SZ

Auf den Spuren des berühmten Dichters Hermann Löns
Denkzettel für Wittgensteiner Bauern

Karl Rolf Lückel besitzt einige wertvolle Sücke von Hermann Löns.
3Bilder
  • Karl Rolf Lückel besitzt einige wertvolle Sücke von Hermann Löns.
  • Foto: howe
  • hochgeladen von Marc Thomas

howe Girkhausen. Dass der berühmte Heidedichter Hermann Löns in seinem neuen Amt als Forstrat ausgerechnet einem Wittgensteiner Landwirt begegnete, war nichts Ungewöhnliches. Löns, 1866 in Culm in Westpreußen geboren, aber in Deutsch Krone aufgewachsen, zog mit den Eltern 1884 nach Münster, wo er 1905 bei einer Jagdtrophäenschau Bekanntschaft mit dem passionierten Förster Adolf Bahne machte. Der wiederum war im Siegen-Wittgensteiner Revier am Lahnhof beschäftigt – sozusagen im Grenzgebiet zwischen Hainchen und Welschengeheu, zwischen Heiligenborn und dem Lahnhof.

howe Girkhausen. Dass der berühmte Heidedichter Hermann Löns in seinem neuen Amt als Forstrat ausgerechnet einem Wittgensteiner Landwirt begegnete, war nichts Ungewöhnliches. Löns, 1866 in Culm in Westpreußen geboren, aber in Deutsch Krone aufgewachsen, zog mit den Eltern 1884 nach Münster, wo er 1905 bei einer Jagdtrophäenschau Bekanntschaft mit dem passionierten Förster Adolf Bahne machte. Der wiederum war im Siegen-Wittgensteiner Revier am Lahnhof beschäftigt – sozusagen im Grenzgebiet zwischen Hainchen und Welschengeheu, zwischen Heiligenborn und dem Lahnhof. Als Hermann Löns am zweiten Tag seines Besuchs gemeinsam mit Adolf Bahne auf der Pirsch in einer Buchenverjüngung weidendes Vieh entdeckte, platze ihm die Hutschnur: „Wie können Sie sich erdreisten, mit vier Stück Rindvieh diese Schonung zu betreten“, raunzte Hermann Löns den „nicht unbemittelten Werksbesitzer aus Welschengeheu“ an. „Ich werde euch Wittgensteiner Bauern schon den richtigen Denkzettel geben. Der Teufel soll euch stückweise holen.“

Hermann Löns wandte sich seinem Freund Adolf Bahne zu: „Herr Förster, bemerken sie in ihrer Anzeige an das Forstamt, dass die Buchenverjüngung an allen Ecken mit Warnungstafeln und der Aufschrift ‚Schonung‘ geschützt ist, und dass dieser Mann trotzdem die Frechheit gehabt hat, hier die strengstens verbotene Waldweide auszuüben.“ Welch unbequeme Begegnung: Ausgerechnet Hermann Löns, ein Schriftsteller und Dichter, zugleich einer der ersten engagierten Umwelt- und Naturschützer, bekommt ein so schlechtes Bild von Wittgenstein. Wenn der heute wüsste, dass in Erndtebrück eine Straße nach ihm benannt ist. Adolf Bahne hat seine Erlebnisse festgehalten – im ersten Band „Im Wald und auf der Heide“, erschienen 1937 in einem Heimatverlag in Meschede. Und einer weiß, wie sich Hermann Löns tatsächlich in den hiesigen Wäldern gefühlt hat: Karl Rolf Lückel aus Girkhausen. Der 84-Jährige hat sicher eine der größten Hermann-Löns-Sammlungen, besitzt Hunderte Bücher, allein 10 Bände und 3 Nachlassbände, zahlreiche Briefe des Dichters, dazu kiloweise Mappen mit Zeitungsartikeln – vornehmlich aus der Siegener Zeitung.

Hermann-Löns-Zimmer im Dachgeschoss

„Es ist erstaunlich, was man da die erste Zeit gesammelt hat“, erinnert sich Karl Rolf Lückel. Heute hat er seine umfangreiche Sammlung im Dachgeschoss seines Hauses untergebracht. Hier befindet sich sein Hermann-Löns-Zimmer, wo er sich zuweilen zurückzieht, um in den unendlich vielen Werken zu stöbern. Karl Rolf Lückel weiß alles von und über Hermann Löns. „Als Sextaner war ich oft in der damaligen Buchhandlung Wilhelmi.“ Nach einer Dichterlesung im Gymnasium wurde schließlich die Begeisterung des Elfjährigen für Hermann Löns realistische Naturschilderungen geweckt. „Ich habe dann mein erstes Buch gekauft. Der Mümmelmann.“ Die Leidenschaft für die Löns-Literatur wuchs. „Seine Naturschilderungen sind unübertroffen“, erzählt Karl Rolf Lückel. „Er hat sich damals schon für Umweltschutz und die Tiere eingesetzt, betrieb mehr Hege als Jagd.“ Löns Bücher erschienen in 12 Millionen Auflage, allseits bekannt ist er als Heidedichter – eine Bezeichnung, die Karl Rolf Lückel ihm aber nicht allein zuschreiben will.

Dieses wertvolle Kunstwerk von Hermann Löns – zwei Auerhähne – besitzt Karl Rolf Lückel ebenfalls - mit „schönem Gruß“ des Autors.
  • Dieses wertvolle Kunstwerk von Hermann Löns – zwei Auerhähne – besitzt Karl Rolf Lückel ebenfalls - mit „schönem Gruß“ des Autors.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Marc Thomas

„Hermann Löns war mehr. Er hat über Wilhelm Busch oder auch Napoleon geschrieben. Er hat sogar gemalt“, berichtet der Girkhäuser, der auch einige Malereien besitzt. Zum Beispiel die beiden Auerhähne auf einer Postkarte, persönlich signiert von Hermann Löns. Dazu weiß Karl Rolf Lückel zu berichten, dass die Auerhähne vornehmlich im Wittgensteiner Land zuhause waren. Sein Sohn Ulf hat in einem 2020 im Jahrbuch „Schönes Westfalen“ erschienenen Artikel festgestellt, dass zu Zeiten der Übernahme durch Adolf Bahne 1901 das Revier am Lahnhof das wohl „bedeutendste Auerwaldrevier im ganzen Königreich Preußen – ja sogar in ganz Deutschland“ war. Auf einem Flohmarkt in Walsrode entdeckte Karl Rolf Lückel das alte Buch „Grün ist die Heide“ von Hermann Löns, dessen Motiv Vorlage für den gleichnamigen Film im Jahre 1951 war.

Das Besondere daran: Das Buch haben alle Schauspieler von damals signiert, darunter Sonja Ziemann, Rudolf Prack oder Kurt Reimann. Innerhalb von über 70 Jahren hat sich bei Karl Rolf Lückel so einiges an Löns-Literatur und alten Schätzchen angesammelt.
„Da bin ich stolz drauf, so eine Sammlung zu haben“, sagt er und fügt hinzu: „Es wäre ein Stück meines Lebens vernichtet, wenn die Bücher wegkämen.“ Karl Rolf Lückel hat sich Hermann Löns voll verschrieben. Seit 1994 ist der Girkhäuser Mitglied im Hermann-Löns-Kreis. „Der Austausch mit den Hermann-Löns-Freunden ist sehr interessant. Man tauscht sich aus, spricht über die Dinge.“

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen