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Gemeinsame Initiative Digitalisierung
Der Mensch steht im Mittelpunkt

Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves (FoKoS-Leiter), Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann, Kristina Röding (FoKoS-Mitarbeiterin), Landrat Andreas Müller, Dr. Stephanie Arens (Prokuristin und Leiterin der Regionale 2025/Südwestfalen-Agentur) sowie Futurologe und Moderator Max Thinius (v. l.) eruierten gemeinsam die Potenziale der Digitalisierungsstrategie.
  • Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves (FoKoS-Leiter), Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann, Kristina Röding (FoKoS-Mitarbeiterin), Landrat Andreas Müller, Dr. Stephanie Arens (Prokuristin und Leiterin der Regionale 2025/Südwestfalen-Agentur) sowie Futurologe und Moderator Max Thinius (v. l.) eruierten gemeinsam die Potenziale der Digitalisierungsstrategie.
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  • hochgeladen von Timo Karl (Redakteur)

tika Bad Berleburg. Der Schauplatz hatte Symbolcharakter. Denn dass Leuchtturmprojekte tatsächlich realisierbar sind, hat die Stadt Bad Berleburg in den vergangenen Monaten und Jahren in eindrucksvoller Manier bewiesen. Das Ergebnis nämlich betrachteten die Teilnehmer der Jahreskonferenz der Gemeinsamen Initiative Digitalisierung (GID) Siegen-Wittgenstein am Montagabend ganz direkt: das neue Bürgerhaus am Markt in Bad Berleburg. Ein ähnliches Leuchtturmprojekt ist die vielzitierte Digitalisierung, die allerdings allzu oft schon deshalb scheitert, weil keine klare Strategie bei der Umsetzung erkennbar ist – der Kampf um eine Vormachtsstellung innerhalb einer Region avanciert allzu schnell zu einer Innovationsbremse.

tika Bad Berleburg. Der Schauplatz hatte Symbolcharakter. Denn dass Leuchtturmprojekte tatsächlich realisierbar sind, hat die Stadt Bad Berleburg in den vergangenen Monaten und Jahren in eindrucksvoller Manier bewiesen. Das Ergebnis nämlich betrachteten die Teilnehmer der Jahreskonferenz der Gemeinsamen Initiative Digitalisierung (GID) Siegen-Wittgenstein am Montagabend ganz direkt: das neue Bürgerhaus am Markt in Bad Berleburg. Ein ähnliches Leuchtturmprojekt ist die vielzitierte Digitalisierung, die allerdings allzu oft schon deshalb scheitert, weil keine klare Strategie bei der Umsetzung erkennbar ist – der Kampf um eine Vormachtsstellung innerhalb einer Region avanciert allzu schnell zu einer Innovationsbremse.

Exakt diese Erkenntnis haben sich auch die Bürgermeister der elf Kommunen in Siegen-Wittgenstein, der Kreisverwaltung sowie der Südwestfalen-Agentur und der des Forschungskollegs (FoKoS) der Universität Siegen vor Augen geführt. Im Frühjahr 2017 gaben sie daher den Startschuss für eine gemeinsame kreisweite Digitalisierungsstrategie, die letztlich in die Regionale 2025 eingebettet ist – die die Region allerdings in den kommenden 20 bis 25 Jahren begleitet.

Im Bürgerhaus am Markt setzte die GID am Montagabend nun einen Meilenstein als sie die in den vergangenen zwei Jahren entwickelte Digitalisierungsstrategie vorstellte und einen konkreten Plan veröffentlichte. „Rund 80 Prozent unseres Alltags werden sich durch die Digitalisierung verändern. Das sind aus meiner Sicht 80 Prozent Chancen, etwas zu verbessern – wir können die Lebensqualität verbessern“, erklärte der Berliner Futurologe Max Thinius, der die Moderation des Abends übernommen hatte.

Tatsächlich stehen über den konkret formulierten Handlungsfeldern gleich mehrere Grundsätze, die die Verantwortlichen stets als Maxime für ihr Vorgehen beherzigen wollen. Die elf Kommunen wollen kooperieren und voneinander lernen, um einzelne Prozesse schneller zu realisieren. Auf diese Weise sollen Innovationen zielgerichteter möglich sein und eine breitere Masse quasi zeitgleich profitieren lassen. „In dieser ländlichen, aber wirtschaftlich starken Region Südwestfalen haben alle die nahezu gleichen Voraussetzungen. Wir tun daher gut daran, unsere Kräfte zu bündeln“, konstatierte Bernd Fuhrmann. Dem Bad Berleburger Bürgermeister geht es wie allen GID-Mitgliedern darum, aktiv statt reaktiv zu handeln. „Wir wollen den Wandel nicht abwarten, wir wollen Wandel aktiv gestalten und nutzbar machen. Wir wollen die Strategie nun mit Leben füllen, damit die Menschen davon profitieren“, erklärte Landrat Andreas Müller, der damit die zweite Maxime formulierte – und zugleich anmahnte, dass Menschen eben auch mitziehen müssten. Stichwort digitale Behördengänge: „Privat herrscht im Internet ein sorgloser Umgang mit persönlichen Daten, im Umgang mit Behörden sind die Menschen deutlich zurückhaltender“, spielte der Landrat etwa darauf an, dass zwar inzwischen rund 25 Mill. Personalausweise mit Identifikationschips bundesweit im Umlauf seien, nur wenige davon allerdings seien auch in Nutzung.

Acht kreisweite Handlungsfelder hat die GID Siegen-Wittgenstein formuliert: Bevölkerung, Bildung, Gesundheit, Handel, Mobilität, Tourismus, Wirtschaft und Industrie sowie Verwaltung. Beispielhaft thematisierte Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves das Themenfeld der Gesundheit, das eines der wohl wesentlichsten in der Region ist. „Die digitale Praxis ist etwas, das das Leben einfacher macht. Wir brauchen uns da nicht verstecken. Wichtig ist, dass es einen Austausch untereinander gibt und wir voneinander lernen“, erklärte der FoKoS-Leiter, der darin explizit auch die Thematik der Pflege und Betreuung einschloss. Dem Forscher ging es vor allem um eine sachliche und zielgerichtete Umsetzung der Digitalisierungsstrategie.

„Es gibt ein Spannungsfeld zwischen Aktionismus und Emotionalisierung. Wir müssen aber einen kühlen und sachlichen Kopf bewahren und auch die Chancen sehen“, erklärte Björn Niehaves, der im Hinblick auf die negative Konnotation des Begriffs der Digitalisierung auch die mediale Darstellung kritisierte, die allzu oft von einem „Verschlafen“ oder „Verpennen“ derselben berichte. Vor einem direkten Vergleich mit anderen Ländern warnte er indes – Wertvorstellungen seien unterschiedlich und damit eben auch die Bedarfe, an denen sich die Digitalisierung orientieren soll. „Wir wollen die Digitalisierung nicht nur als Zaungast beobachten, wir wollen sie mitgestalten“, erklärte Björn Niehaves, der gerade deshalb die Bedeutung der interkommunalen Kooperation hervorhob. Denn die eruierten Potenziale der einzelnen Kommunen haben die Verantwortlichen in einen kreisweiten Prozess überführt, der nun in die konkrete Umsetzung gehen soll. „Die Digitalisierung ist dabei stets Mittel zum Zweck, sie stellt den Bürger in den Mittelpunkt, nicht die Technik.“ Ein Credo, das wiederum Max Thinius bewunderte. Denn der Berliner hatte einen entscheidenden Unterschied zwischen der Metropole und Bundeshauptstadt und den Flächenkommunen beziehungsweise der Region Südwestfalen ausgemacht: „In den großen Städten warten alle Menschen auf das nächste große Ding. Hier geht es darum, die Zukunft gemeinsam zu gestalten und miteinander zu reden“, lobte der Futurologe, der die Digitalisierungsstrategie für den Kreis Siegen-Wittgenstein gerade deshalb bewunderte.

Denn Digitalisierung in Siegen-Wittgenstein will sich als grundlegende Verbesserung der Infrastruktur verstehen und nicht als Strohfeuer. „Es geht um digitale Hilfestellungen für Menschen“, erklärte Bernd Fuhrmann, der dabei etwa das Schließen von Funklöchern im Sinn hatte, aber eben auch Projekte wie die digitale Dorfmitte oder den Dorfladen in Elsoff – oder die Mobilität auf dem Land: „Ein Bus darf nicht an einer Stadt- oder Landesgrenze enden, dann hat er keinen Nutzen.“

Bereits jetzt hat sich das gemeinsame Vorgehen in Siegen-Wittgenstein herumgesprochen und bereits jetzt ist die Südwestfalen-Agentur mit im Boot. Gerade deshalb profitieren mittelfristig wohl nicht nur die elf Kommunen im Kreis von der gemeinsamen Strategie, sondern mindestens auch alle anderen in der Region Südwestfalen. „Wir wollen, dass wir bundesweit als Region für ein kooperatives Miteinander bekannt sind“, erklärte Dr. Stephanie Arens. Die Prokuristin und Leiterin der Regionale 2025 bei der Südwestfalen-Agentur verriet, dass bereits zahlreiche Anfragen aus ganz Deutschland eingingen. Schon jetzt wollten mehrere Regionen die gemeinsame Strategie verstehen, um daraus ebenfalls einen Nutzen zu ziehen.

Dass wiederum die Digitalisierungsstrategie nur dann sinnvoll ist, wenn genügend Fachkräfte bei der Umsetzung und Fortführung helfen, wussten die Verantwortlichen dabei sehr wohl. „Es muss deutlich werden, dass es hier Menschen gibt, die positiv bekloppt sind. Das müssen wir mehr nach außen zeigen“, forderte Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann auch hinsichtlich etwaiger touristischer Konzepte. Björn Niehaves konkretisierte dies: „Wir müssen eine Region sein, in der man Dinge entwickeln kann – anders als in einer Stadt, in der einzelne Ideen untergehen“, erklärte der Forscher.

Eine Region also, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt – und gerade auf diese Weise Leuchtturmprojekte realisierbar macht. Etwa die nachhaltige Digitalisierung in Siegen-Wittgenstein im Großen. Oder das Bürgerhaus am Markt in Bad Berleburg im Kleinen.

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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