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Erster Pyro-Prozess in Bad Berleburg
Das Ziel waren Böller der Marke Eigenbau

Ein Sondereinsatzkommando von Zoll und Bundespolizei räumte im Dezember 2018 zahlreiche Sprengkörper aus zwei Wohnungen in Bad Berleburg. Am Freitag stand der erste von zwei Angeklagten in Bad Berleburg vor Gericht. Foto: Archiv
  • Ein Sondereinsatzkommando von Zoll und Bundespolizei räumte im Dezember 2018 zahlreiche Sprengkörper aus zwei Wohnungen in Bad Berleburg. Am Freitag stand der erste von zwei Angeklagten in Bad Berleburg vor Gericht. Foto: Archiv
  • hochgeladen von Björn Weyand (Redakteur)

bw Bad Berleburg. Für viel Gesprächsstoff sorgte im Dezember 2018 eine Razzia, bei der in zwei Häusern in Bad Berleburg größere Mengen Sprengstoff gefunden wurden. Im Bad Berleburger Amtsgericht musste sich am Freitag einer der beiden Männer verantworten, bei denen seinerzeit illegale Pyrotechnik und Substanzen, die auch zur Herstellung von explosivem Material verwendet werden, sichergestellt wurden. Zuerst sah der Prozess gegen den 34-Jährigen aus Bad Berleburg wie eine zähe Angelegenheit aus: Nach einem erfolglosen Gespräch von Richter, Staatsanwältin und Verteidiger hinter verschlossener Tür machte der Beschuldigte zunächst Gebrauch von seinem Schweigerecht.

bw Bad Berleburg. Für viel Gesprächsstoff sorgte im Dezember 2018 eine Razzia, bei der in zwei Häusern in Bad Berleburg größere Mengen Sprengstoff gefunden wurden. Im Bad Berleburger Amtsgericht musste sich am Freitag einer der beiden Männer verantworten, bei denen seinerzeit illegale Pyrotechnik und Substanzen, die auch zur Herstellung von explosivem Material verwendet werden, sichergestellt wurden. Zuerst sah der Prozess gegen den 34-Jährigen aus Bad Berleburg wie eine zähe Angelegenheit aus: Nach einem erfolglosen Gespräch von Richter, Staatsanwältin und Verteidiger hinter verschlossener Tür machte der Beschuldigte zunächst Gebrauch von seinem Schweigerecht.

Dabei war die Anklage deutlich: In der Wohnung des 34-Jährigen waren nicht nur nicht zugelassene Feuerwerkskörper entdeckt worden, sondern auch verschiedene Pulver, die miteinander explosive Gemische ergeben hätten. Außerdem hatten die Fahnder noch Gewehr- und Flintenmunition, einen Wurfstern sowie vier Gramm Marihuana sichergestellt. Insofern waren Verstöße gegen das Sprengstoff-, das Waffen- und das Betäubungsmittelgesetz angeklagt. Während der 34-Jährige zunächst auf eine Aussage verzichtete, kam ein Bediensteter der Bundespolizei-Direktion am Flughafen Frankfurt/Main zu Wort, der im Dezember 2018 vom Zoll zur Entschärfung nach Bad Berleburg gerufen worden war.

Der erfahrene Beamte ließ gar keinen Zweifel an der Gefährlichkeit der gefundenen Stoffe. Mit Schwefelpulver und Kaliumnitrat könne Schwarzpulver hergestellt werden. Dass auch Kaliumchlorat und roter Phosphor gefunden wurden, „hat uns große Magenschmerzen bereitet“, betonte der Zeuge. Es handele sich hierbei um extrem gefährliche Mischungen. In der Wohnung sei mit Explosivstoffen und selbstgebauten Vorrichtungen hantiert worden, so der Fachmann weiter: „Wenn man sich die Stoffe anschaut, dann erkennt man schnell die Zielrichtung.“ Hinzu kamen noch illegale Pyrotechnik, also Böller aus Polen sowie Tschechien. Die Menge und auch die Art der Stoffe, die in den beiden Wohnungen in Bad Berleburg gefunden wurde, waren auch für die erfahrenen Beamten ungewöhnlich: „Wir mussten uns auch erstmal sammeln, nachdem wir alles entdeckt hatten“, gab der Bedienstete des Entschärfungsdienstes vor Gericht zu. Zumal ja die Selbstlaborate „sehr unprofessionell und deshalb total gefährlich“ gewesen seien.

Nach der Aussage des Zeugen gab sich der Angeklagte geständig, versuchte allerdings, die Dinge aus seiner Sicht ein wenig zu relativieren. Ein Großteil der „Polenböller“ sei zertifiziert gewesen, aber es seien sicherlich auch welche darunter gewesen, die das CE-Siegel nicht hatten, beteuerte der 34-Jährige. Dass das besonders gefährliche Kaliumchlorat in seiner Wohnung sichergestellt wurde, konnte sich der Angeklagte nicht erklären: Gekauft habe er das nicht, vielleicht sei es beim Öffnen eines Feuerwerkskörpers herausgetreten. Sämtliche anderen Pulver habe er für pyrotechnische Mischungen verwendet: Für Silvester habe er Böller und Signalfackeln bauen wollen, verriet der 34-Jährige. Die Munition habe er noch vom Kleinkaliber-Schießen besessen, die anderen Patronen habe er mal mit einem Metalldetektor gefunden und sie eigentlich jemandem zur Entsorgung geben wollen. Der Wurfstern sei gar keiner gewesen – das sei vielmehr nur ein Spielzeug ohne scharfe Kanten gewesen. Und die vier Gramm Marihuana seien für den Eigenbedarf gewesen.

Die Kölner Staatsanwältin Dr. Wesselmann hielt dem Angeklagten nicht nur das Geständnis und seine bisher weiße Weste zugute, sondern auch die Tatsache, dass er nicht die Absicht hatte, mit dem explosiven Material die Allgemeinheit zu schädigen. Weil er kein Fachmann ist, habe er allerdings nicht mit den Substanzen hantieren dürfen. Sie forderte eine Geldstrafe in einer Höhe von 80 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro. Verteidiger Thomas Nonas gab zu bedenken, dass die Substanzen für sich gar nicht illegal gewesen seien und getrennt gelagert gewesen seien. Außerdem wären die vier Gramm Marihuana für sich nicht mal zur Anklage gekommen, insofern bat der Rechtsanwalt aus Wallau um eine mildere Strafe für seinen Mandanten.

Richter Torsten Hoffmann blieb knapp unter der von der Staatsanwältin geforderten Geldstrafe: Er beließ es bei 75 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro – der 34-Jährige muss also insgesamt 2250 Euro zahlen. Der Berleburger nahm dieses Urteil an, das damit rechtskräftig ist. So günstig dürfte es für seinen Kumpel in knapp zwei Wochen nicht werden: Für Freitag, 21. Februar, ist der Prozess gegen den Hauptbeschuldigten im Berleburger Gericht terminiert. Eines hatte der Beamte vom Entschärfungsdienst nämlich schon in der Verhandlung am Freitag deutlich gemacht: Bei der Razzia im anderen Haus seien deutlich mehr explosionsgefährliche Stoffe gefunden worden, als es in der Wohnung des 34-Jährigen der Fall gewesen sei.

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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