Kreistierschau in Wittgenstein
Dieses Stünzelfest ist einfach Kult!

Einmal auf Tuchfühlung mit den Tieren gehen – auch das gehört zum Stünzelfest dazu. Ob Pferde, Kühe, Schafe, Kaninchen oder Ziegen: Die kleinen Besucher konnten jede Menge Streicheleinheiten verteilen.
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  • Einmal auf Tuchfühlung mit den Tieren gehen – auch das gehört zum Stünzelfest dazu. Ob Pferde, Kühe, Schafe, Kaninchen oder Ziegen: Die kleinen Besucher konnten jede Menge Streicheleinheiten verteilen.
  • hochgeladen von Björn Weyand (Redakteur)

bw Stünzel. Die Rede des Landrats war kurz, aber knackig. Andreas Müller brachte dennoch mit seinem Grußwort beim Stünzelfest alles auf den Punkt: „Stünzel ist Kult“, rief der Siegerländer und erntete dafür einen donnernden Applaus. Andreas Müller wünschte sich, dass eine solche Tradition hochgehalten werde. Diese Meinung dürften auch die zigtausende Besucher teilen, die am Samstag ab dem frühen Morgen auf den idyllischen Festplatz strömten, um das einmalige Wittgensteiner Volksfest auch ja nicht zu versäumen. Die Kombination aus Tierschau einerseits und Jahrmarkt andererseits lockt alle Jahre wieder ein riesiges Publikum an. Gut und gerne 230 Aussteller und Händler sorgten für ein sehr vielfältiges Angebot: Bekleidung, Spielzeug, Haushaltswaren, Pflanzen, Obst und dazu allerlei Krimskrams – es gibt fast nichts, was es hier nicht gab. Die Runde auf dem Kettenkarrussell war für die jüngeren Besucher natürlich ebenso Pflicht, wie mit den vielen tierischen Hauptdarstellern des Tages auf Tuchfühlung zu gehen.

Mit der Kreistierschau, die es in dieser Form seit fast 190 Jahren gibt, betreibt der Landwirtschaftliche Kreisverein Wittgenstein beste Werbung für den gesamten Berufsstand. Hier werde der Dialog zwischen Landwirten und Nicht-Landwirten gefördert, lobte Ehrengast Karl Werring, Präsident der Landwirtschaftskammer in NRW: „Dieses Stünzelfest ist der Inbegriff eines Miteinanders.“ Das bunte Treiben auf dem Festplatz sei kaum zu übertrumpfen, sagte der Gast aus dem Kreis Warendorf in seiner Ansprache. Und er lobte den ausrichtenden Landwirtschaftlichen Kreisverein: „Das ist schon eine Nummer, was hier auf die Beine gestellt wird.“

Bei all der Fröhlichkeit war jedoch auch Platz für nachdenkliche und ein paar kritische Worte. „Der landwirtschaftliche Berufsstand steht seit Jahren immer wieder am Pranger“, stellte Karl Werring fest und merkte an: „Wir sind sicher nicht frei von Fehlern, aber die Fehler Einzelner dürfen nicht zu Generalabrechnungen führen.“ So warb der Präsident der Landwirtschaftskammer um gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis. Das Stünzelfest sei wichtiger Bestandteil: „Ich kann daher nur dazu ermuntern, dies intensiv weiterzuführen.“

Kritische Töne schlug auch Karsten Hof an. Der 1. Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisvereins gab zu bedenken, dass immer mehr Landwirte ihre Betriebe aufgeben, weil die Auflagen sie buchstäblich erdrücken. „Über die Landwirtschaft wird viel geredet, alle wissen es besser“, meinte der Vereinsvorsitzende aus Aue. Das Tierwohl sei zwar in aller Munde, „wir Landwirte leben das“. Denn nur Tiere, denen es gut gehe, würden den Bauern auch Geld in die Tasche bringen. All jene Stimmen, die immer wieder auf das Tierwohl pochten, seien aber auch die, die den Wolf willkommen hießen: „Ich hoffe, dass der Wolf auch das Tierwohl kennt.“

In Wittgenstein sei die Landwirtschaft noch intakt, stellte Karsten Hof klar: „Hier gehören Kuh und Kalb noch zur Familie.“ Nicht vergessen werden solle auch, dass es die Landwirtschaft sei, die die Landschaft in Schuss halte, merkte der 1. Vorsitzende des Kreisvereins an. Lobende Worte hatte Karsten Hof freilich auch, die er an die vielen Helfer richtete. Bei den Vorbereitungen auf dem Stünzel-Festplatz gebe es ein reges Kommen und Gehen. Das Organisationsteam für das Stünzelfest mit der Tierschau ist auf 150 Personen gewachsen. Da greift ein Rädchen ins andere, damit dieses große Volksfest gelingen kann.

Der beste Lohn für die viele Arbeit vor und nach dem Festtag ist natürlich die Resonanz des Publikums. Bei echtem Kaiserwetter drängten sich die Zuschauer dicht an dicht an den Richtringen, um die Beurteilungen der Preisrichter am Vormittag zu verfolgen. Während am Rondell die Wallauer Musikanten zur Begrüßung aufspielten, fiel gerade beim Milchvieh die alljährlich heiß erwartete Entscheidung, aus wessen Stall die beste Kuh der Tierschau kam. Zum zweiten Mal in Folge ist die rotbunte „Atlantica“ von Stefan Grenz aus Elsoff die Miss Siegen-Wittgenstein. Groß war auch das Interesse nebenan bei den Fleischrindern, bei denen Mr. und Mrs. Stünzel bestimmt wurden. Auch den besten Hengst und die beste Stute der Tierschau galt es zu küren. Über diese Ergebnisse berichtet die SZ in dieser Woche noch ausführlich.

Gewinner gab es aber noch mehr. Etwa Ann-Catrin Groß und Rebecca Linde, die das Glückslos gekauft hatten und den großen Hauptpreis gewannen: das Kälbchen „Flower“. Die junge Kuh zieht in den Stall von Lutz und Alexander Wetter in Wingeshausen ein. Gewinner waren allesamt die Teilnehmer der Jungzüchterwettbewerbe. Bei Milch- und Rindvieh waren 30 Nachwuchszüchter bei diesem Wettbewerb am Start und erstmals nahmen auch acht Kinder und Jugendliche mit Pferden teil. Das zeigt: Die Landwirtschaft hat Zukunft.

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