Die Kommission zu Gast bei Freunden

Dorfwettbewerb: Elsoff wartet auf die Landesjury und präsentiert sich jetzt schon von seiner allerbesten Seite

howe Elsoff. Sie können kommen, die rund 20 Männer und Frauen der Landesbewertungskommission im Wettbwerb »Unser Dorf soll schöner werden«. Am besten gleich schon, denn Elsoff ist für die eineinhalbstündige Besichtigung am Mittwoch, 16. August, gerüstet. Das 646 Einwohner zählende Haufendorf besticht durch seine Ursprünglichkeit. 70 Prozent der Gebäude sind Fachwerkhäuser. Die Bürger selbst haben dafür gesorgt, dass das Erscheinungsbild ihrer liebenswerten Ortschaft im Grunde so erhalten worden ist wie vor mehr als 150 Jahren. Elsoff – das ist ein kulturhistorisch wertvolles Dorf mit gewachsenem Ortsgrundriss, mit markantem Wegenetz, den beiden Bächen Elsoff und Mennerbach und den vielen Hofräumen mit den herrlichen Hausgärten. Die Landeskommission darf sich auf einen natürlichen Rundgang freuen, denn in Elsoff ist nichts aufgeräumt, nur weil die »hohen« Damen und Herren kommen. Elsoff präsentiert sich freundlich. Auf den Straßen trifft man gut gelaunte Bürger, überall ist das dörfliche Leben sichtbar – ob auf der Rentnerbank, in den Höfen oder auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Straßen und Wege sind gefegt und sauber. Wie immer. Die Bürger haben ihre Fenster mit Blumenkästen bestückt. Wie immer. Nichts wirkt künstlich nur, weil da eine Kommission zur Begutachtung kommt. In Elsoff hat man das Gefühl als legten die Bürger ehrlichen Wert auf die positive Entwicklung des Dorfes. In den vergangenen Jahren hat sich vieles getan, was die Kreiskommission in 2005 auch mit der Silbermedaille belohnte.

Zuletzt haben die Elsoffer ebenfalls kräftig angepackt, um das Dorf noch schöner zu machen. Der Vorplatz der alten Dreschhalle wurde durch Wiesenflächen mit Baum- und Strauchbepflanzungen von einer Schotterfläche mit Müllablagerungen in eine naturnahe Anlage verwandelt. In ortsnahen Gebieten pflanzten die Bürger rund 30 Obstbäume und ebenso viele Feldgehölze an. Die Heimatfreunde Manfred Hüster, Ulrich Weber und Karl-Horst Mengel errichteten in Eigenleistung auf dem Hain eine Wander- und Schutzhütte, kürzlich erst stellte der Heimatverein eine Wanderkarte mit einem 100-Kilometer-Wegenetz fertig. Einige Bürger entschlossen sich dazu, ihre Höfe zu entsiegeln, andere – wie die Familie Georg-Wilhelm Hüster – legten die alten Fachwerkbalken ihres Hauses frei und führten umfangreiche Restaurations- und Sanierungsarbeiten durch. Was sich sichtbar getan hat, wird die Kommission schon sehen. Daneben hat sich auch im dörflichen Leben einiges bewegt. Eine positive Rolle spielt freilich die neue evangelische Lukasgemeinde, die sich erst in diesem Jahr aus den Kirchengemeinden Elsoff/Christianseck/Beddelhausen/Alertshausen und Schwarzenau formiert hat. Neu ist beileibe nicht das vielfältige kulturelle und soziale Angebot der Gemeinde, auch nicht die Jugendarbeit, sondern die Elsoffer Gemeindeschwester Barbara Lenz-Irlenkäuser.

Mit dem Projekt, das die Kirche gemeinsam mit dem Diakonischen Werk erarbeitet hat, trägt man der demographischen Entwicklung im ländlichen Raum Rechnung. Elsoff verfügt über ein reges Dorfleben: Zehn Vereine zählen 1130 Mitglieder. Als Dachverband fungiert hier der Verein für Freizeit und Kultur, der für die Bewirtschaftung der Festhalle und die Koordination der Vereinsaktivitäten verantwortlich zeichnet. Zur Geselligkeit und somit zum Dorfleben bieten sich reichlich Möglichkeiten – beim Schützenfest, Dorffest, Backhausfest, Bärentanz, Dorfsingen, Dorfmarkt, bei Disco-, Oldieabenden, bei Kinderkarneval, Wanderungen, Seniorenfahrten und, und, und. Elsoff kann sich auch als Wirtschaftsstandort sehen lassen. Land- und Forstwirtschaft haben das Dorf seit Jahrhunderten geprägt. Heute werden in diesem Bereich sowie im Handwerk und Dienstleistungsgewerbe 73 Arbeitsplätze vorgehalten.

Sechs Haupt- und 17 Nebenerwerbsbetriebe in der Landwirtschaft zeigen, dass Fleisch, Milch, Kartoffeln oder Honig sichtbare Produkt-Zeichen dafür sind, dass Elsoff sich selbst versorgt und vermarktet. Hinzu kommen etwa der Supermarkt im Ort und die Verkaufswagen von Metzger und Bäcker. Was Nachhaltigkeit und Umweltschutz betrifft wissen die Elsoffer nicht erst seit heute, dass der nachwachsende Rohstoff Holz die Energiequelle der Zukunft ist. 40 Prozent der Haushalte heizen damit. Elsoff ist gut versorgt, hat eine Arztpraxis, eine Physiotherapiepraxis, einen Kindergarten, eine Grundschule und drei Gaststätten. Seit Januar 1992 ist Elsoff Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft »Historische Ortskerne in NRW«. Von 77 erfassten Baudenkmälern sind zehn in die Denkmalliste der Stadt Bad Berleburg eingetragen. Zur besseren Umsetzung von Satzung und Förderanträgen hat das Dorf sogar eine ehrenamtliche Beratungskommission aus sachkundigen Elsoffer Bürgern eingerichtet. Der Arbeitskreis Baugestaltung und Entwicklung beschäftigt sich zukunftsorientiert mit der Umnutzung von leer stehenden Gebäuden – zurzeit gibt es davon in Elsoff nur eines. Als Agenda werden Vorschläge zur Nutzung und Gestaltung erarbeitet und mit den Eigentümern erörtert. Hiermit trägt Elsoff ebenfalls der demographischen Entwicklung Rechnung, wenn nämlich die Tendenz wahrhaftig dahin geht, dass ältere Menschen zunehmend allein leben und Häuser mit der Zeit »aussterben«, weil Kinder woanders leben und arbeiten. Das wiederum würde auch ein Aussterben und somit ein Rückschritt in der Entwicklung eines Dorfes bedeuten, dem die Elsoffer mit Weitblick entgegenwirken. Die Landeskommsion »Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft« trifft am Mittwoch, 16. August, um 13.15 Uhr ein.

Die Begehung mit Arbeitsgruppenleiter Siegfried Birkelbach, Ortsvorsteher Bernd Marburger, allen Bürgern und der Kommission findet dann von 13.30 bis 15 Uhr ab der Gemeinschaftshalle am Sportplatz statt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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