»Die waren alle viel schlimmer«

Berleburgerin fuhr schon wieder ohne Führerschein Auto

JG Bad Berleburg. Vor elf Monaten wurde eine junge Berleburgerin wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einem Jugendarrest verurteilt. Ein Wochenende lang war sie im Februar eingesperrt – und zwar mit ganz schweren Mädchen: »Ich war eigentlich die einzige, die wegen so was da drin war. Die waren alle viel schlimmer.« Vorm Berleburger Jugendgericht vermittelte die 19-Jährige am Dienstagmorgen den Eindruck, diese Erfahrung habe sie beeindruckt. Auch bei Christina Schmitt von der Jugendgerichtshilfe hatte sie das gesagt. Dennoch hielt sie die Erfahrung nicht davon ab, im Juni schon wieder gegens Gesetz zu verstoßen. Erneut musste sie sich jetzt wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verantworten.

Im BMW von Schwarzenau nach Richstein

»Und dann bin ich eingestiegen und einfach gefahren«, erinnerte sich die Hartz-IV-Empfängerin an die Tat, die nachts um Zwei passierte. Genauer gesagt stieg sie in einen BMW und fuhr von Schwarzenau nach Arfeld und schließlich nach Richstein. Ohne Führerschein, aber wahrscheinlich mit Alkohol, wenn das auch nicht eindeutig von der Polizei geklärt wurde. Die hatte sie selbst gerufen, weil die junge Frau in Zusammenhang mit der Schwarzfahrt auch noch eine Körperverletzung zur Anzeige brachte.

Trinken bis zum Geht-nicht-Mehr

Ihre Erklärung für das Verhalten: So etwas passiere nur, wenn sie einen bestimmten Alkoholpegel habe, auf Partys habe sie eben immer »praktisch bis zum Geht-nicht-Mehr« getrunken. Zum Vorfall im Juni sagte die Berleburgerin: »Seitdem das passiert ist, trinke ich keinen Alkohol mehr.« Nur um das gleich zu relativieren: Sie besuche heute Feiern und trinke mal zwei Asbach-Cola, gehe also genauso nüchtern, wie sie gekommen sei: »Weil ich mittlerweile begriffen habe, dass man auch ohne Alkohol Spaß haben kann.«

»Die Suchtstruktur ist weiter da«

Christina Schmitt attestierte der jungen Frau: »Die Suchtstruktur ist weiter da.« Hier biete wohl nur professionelle Hilfe einen Ausweg. Außerdem regte die Frau von der Jugendgerichtshilfe eine Betreuungsweisung an. Dabei kümmert sich ein Sozialarbeiter oder -pädagoge um den Jugendlichen, in regelmäßigen Treffen wird dessen Lebenssituation durchgesprochen und außerdem noch ein Hilfeplan erstellt. Eine Betreuungsweisung könne bei der Angeklagten helfen, »die positiven Ansätze, die da sind, zu verstärken«, so Christina Schmitt.

100 Sozialstunden wurden aufgegeben

Staatsanwalt Wolfgang Nau nahm die Anregung nicht auf, und wollte die 19-Jährige nur mit Bedenken nach Jugendstrafrecht verurteilt wissen. Die »erhebliche Rückfallschgeschwindigkeit nach dem Arrest« ärgerte ihn besonders, er forderte einen neuerlichen Jugendarrest und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit sowie eine zusätzlich einjährige Sperre für den Führerschein, den die junge Frau bis dato frühestens Mitte 2007 machen konnte. Richter Torsten Hoffmann verurteilte die 19-Jährige dann tatsächlich zu 100 Sozialstunden, allerdings nicht zum Jugendarrest. Stattdessen sprach er eine zwölf Monate währende Betreuungsweisung aus und setzte fest, dass sich die Angeklagte frühestens in zwei Jahren um einen Führerschein kümmern kann.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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