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„Fenster zum Hof“: 215 Rinder im Laufstall
Die Kuh liebt es kalt und trocken

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goeb Berghausen. Als der Berichterstatter die Berghäuser Höhe im Wittgensteinischen passiert, zeigt das Thermometer minus 10 Grad Celsius an. Eine Winterwunder-Landschaft verzaubert die Wiesen und Felder, und als das alte Auto auf den Hof „Schäferhans“ im Altmühlbachtal rollt, ist das friedvolle Muhen der Kühe aus dem Stall zu hören.
Landwirt Wolfgang Born und seine Frau Michaela sind gegen 10 Uhr mit den wichtigsten Arbeiten für den Vormittag durch. Melken der Tiere im sog. Fischgräten-Melkstand ab 6 Uhr, danach die Kälber tränken und die Kühe und Rinder füttern.
Du bist Viehhalter, Kaufmann,
Schrauber und halber Tierarzt.
Irgendwas ist immer.
Wolfgang Born
LandwirtJetzt im Winter stehen auch Arbeiten im Wald an, von dem die Borns 40 Hektar besitzen.

goeb Berghausen. Als der Berichterstatter die Berghäuser Höhe im Wittgensteinischen passiert, zeigt das Thermometer minus 10 Grad Celsius an. Eine Winterwunder-Landschaft verzaubert die Wiesen und Felder, und als das alte Auto auf den Hof „Schäferhans“ im Altmühlbachtal rollt, ist das friedvolle Muhen der Kühe aus dem Stall zu hören.
Landwirt Wolfgang Born und seine Frau Michaela sind gegen 10 Uhr mit den wichtigsten Arbeiten für den Vormittag durch. Melken der Tiere im sog. Fischgräten-Melkstand ab 6 Uhr, danach die Kälber tränken und die Kühe und Rinder füttern.

Du bist Viehhalter, Kaufmann,
Schrauber und halber Tierarzt.
Irgendwas ist immer.
Wolfgang Born
Landwirt

Jetzt im Winter stehen auch Arbeiten im Wald an, von dem die Borns 40 Hektar besitzen. Nachmittags soll gemistet werden, und auch an zwei Boxen muss etwas repariert werden.
„Ja, das ist schon ein vielseitiger Beruf“, lacht der 42-jährige gelernte Landwirt und staatlich geprüfte Landwirt mit Ausbildereignung. „Du bist Viehhalter, Kaufmann, Schrauber und halber Tierarzt. Irgendwas ist immer.“

Ursprünge des Hofs im 17. Jahrhundert

Die Borns zählen zu den größeren Höfen der Region. 215 Rinder halten sie, darunter 100 Milchkühe, der Rest ist weibliche Nachzucht. „Die Bullenkälber kommen nach 14 Tagen in die Bullenmast nach Berghausen und Hemschlar“, ergänzt er. Zum Hof, dessen Ursprünge auf das 17. Jahrhundert zurückgehen, zählen auch 100 Hektar Grünland, wo die Borns zusammen mit seinem Vater Wilhelm einen Großteil des Futters für die Tiere anbauen. Ihr Hof ist an dieser Stelle 1846 wiedererrichtet worden, nachdem er zuvor im Dorf gewesen ist.

50 bis 100 Liter Wasser pro Kuh

Die Kälte macht den Tieren in ihrem Laufstall, in dem sie sich frei bewegen können, nichts. Im Gegenteil: „Zwischen minus 5 und plus 15 Grad fühlt sich Milchvieh am wohlsten“, erklärt der Bauer. Trockene Kälte, so wie an diesem Tag, ist optimal. „Im Sommer schwitzen Kühe leicht“, berichtet Michaela Born, die Einzelhandelskauffrau gelernt hat. Und ihr Mann ergänzt: „Um einen Liter Milch zu produzieren, muss eine Kuh viel Blut durch ihren Körper pumpen. Dabei wird auch Wärme gebildet.“ 50 bis 100 Liter Wasser saufen die Kühe pro Kopf aus den beheizten Tränken. Im Sommer können es 200 Liter sein. An einem einzigen Tag pumpt das Rinderherz bis zu 25 000 Liter Blut durch den Körper.
Und noch ein paar Zahlen: Die Milchleistung je Tier und Jahr beträgt 10 000 Liter, das summiert sich auf eine Jahresleistung von 1 Million Litern.

Trockene Extremjahre gingen ins Geld

Wie alle Bauern der Region haben die Borns harte Jahre hinter sich. Von 2018 bis 2020 hat es kaum geregnet. „Deshalb waren wir gezwungen, in dieser Zeit Futter zuzukaufen, fast 1200 Tonnen insgesamt“, sagt er und zieht dabei die Stirn kraus.
„Diese Extremjahre sind schwer ins Geld gegangen. Der Milchpreis war alles andere als rosig, und fürs Holz hat man auch nichts mehr bekommen.“ Man habe die Rinderzahl reduzieren müssen. „Wir sind ja auch Unternehmer.“

Inzwischen hat sich der Milchpreis etwas erholt und dümpelt bei 35 bis 36 Cent je Liter. Kostendeckend sei das immer noch nicht. Born bedauert, dass Landwirte keine Rechnungen schreiben dürfen, da die Preise festgelegt sind.

Jede Kuh trägt einen Namen

Zurück im 1976 gebauten Stall. Das Vieh frisst mit Appetit, auch die beiden Kuhbürsten, die ständig laufen, sind belegt. Das macht den Tieren mutmaßlich Spaß. Man kann es kaum glauben, aber die Kühe haben alle Namen. „Nein, ich mag das gar nicht, wenn Kühe Nummern tragen“, rückt Michaela Born gerade. Ihre beiden Kinder geben den Kühen schon als Kälbchen Namen.
Es wird viel Wert gelegt auf das Wohlbefinden der Tiere. In puncto Haltung erfülle man die meisten Standards der Biohaltung. Für 2022 gibt es große Pläne: Einen Steinwurf entfernt lassen die Borns einen neuen Laufstall bauen für 140 Milchkühe. Mehr Luft und Licht soll es geben, zwei Melkroboter werden angeschafft. Der alte Stall ist dann dem Jungvieh vorbehalten.

„Stallneubau ein Schritt in die Zukunft“

Bei einer so großen Herde sind die Borns davon abgekommen, die Tiere auf die Weide zu schicken. „Es ist nicht ganz einfach, so viele Kühe über die Straße zu schicken.“ Die Autofahrer wurden immer ungeduldiger, einige schickten ihnen sogar Rechnungen von der Waschanlage.
Im Stall gibt es für sie Grassilage, Heu, Zuckerrübenschnitzel und Biertreber. Auf dem Boden liegt Streu, die Kälber bekommen täglich frisches.
„Für uns ist der Stallneubau ein Schritt in die Zukunft“, sagt Wolfgang Born, der trotz der vielen Unwägbarkeiten, vor denen die Bauern heute stehen, von einem Traumberuf spricht.
Wie alle Landwirte, mit denen die SZ im Rahmen dieser Serie gesprochen hat, nervt auch ihn die grassierende Unkenntnis der Menschen, was bäuerliche Arbeit und Leistung angeht. Gleichzeitig werde ganz schnell der Leisten über jemanden gebrochen. „Wir produzieren hochwertige, gesunde Lebensmittel, von denen die Menschen täglich essen.“
Glaubt er, dass der neue Landwirtschaftsminister Cem Özdemir eine Wende herbeiführen wird, dass der Handel den Landwirten zum Beispiel auskömmliche Preise zahlt? „Ich hoffe es“, wägt Wolfgang Born ab. „Er gilt als Realist. Er hat davon gesprochen, dass er sich für anständige Preise einsetzen wird. Verdient hätten wir Landwirte es.“

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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