»Die nächsten 25 Jahre bleib’ ich hier«

Neuer Pfarrer Bernhard Lerch bekennt sich zu Berleburg – trotz anstehender Strukturreform

JG Bad Berleburg. »Alles, was man in diesem Beruf tut, tut man aus Überzeugung« – für den neuen Pfarrer der katholischen Sankt-Marien-Gemeinde in Bad Berleburg ist das ein ganz wichtiger Pluspunkt seines Dienstes. Und Bernhard Lerch weiß, wovon er spricht, denn er arbeitete schon einmal in einem ganz anderen Beruf. Aus einem tief empfundenen Gerechtigkeits-Streben heraus habe er zunächst einmal Jura studiert, so der gebürtige Iserlohner. Der berufliche Alltag habe ihm damals aber klar gemacht, dass die Juristerei auch noch mit vielen anderen Dingen als Gerechtigkeit zu tun habe. Und so blieb das Rechtsanwalts-Dasein eine kurze Episode in seinem Leben, nicht einmal zehn Mandanten lang währte es, wobei die positive Abschlussbilanz für diesen Lebensabschnitt lautet: »Ich habe alle Fälle gewonnen.« Einen konkreten Anlass für das Umsatteln habe es nicht gegeben, aber er sei halt als Jugendlicher und Student stets in der katholischen Kirchenarbeit tätig gewesen: »Aber nie mit der Absicht, Pastor zu werden.«

Dann setzte bei dem damals 28- oder 29-jährigen Spätberufenen ein Umdenken ein. Dem Jura-Studium in Köln und Münster folgten eine komplette Theologen-Ausbildung in Paderborn und Freiburg sowie ein paar Wochen in Rom. 1995 schloss Bernhard Lerch sein Studium ab, danach arbeitete er zunächst in Brilon und Unna. Die vergangenen fünf Jahre verbrachte Bernhard Lerch als Pfarrer im sauerländischen Willingen. Hier habe er sonntags hintereinander dreimal vor vollem Haus gepredigt, allerdings nur vor wenigen Einheimischen. Denn wie auch im evangelischen Wittgenstein stellen die Katholiken in Willingen eine Minderheit.

Die vielen Gottesdienst-Besucher seien in dem beliebten Reiseort größtenteils Urlauber und Kurgäste gewesen, deshalb legte Bernhard Lerch in den vergangenen fünf Jahren auch viel Wert auf Kur- und Urlauberseelsorge – eine Qualifikation, die für Bad Berleburg ebenfalls nur von Vorteil sein kann.

Und als Katholik in der Diaspora sei für ihn auch die Ökumene stets wichtig gewesen: »Ich hatte in Willingen keine einzige rein katholische Trauung.« Auch im Bereich der Jugendarbeit habe er viel ökumenisch gemacht, nicht im Sinne von permanenter Zusammenarbeit mit den evangelischen Kollegen, aber er habe seine Angebote immer als Angebote für alle verstanden. Das evangelisch-katholische Klima sei in Willingen außerordentlich gut gewesen: »Ich hab das Gefühl, dass die Atmosphäre hier nicht viel anders ist.« Auch hier hat er seine erste ökumenische Trauung längst hinter sich, seit Mitte September ist Bernhard Lerch in Bad Berleburg. Nachdem seine Amtseinführung aus unterschiedlichsten Gründen bereits viermal verschoben wurde, gilt nun Sonntag, 11. Januar, als offizieller Termin.

Dann wird der Pfarrer auch auf jeden Fall unter der alt-bekannten Telefonnummer (02751) 7148 im Gemeindebüro erreichbar sein, vielleicht sogar vorher. Das jüngste Versprechen der Telekom heißt, dass ab Montag, 24. November, das Telefon funktionieren wird. Bis dahin muss Bernhard Lerch weiterhin sein Handy hochalten und sagen: »Das ist mein Pfarrbüro.« Die Hausnummer dieses Pfarrbüros lautet übrigens (0170) 5768637.

Und mit dem neuen Jahr kommt nicht nur die offizielle Amtseinführung, auch weiterreichende Strukturreformen kommen auf die Wittgensteiner Katholiken zu. Bernhard Lerch geht davon aus, dass die Laaspher Gemeindepfarrstelle nicht wieder neu besetzt wird, wenn in etwa zwei Jahren Pfarrer Franz Tiwi in den Ruhestand geht. Stattdessen gebe es dann einen so genannten Pastoralverbund für ganz Wittgenstein mit drei hauptamtlichen Kräften, dem Erndtebrücker Pfarrer Karl-Heinz Böckelmann, der Laaspher Gemeindereferentin Rosemarie Biedermann und ihm selbst, so Bernhard Lerch.

Ab dem kommenden Jahr solle dieser Pastoralverbund schon einmal im Alltag erprobt werden. Kein leichtes Unterfangen, wenn man sich die weiten Wege in Wittgenstein anschaut – auch wenn Pfarrer Lerch mit seinem silberfarbenen Audi TT durchaus flott motorisiert ist. Doch bei allen Schwierigkeiten, die diese Veränderungen mit sich brächten, unterstreicht er für sich, seinen Pfarrgemeinderat und die übrigen Wittgensteiner Katholiken: »Wir wollen aus der Not eine Tugend machen« – und für die Kirche eine zeitgemäße Struktur finden. Wegen dieser Umorientierung möchte Bernhard Lerch nun zunächst einmal auch noch keine neuen Projekte anstoßen. Und auch von der einzigen außerdienstlichen Leidenschaft des Pfarrers werden die Gemeindemitglieder zunächst einmal nichts mitbekommen.

Bernhard Lerch ist passionierter Organisator von Reisen, wobei auch hier gilt: »Mein Beruf ist mein Hobby, mein Hobby ist mein Beruf.« Und so führen seine Fahrten zu französischen Gotik-Kathedralen, auf den Sankt-Jakobs-Weg in Nordspanien, zum Marienewallfahrtsort nach Lourdes und »immer wieder nach Rom«. Doch eine Reise fürs kommende Jahr sei leider nicht mehr zu organisieren gewesen, so Bernhard Lerch. Aber er hat ja noch genug Zeit, denn für den neuen Berleburger Pastor steht fest: »Ich möchte die nächsten 25 Jahre meines Lebens hier bleiben.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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