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SZ erinnert an wichtigen Industriezweig
Diese Sieben waren der Hammer

Eine Infotafel erinnert an den Standort des Arfelder Hammers.
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howe Arfeld. Vor den sieben Männern hätte man damals den Hut ziehen müssen. Denn in einer schwierigen Zeit, als die Bevölkerung nach dem 30-jährigen Krieg und den verheerenden Pestzeiten wieder größer wurde und Arbeitsplätze rar waren, riskierten sie eine für die Region einzigartige Investition. Sie legten in Arfeld an der Eder ein Wehr an, leiteten über einen Hammergraben das Wasser auf die Wasserräder und trieben so die beiden Hammerwellen und die Blaswellen an. Der Arfelder Hammer schlug im Takt – die Arbeiter stellten hauptsächlich Stab- und Profileisen her, zumeist für die Herstellung von Nägeln.

howe Arfeld. Vor den sieben Männern hätte man damals den Hut ziehen müssen. Denn in einer schwierigen Zeit, als die Bevölkerung nach dem 30-jährigen Krieg und den verheerenden Pestzeiten wieder größer wurde und Arbeitsplätze rar waren, riskierten sie eine für die Region einzigartige Investition. Sie legten in Arfeld an der Eder ein Wehr an, leiteten über einen Hammergraben das Wasser auf die Wasserräder und trieben so die beiden Hammerwellen und die Blaswellen an. Der Arfelder Hammer schlug im Takt – die Arbeiter stellten hauptsächlich Stab- und Profileisen her, zumeist für die Herstellung von Nägeln.

Die sieben Männer, das waren der Laaspher Ratsherr und Gaststättenbesitzer Leopold Hartenroth sowie sechs Arfelder: der Zimmermann Christian Feuring aus „Hanneisers“, der Müller Hermann Knebel vom Stedenhof, dessen Bruder Valentin, der Müller in Schwarzenau war, der gräfliche Förster Johann Daniel Gelbach, Matheus Irle aus „Schneiders“, und ein Wilhelm Feige. Sie alle hatten keinerlei Erfahrung mit einem Hammerwerk, doch der Blick ins Siegerland und ins Dillenburgische dürfte den Männern Mut gemacht haben, hier zu investieren. Denn dort brachten die Hütten und Hämmer „einen ziemlichen Wohlstand“ hervor, wie Autor Eberhard Bauer in den Blättern des Wittgensteiner Heimatvereins (September 2000) verrät.

Voraussetzungen erschienen günstig

Zumal Wittgenstein das Holz, die Holzkohlen und nicht zuletzt das Wasser aus der Eder oder der Lahn zur Verfügung stellen konnte. Die genannten Aspekte, die gut funktionierenden Hämmer in der Nachbarschaft sowie die Armut der Leute, dürften auch Graf Henrich-Albrecht zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein überzeugt haben. Der erteilte im Februar 1707 die Erlaubnis, einen Hammer bei Arfeld anlegen zu dürfen. „Aus sonders Landes Vätterlichem Rath und Guthfinden, unsere Graffschafft mit noch einem Eyßen-Hammer weiter versehen zu laßen“, wie der Graf erklärte.

Gräfliche Unterstützung auch aus Eigennutz

Henrich-Albrecht erhoffte sich zahlreiche neue Arbeitsplätze und wollte der Armut der Menschen entgegensteuern. Wobei der Graf sicher ein weiteres Interesse an der Innovation hatte: Blühte das Gewerbe der Eisenherstellung, griff natürlich mit Köhlern, Fuhrleuten, Zimmermännern und Handwerkern ein Rad ins andere. Am Ende flossen die Abgaben und Steuern, die das Volk an die Herrschaft zu entrichten hatte. Um den Arfelder Hammer in Schwung zu bringen, erließ Graf Henrich-Albrecht eine – wie Autor Eberhard Bauer einst beschrieb – „großzügige“ Konzession. Denn er verlangte lediglich einen Wasserzins von 10 Reichtalern pro Jahr.

Dazu gab es weitere Vergünstigungen und Entgegenkommen des Landesherrn: Das Bauholz für den Bau des Hammers, für den Kohlenschuppen sowie das kleine Hammerhäuschen sollte den sieben Männern für gerade einmal 10 Reichtaler überlassen werden.

Blütezeit nicht von langer Dauer

Aus den Archiv-Akten geht allerdings auch hervor, dass die Blütezeit des Hammers wohl nicht von langer Zeit war. Denn es scheint, als hätte der Betrieb schon zu Beginn von 1720 bis 1738 stillgestanden. Zumindest dokumentiert der Bericht des Forstmeisters von Haacke im Mai 1739, wie marode der Arfelder Hammer geworden war: Das Hammerrad war inzwischen unbrauchbar, der Amboss fehlte am Stock, die Feuerherde waren eingefallen. Und die Blasebälge waren laut Protokoll wohl auch stark in Mitleidenschaft gezogen.

Eine Reparatur, so hieß es, würde 400 Reichtaler nur an Lohnkosten betragen. Aus der Arbeit von Eberhard Bauer geht auch hervor, dass die Hämmer durchaus oft stillstanden – allein im Winter, wenn die Wassergräben zugefroren waren oder wenn im Sommer wegen der Trockenheit nicht genug Wasser vorhanden war.

„Die Wittgensteiner Eisenhämmer wurden vollends unrentabel und stellten ihren Betrieb ein“, heißt es auf der Arfelder Internetseite. Aus dem Archiv erfährt man in Zusammenhang mit dem Arfelder Hammer noch von einer Gewehrfabrik in 1746, einer Schleiferei und einer Bohrmühle. Am Ende wurde aber nur noch der Hammer betrieben – und zwar bis zu seinem Abbruch in 1857.

Eine Infotafel erinnert an den Standort des Arfelder Hammers.
In 2010 machte sich das Modell des Arfelder Hammers auf die Reise mit dem Zug nach Siegen – und zwar zum dortigen NRW-Tag.
Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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