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Streit um freilebende Wisent-Herde (Update)
Das sind die Ergebnisse des Gutachtens

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser befürwortet und unterstützt das Wisent-Artenschutzprojekt. Das machte sie am Mittwoch bei der Vorstellung des Gutachtens deutlich.
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  • NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser befürwortet und unterstützt das Wisent-Artenschutzprojekt. Das machte sie am Mittwoch bei der Vorstellung des Gutachtens deutlich.
  • Foto: Guido Schneider
  • hochgeladen von Michael Sauer

Wie geht es weiter mit der freilebenden Wisent-Herde im Rothaargebirge? Bei einer Pressekonferenz, unter anderem mit NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser und Siegen-Wittgensteins Landrat Andreas Müller, wurden am Mittwochvormittag die Ergebnisse des Wisent-Gutachtens präsentiert. Wie diese ausgefallen sind und welche Folgen dies für das Projekt hat - wir haben die Infos.

Wie geht es weiter mit der freilebenden Wisent-Herde im Rothaargebirge? Bei einer Pressekonferenz, unter anderem mit NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser und Siegen-Wittgensteins Landrat Andreas Müller, wurden am Mittwochvormittag die Ergebnisse des Wisent-Gutachtens präsentiert. Wie diese ausgefallen sind und welche Folgen dies für das Projekt hat - wir haben die Infos.

+++ Update 22. Dezember, 13.29 Uhr +++
howe Bad Berleburg. Klare Aussagen machten am Mittwoch in Bad Berleburg weder Landrat Andreas Müller noch Wisent-Trägervereinschef Bernd Fuhrmann oder NRW-Ministerin Ursula Heinen-Esser. „Eine abschließende Entscheidung über die Zukunft des Wisent-Projekts soll so schnell wie möglich getroffen werden“, hieß es. Dennoch: Das Wisent-Projekt scheint nicht Gefahr zu laufen, beendet zu werden.

Aber von vorn: Zunächst stellte Dr. Oliver Keuling vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (Hannover) die Ergebnisse des 140-seitigen, 110 000 Euro teuren Gutachtens vor. Das wiederum wurde von der Wisent-Koordinierungsgruppe in Auftrag gegeben – einmal, um die Freisetzungsphase zu bewerten und zu eruieren, ob die Tiere irgendwann mal in Freiheit leben können. Und andererseits, um Erkenntnisse im Streit zwischen einigen Waldbauern aus dem benachbarten Hochsauerlandkreis und dem Trägerverein zu gewinnen.

Gutachten zu Wisenten: Projekt sollte fortgeführt werden

Das Wisent-Auswilderungsprojekt sollte fortgeführt werden, weil es Modell- und Vorbildcharakter hat, lautete das Fazit von Dr. Oliver Keuling, der von einem „großen Potenzial“ sprach. Der Wissenschaftler lieferte einige wichtige Erkenntnisse: „Für ein dauerhaftes Großgatter kann eine eindeutige Empfehlung nicht ausgesprochen werden.“ Ein Erlegen der Tiere komme ebenfalls nicht in Frage, ebenso wenig wie die letale Entnahme.

Die Dokumentation des Projekts war teilweise mangelhaft.
Dr. Oliver Keuling
Gutachter

Allerdings machte Dr. Oliver Keuling auf zahlreiche Mängel aufmerksam, die es zu beheben gelte. „Die Dokumentation des Projekts war teilweise mangelhaft.“ Das betriebene Herdenmanagement entspreche nicht den internationalen Schutzbestimmungen, außerdem sei die Sendertechnik veraltet.

Richtungsweisend

Insgesamt müsse im Management eine Menge getan werden – bis hin zur „Abwägung zwischen Artenschutz und wirtschaftlichen Interessen durch vorausschauende, forstwirtschaftliche Planung“.

Wisent-Gutachten macht auf zahlreiche Mängel aufmerksam

Aufgrund des Gutachtens schlägt der Fachmann nun vor, im Falle einer Fortführung des Wisent-Projekts, nachzubessern. Dafür sollen weitere, größere Partner dem Trägerverein zur Seite gestellt werden. Erforderlich ist auch eine intensivere wissenschaftliche Begleitung durch einen internationalen Expertenbeirat.
„Wir können noch nichts sagen, wie es weitergeht mit dem Projekt“, so Landrat Andreas Müller. Das Gutachten stelle aber klar, welche Bedeutung das Projekt habe. „Wir müssen angesichts der Gefährdung der Biodiversität einen Ausgleich der Interessen hinbekommen.“ Gemeinsam wolle man jetzt nach Lösungen suchen. „Schließlich deckt das Gutachten auch Projekt-Defizite auf.“ Die klagenden Waldbauern seien „sehr kompromisslos und verhärtet.“ Müller weiter: „Die Verweigerungshaltung wirkt, als sei sie mehr gegen die Initiatoren gerichtet.“

Dürfen die Wisente bleiben?

Ministerin Ursula Heinen-Esser sieht im vorliegenden Gutachten „die Grundlage für ein doch noch erfolgreiches Projekt“. Das Gutachten könne dazu beitragen, das Wisent-Projekt in der Erfolgsspur zu halten. Dr. Karl Schneider, Landrat des Hochsauerlandkreises, fand kritische Worte: „Das Herdenmanagement hat bisher nicht funktioniert. Bleibt die Frage, ob es später funktioniert.“ Die dauerhafte Begleitung und das intensive Management halte er für schwierig. Zugleich gab Schneider zu: „Wir haben den Kompromiss mit den Waldbauern nicht geschafft. Mir hat der Ton da auch nicht gefallen.“

Stadt Schmallenberg fordert Ende des Wisent-Projekts

Deutlich wurde Schmallenbergs Bürgermeister Burkhard König: „Aus Sicht der Stadt Schmallenberg soll das Projekt beendet werden.“ Trägervereins-Vorstand Johannes Röhl versprach: „Wir werden uns den Schlussfolgerungen des Gutachtens stellen. Und wir freuen uns, wenn die Suche nach einem großen Partner gelingt.“

Entscheidung über Wisente rückt näher

Bernd Fuhrmann berichtete von aktuellen Gesprächen mit der Deutschen Wildtierstiftung und dem Kölner Zoo. „Wir werden beide in die Gespräche mit einbeziehen und die weitere Vorgehensweise mit dem Ministerium abstimmen.“ Ministerin Ursula Heinen-Esser erläuterte, dass sich jetzt die Koordinierungsgruppe mit den Ergebnissen befassen werde. „Das A und O muss ein sehr starkes, klares Management sein. Das Gutachten hat die Schwachstellen aufgezeigt.“

+++ Erstmeldung, 22. Dezember, 11.48 Uhr +++

howe Bad Berleburg. Das Artenschutzprojekt frei lebender Wisente im Rothaargebirge soll wegen seines Modell- und Vorbildcharakters fortgeführt werden- wenn denn die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden. Die Idee eines dauerhaften Großgatters soll nicht weiter verfolgt werden, auch ein Erlegen der Tiere kommt nicht in Frage. Zu dieser insgesamt positiven Bewertung des Gesamtprojekts kommt das in Auftrag gegebene Gutachten des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in Hannover.

Freilebende Wisent-Herde: Umweltministerin als Moderatorin

Nach den vertraglichen Regelungen des damals geschlossenen öffentlich-rechtlichen Vertrags zwischen Land NRW und dem Trägerverein sollte in der Freisetzungsphase eine Auswertung des Artenschutzprojekts erfolgen. Zuletzt hatte sich NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser als Moderatorin eingeschaltet, um zwischen den Streitparteien, den Sauerländer Waldbauern einerseits, und dem Wisent-Verein andererseits zu vermitteln. Das Gutachten sollte hierzu die entsprechenden Erkenntnisse liefern. Bei der Pressekonferenz am Mittwoch in Bad Berleburg machte der Gutachter auf die zu klärenden Probleme aufmerksam: unter anderem sollen einfache und auskömmliche Regelungen zum Ausgleich der Fraßschäden getroffen werden.

Wisent-Gutachten wird vorgestellt

Dem Trägerverein sollen weitere, größere Partner zur Seite gestellt werden. Auch ein international besetzter Expertenrat soll einberufen werden. Geklärt werden müsse jedenfalls, wie man den Waldbauern im Hochsauerland entgegenkommen kann. Eine abschließende Entscheidung über die Zukunft des Projekts soll so schnell wie möglich getroffen werden.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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