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Amtsgericht Bad Berleburg
Den Unfall "wirklich nicht bemerkt"

Das Verfahren gegen eine 39-Jährige endete mit einer Einstellung. Symbolfoto: Archiv
  • Das Verfahren gegen eine 39-Jährige endete mit einer Einstellung. Symbolfoto: Archiv
  • hochgeladen von Timo Karl (Redakteur)

howe Bad Berleburg. „Ist kein Weihnachtspapier drum, aber hier ist der Führerschein.“ Mit diesen Worten übergab Richter Torsten Hoffmann am Dienstag im Bad Berleburger Amtsgericht einer 39-jährigen Erndtebrückerin die Fahrerlaubnis zurück, der „Lappen“ hatte zwei Monate lang in der Strafakte gelegen. Nicht ohne Grund, denn die Staatsanwaltschaft Siegen kassierte den Schein ein, weil die Frau auf dem Parkplatz eines Supermarktes Fahrerflucht begangen haben soll.

Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel klagte die 39-Jährige an, im Juli eingeparkt und dabei gegen ein anderes Fahrzeug gefahren zu sein. Dabei soll ein Schaden von rund 1600 Euro entstanden sein. Die Fahrerin habe noch fünf Minuten in ihrem Auto gesessen, habe sich dann aber aus dem Staub gemacht.

howe Bad Berleburg. „Ist kein Weihnachtspapier drum, aber hier ist der Führerschein.“ Mit diesen Worten übergab Richter Torsten Hoffmann am Dienstag im Bad Berleburger Amtsgericht einer 39-jährigen Erndtebrückerin die Fahrerlaubnis zurück, der „Lappen“ hatte zwei Monate lang in der Strafakte gelegen. Nicht ohne Grund, denn die Staatsanwaltschaft Siegen kassierte den Schein ein, weil die Frau auf dem Parkplatz eines Supermarktes Fahrerflucht begangen haben soll.

Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel klagte die 39-Jährige an, im Juli eingeparkt und dabei gegen ein anderes Fahrzeug gefahren zu sein. Dabei soll ein Schaden von rund 1600 Euro entstanden sein. Die Fahrerin habe noch fünf Minuten in ihrem Auto gesessen, habe sich dann aber aus dem Staub gemacht. Die 39-Jährige machte keine Anstalten, die Tat abzustreiten, sie versicherte dem Gericht aber glaubhaft, dass sie davon überhaupt nichts mitbekommen habe. „Ich habe zum ersten Mal von dem Unfall erfahren, als ich im Garten den Zaun für den Hund aufgestellt habe.“ Sie habe dann bei den Polizeidienststellen angerufen, dort aber leider nichts in Erfahrung bringen können. Schließlich habe sie eine Freundin, eine Polizistin, kontaktiert. Die habe ihr eröffnet, dass sie angeblich auf einem Parkplatz einen Schaden an einem anderen Auto angerichtet habe. „Ich habe dann sofort nochmal bei der Bad Berleburger Polizei angerufen und Kontakt zu dem Kriminalbeamten aufgenommen“, so die 39-Jährige. „Ich bin jeden zweiten Tag bei dem Supermarkt. Ich habe überhaupt nichts bemerkt.“ Ob sie zuletzt „durch den Wind“ gewesen sei, das wolle sie nicht abstreiten, aber sie hätte keinen Grund gehabt, einen Unfallort zu verlassen. „Ich bin gut versichert. Es gibt gar keinen Grund, so was zu tun. Ich brauche mein Auto. Ich habe es wirklich nicht bemerkt“, ließ sich die 39-Jährige ein. Ihr Verteidiger Martin Rötz aus Olpe formulierte es noch deutlicher: „Warum sollte sie das machen? Man wäre ja dämlich, wenn man sich aus dem Staub machen würde. Welche Motivation hatte sie denn, wegzufahren? Bei Kasko hätte sie einen Freischuss wegen ihrer unfallfreien Zeit.“

Ihm fehle die Plausibilität, so der Rechtsanwalt. Das ergebe alles keinen Sinn und deshalb glaube er seiner Mandantin von A bis Z. Die habe vor Gericht die Sache plausibel dargestellt, dagegen habe er große Zweifel an dem Schaden von 1600 Euro. „Da überlege ich, ein Gutachten in Auftrag zu geben.“ Während die 39-Jährige versicherte, an ihrem Wagen „doch nur ein Kratzerchen“ gehabt zu haben, gab ihr Verteidiger ein durchaus emotionales Statement ab. Mehrfach unterbrach er Richter Torsten Hoffmann und stellte klar, dass bei der Begutachtung des Fahrzeugs Altschäden nicht berücksichtigt worden seien. Zunächst aber sagte ein Taxifahrer als Zeuge aus. Der hatte sich .– wie immer – vor den Supermarkt gestellt, um mögliche Kunden dort mitzunehmen. Zufällig beobachtete der 49-Jährige dann, wie die Angeklagte mit ihrem Wagen in die Parklücke gefahren sei. „Das linke Fahrzeug hat gewackelt und ich habe ein Geräusch wie ein Schrabben gehört.“ Er habe gedacht, die Dame werde doch wohl aussteigen, stattdessen sei sie ein paar Minuten im Wagen geblieben und anschließend davongefahren. Als der Besitzer des Autos dann gekommen sei, habe er diesen auf den Schaden aufmerksam gemacht. „Da war am linken hinteren Radlauf eine große Schramme.“

Dass ein ebenfalls in der Werkstatt beseitigter, von unten nach oben verlaufender Kratzer aufwändig beseitigt wurde, stellte Rechtsanwalt Martin Rötz in Frage. „Wenn das ein Altschaden ist, würden erhebliche Kosten wegfallen.“ Der Anwalt bezifferte die Summe auf 643 Euro, die dann von dem Gesamtschadensbetrag abgezogen würde. Nichtsdestotrotz musste das Gericht hier die Schuldfrage klären. Und da schlug Richter Torsten Hoffmann angesichts des bereits erfolgten, zweimonatigen Führerschein-Verzichts vor, das Verfahren gegen eine Geldbuße einzustellen. 600 Euro soll die 39-Jährige nun an den Jugendförderverein Bad Berleburg überweisen. Dann ist die Sache erledigt. Noch besser: Das Gericht hob auch den „111a“ (Vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis) auf und überreichte der Frau den Führerschein.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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