sie mit Sache zu tun haben, sollten Sie zu den Dingen stehen. Ansonsten wird die Angelegenheit nur noch schlimmer”, appellierte der Amtsgerichtsdirektor. In diesem Fall seien noch weitere Gutachten von Sachverständigen hinzuziehen, ehe eine Urteilsfindung zu erwarten sei. Doch auch nach einer Beratung unter vier Augen mit seinem Rechtsanwalt Albrecht Beitzel blieb der Angeklagte bei seiner Darstellung: „Ich habe die Überweisung nicht getätigt.” Er sei natürlich bereit, weitere Schriftproben anzufertigen, um seine Unschuld zu untermauern. Die Urkundenfälschung wird in einigen Wochen weiter verhandelt.vö

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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