SZ

Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen
Der „Stilllegungsorgie“ den Garaus gemacht

„Alle ziehen an einem Strang und zudem in die gleiche Richtung“, fasste Joachim Kuhn den Tenor der zahlreichen Mitwirkenden am (immer noch währenden) Mobilitätsprojekt treffend zusammen. Fotos: Sarah Benscheidt
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  • „Alle ziehen an einem Strang und zudem in die gleiche Richtung“, fasste Joachim Kuhn den Tenor der zahlreichen Mitwirkenden am (immer noch währenden) Mobilitätsprojekt treffend zusammen. Fotos: Sarah Benscheidt
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sabe Bad Laasphe. Es war ein Blick in die Historie, auf Visionen, Ziele und Zukunft, auf Erfolge, Ausdauer und Antrieb, Motivation und Arbeitsbereitschaft, auf Möglichkeiten, die sich erschließen, wenn Zahnräder ineinandergreifen und „alle an einem Strang ziehen und zudem in die gleiche Richtung.“ So formulierte es Joachim Kuhn, Sprecher der Kurhessenbahn und zudem (neben vielen anderen ) Gastredner auf der „Geburtstagsfeier“ des Arbeitskreises Schienenverkehr Südwestfalen, und er hätte den Tenor der Veranstaltung wohl nicht besser...

sabe Bad Laasphe. Es war ein Blick in die Historie, auf Visionen, Ziele und Zukunft, auf Erfolge, Ausdauer und Antrieb, Motivation und Arbeitsbereitschaft, auf Möglichkeiten, die sich erschließen, wenn Zahnräder ineinandergreifen und „alle an einem Strang ziehen und zudem in die gleiche Richtung.“ So formulierte es Joachim Kuhn, Sprecher der Kurhessenbahn und zudem (neben vielen anderen ) Gastredner auf der „Geburtstagsfeier“ des Arbeitskreises Schienenverkehr Südwestfalen, und er hätte den Tenor der Veranstaltung wohl nicht besser zusammenfassen können: Der Arbeitskreis wird 30 und feierte seinen Ehrentag mit einer Jubiläumsfahrt durch Siegen-Wittgenstein, zahlreichen Unterstützern, Bahn-Liebhabern, Vereinsmitgliedern, parlamentarischen Vertretern und einer gemütlich-feierlichen Zusammenkunft im Bad Laaspher Bahnhof – es gab (wie es sich für einen Geburtstag gehört) warme Worte, herzliche Umarmungen, Schnittchen, hübsche Deko und ein ganz besonderes Geschenk…

"Stilllegungsorgie" den Garaus gemacht

Vor mehr als 30 Jahren war es, als sich die „Stilllegungsorgie“, wie Landrat (und zugleich Schirmherr der Festivität) Andreas Müller die damalige prekäre Situation nannte, nämlich die Demontage vieler Strecken der Bahn, auch in ihrer Gänze auf Wittgenstein ausbreiten wollte. So war beispielsweise die Stilllegung der Eisenbahnstrecke Bad Laasphe – Erndtebrück vorgesehen. Nicht nur wären durch die Streckenstilllegungen viele der, gerade für die ländlichen Regionen, so wichtigen Infrastrukturen zersplittert (Beispiel: Das Erndtebrücker Eisenwerk mit Material zu versorgen und deren Produkte an die Häfen zu bringen), sondern hätte sich auch für Privatpersonen ein Mobilitätsfaktor von der Bildfläche verabschiedet.

Jede Verbindung im Kopf

Eben diese Situation ist dem 1. Vorsitzenden des Arbeitskreises Schienenverkehr (damals wie heute), Otto Wunderlich, nicht nur am eigenen Leib widerfahren, sondern war gleichsam auch intrinsische Motivation dazu, später mit 25 anderen den Arbeitskreis im Gasthof Strohmann in Erndtebrück zu gründen und für einen funktionierenderen öffentlichen Nahverkehr in der Region zu kämpfen: Als er während seiner Ausbildung, die den Besuch der Bad Berleburger Fachoberschule implizierte, als Laaspher wegen der desaströsen Verbindungen von der Schule nicht mehr nach Hause gekommen sei, „war das der erste Schritt hin zu dem Wunsch, etwas zu tun“, erinnert er sich im SZ-Gespräch und fügt zwinkernd hinzu: „und ich hatte auch damals schon eine Modellbahnanlage, die sich mit der des bayerischen Ministerpräsidenten messen könnte.“ Otto Duisberg, Mitinitiator und damals Bürgermeister von Bad Laasphe, konnte da nur wissend nicken und erinnerte sich an die Passion Wunderlichs, mit der er dann später in Düsseldorf für das Schienennetzwerk im Kreis vorsprach: „Er hatte jede Verbindung im Kopf und hat ohne Punkt und Komma argumentiert.“ Hartnäckigkeit, die sich bezahlt machte, oder wie Andreas Müller es formulierte: „Es formierte sich Widerstand in Wittgenstein.“ 1988 wurde das erste Mal ein Triebwagen auf die Strecken des Südwestfälischen und Mittelhessischen Netzes gebracht (ein Vorführfahrzeug der Deutschen Bahn). Für diesen Start der Sonderfahrten verlangte die Bahn Sicherheitsleistungen, hieß: Bürgschaft.

"Renaissance der Oberen Lahntalbahn"

Daraus ergab sich also 1989 besagte Vereinsgründung und im gleichen Jahr die erste Sonderfahrt mit einem damals neuen Nahverkehrstriebwagen ab Bad Berleburg über Erndtebrück und Bad Laasphe nach Marburg und über Gießen und Siegen zurück nach Wittgenstein. Heute, 30 Jahre später, sind die Erfolge noch immer sichtbar – die Strecken blieben bestehen, die Möglichkeiten der Mobilität weiteten sich aus. (Damals: eine Verbindung von Marburg nach Erndtebrück und vier von Bad Laasphe nach Marburg und einmal Marburg nach Biedenkopf. Heute sind es 14). „Das war die Renaissance der Oberen Lahntalbahn“, fand Andreas Müller. Mindestens also 14 – und noch mehr – Gründe zu feiern im 2013 fertig gestellten und „echten Verkehrsknotenpunkt“, wie Kuhn formulierte, zumal auch Vertreter des hessischen Nachbarlandes in den Laaspher Bahnhof (wortwörtlich) einfuhren.

Endstation: Die Riviera an der Lahn

Gemeinsam war man im Jubiläums-Sonderzug in Siegen gestartet und hatte Vorzüge der heimischen Naturlandschaft mit Ankunftsort Bad Laasphe, der „Riviera der Lahn“, wie Otto Wunderlich schmunzelt meinte, bestaunt. Marion Zachow, erster Kreisbeigeordneter des benachbarten Landkreises Marburg-Biedenkopf, empfand die Zusammenarbeit in Sachen Streckenmobilität der beiden Landkreise (Siegen-Wittgenstein und Marburg-Biedenkopf) als „einschlägig vorteilhaft für alle“ und betonte daher weiter: „Wer Netzwerke schafft, auch über Parteigrenzen hinaus, der wird später gewinnen.“ Die Lobbyarbeit des Arbeitskreises, die den Nebenbahnen wieder Leben eingehaucht habe, sei dabei ein Feuer, dass eine Entscheidung von Historie entflammt habe (man möge an den für die Region so wichtigen Mittelstand, die Vernetzung der Schulen mit Schülerschaft aus beiden Landkreisen und den Tourismus denken). So war es denn auch an Müller und Zachow, ein (gemeinsames) „Geburtstagsgeschenk“ der anderen Art zu überreichen und zwar gleichsam noch für ein zweites Geburtstagskind – die Obere Lahntalbahn wird nämlich 130 Jahre alt. Ab dem 15. Dezember werden neue Direktverbindungen zwischen Marburg und Siegen realisiert (die SZ berichtete ausführlich). Und es gab noch mehr – ein 30 Jahre altes Bahnhofsschild überreichte der Arbeitskreis der Kurhessenbahn, die „uns immer freundschaftlich unterstützt haben“, wie Otto Wunderlich fand. Generell sei die Gemeinschaft etwas wichtiges im ganzen Gebilde des Vereins und das „weit über die Grenzen hinaus.“

Menschen zusammenbringen

Etwas, das der Burbacher Volkmar Klein, Bundestagsabgeordneter in Siegen-Wittgenstein, nicht nur als essentiell zwischen den beiden Landkreisen sieht, sondern auch für die Regionen Siegen und Wittgenstein. „Ihr tragt zu den technischen Voraussetzungen bei, die Menschen zusammenzubringen – macht weiter, wir brauchen Sie und Euch weiterhin.“ Vielleicht sogar bald mit neuem Flagschiff, wenn es nach Christel Rother, der stellvertretenden Bürgermeisterin von Bad Laasphe, geht: „Otto, du bringst auch noch den ICE nach Laasphe“, visionierte sie schmunzelnd.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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