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Soloprogramm von Tobias Beitzel
„Dorfkind“ feiert eine erfolgreiche zweite Runde

Tobias Beitzel präsentiert sich in der Fest- und Kulturhalle in Berghausen in Bestform. Der Arfelder hat die Lacher auf seiner Seite.
  • Tobias Beitzel präsentiert sich in der Fest- und Kulturhalle in Berghausen in Bestform. Der Arfelder hat die Lacher auf seiner Seite.
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  • hochgeladen von Michael Sauer

lh Berghausen. Regel Nummer eins auf dem Land: „Ommas grüßen.“ Omas bilden das höchste Kampfgericht, agieren als Informationsvermittler und sind als Zentrum und oberste Instanz des sozialen Lebens im Dorf anzusehen. „Grüßen sie dich zurück, bist zu gesellschaftlich akzeptiert“, lautet die Devise, die der Arfelder Poetry-Slammer und Comedian Tobias Beitzel im Laufe seines Lebens auf dem Dorf herausgestellt hat und am eigenen Leibe erfahren musste.

Sätze wie „Der Junge grüßt nicht“ bedeuten auf dem Land eine wahrhafte Existenzkrise. Mit...

lh Berghausen. Regel Nummer eins auf dem Land: „Ommas grüßen.“ Omas bilden das höchste Kampfgericht, agieren als Informationsvermittler und sind als Zentrum und oberste Instanz des sozialen Lebens im Dorf anzusehen. „Grüßen sie dich zurück, bist zu gesellschaftlich akzeptiert“, lautet die Devise, die der Arfelder Poetry-Slammer und Comedian Tobias Beitzel im Laufe seines Lebens auf dem Dorf herausgestellt hat und am eigenen Leibe erfahren musste.

Sätze wie „Der Junge grüßt nicht“ bedeuten auf dem Land eine wahrhafte Existenzkrise. Mit seinem ersten Soloprogramm „Dorfkind – zwischen Fantasie und Fanta-Korn“ sorgt Tobias Beitzel für einen rundum gelungenen Donnerstagabend und bringt das Landleben mit all seinen Facetten, Eigenheiten und seinem Charme auf die Bühne der Fest- und Kulturhalle Berghausen. 160 Besucher kommen zur Vorstellung. „Die Premiere war schon absolut super – da waren wir in knapp zweieinhalb Tagen komplett ausverkauft“, erinnert sich Tobias Beitzel an die erste Aufführung seines Programms im September vor 150 Zuschauern im Arfelder Kulturzentrum Via Adrina.

Tobias Beitzel in Berghausen:  Logbucheintrag eines Kreisliga-C-Spieltages

Als Hilfestellung und Regelwerk für alle Zugezogenen aus Stadt und Nachbardorf hat Tobias Beitzel die wichtigsten Traditionen, Fakten und Themen über das Dorfleben in Wittgenstein zusammengestellt. Mit einer Definition und Begriffsabgrenzung zwischen dem „Dorf“ als überschaubare Gruppensiedlung mit bäuerlichem Hintergrund und der „Stadt“ als „Ort, an dem sich sowieso keiner freiwillig aufhalten will“, leitet Tobias Beitzel das Dorfleben in konkretere Bahnen.

Für das menschliche Herdentier ist die wichtigste und unkündbare Sozialstruktur auf dem Land nicht etwa eine Partei oder ein Freundeskreis, sondern der Verein. Vereine können etwas mit Sport, Tradition, Musik oder „irgendwas mit Tieren“ zu tun haben – entscheidend sind die Struktur und die Durchführung einer Jahreshauptversammlung zur Besprechung des geplanten Bier-Konsums. Als federführende Sportart lässt sich der Fußball auf dem Dorf ganz klar abheben, zu dem auch Frauen und Mädchen immer häufiger Zugang finden und mit wachsender Begeisterung das Leder über den Platz schießen.

Beide Vereinswesen sind dazu da, die Zivilbevölkerung mit Uniformen auszustatten, die grundsätzlich nicht zur Witterung passen.
Tobias Beitzel
Comedian aus Arfeld

Bei einem selbstverfassten Logbucheintrag eines Spieltages in der Kreisliga C bleibt schließlich bei den Zuschauern kein Auge mehr trocken: „Als ich noch jung war, gab es noch keinen Innenmeniskus“, gehört an einem Sportplatz-Sonntag ebenso zum guten Ton wie heiße Bockwurst und kaltes Pils. Doch nicht nur die Herren haben sportlichen Ehrgeiz: Auch wenn „Jazzdance“ auf dem Dorf nicht viel mit „Jazz“ zu tun hat, gruppieren sich jedes Jahr mehrere Mädels zwischen zwölf und 18 Jahren in den Mehrzweckhallen der Region zum „Abzappeln“.

Tobias Beitzel in Berghausen: Weitere Vorstellungen in der Region geplant

Abseits sportlicher Veranstaltungen, finden sich die berühmten Männergesangsvereine, Frauenchöre und seit einiger Zeit auch gemischte Chöre, wahlweise im feschen Neon-Partnerlook, zum Singen zusammen. Besonders speziell wird es aber erst bei den Traditionsvereinen. Während die einen dem Brauch des Vogelschießens kritisch gegenüberstehen, lachen sich die anderen über das Spazierentragen eines Kirmesbaumes in einem feierlichen Festzug kaputt. Fakt ist: „Beide Vereinswesen sind dazu da, die Zivilbevölkerung mit Uniformen auszustatten, die grundsätzlich nicht zur Witterung passen“, bringt es Tobias Beitzel auf den Punkt.

Grundsätzlich bedeutet ein Feuer in der Nachbarschaft, dass man sich auf ein Bier trifft, so verlangt es das ungeschriebene Gesetz. In Sachen Feierkultur entwickelt man sich auf dem Land seit einigen Jahren ebenfalls weiter: Während jedes Dorf eigene Anlässe sucht und anbietet, treffen sich alle rund um die Adventszeit zum Dorfweihnachtsmarkt, wo Glühwein, Jagertee, Bier und Klopfer als explosive Mischung für Kopfschmerzen und die Stilllegung des Körpers am Folgetag sorgen. Trotz spektakulärer Manöver der Kommunalpolitik, modischer Unzulänglichkeiten in Form von Engelbert-Strauss-Kleidung an der Bushaltestelle und diversen „Detlefs in Jack-Wolfskin-Jacken“, ist sich Tobias Beitzel sicher: So viele Emotionen auf einmal erlebt man nur auf dem Dorf.

Für sein Soloprogramm plant der junge Poetry-Slammer aus Arfeld noch weitere Vorstellungen am Dienstag, 26. Oktober, im Kino in Winterberg, am Freitag, 12. November, in Siedlinghausen und am Mittwoch, 24. November, in Siegen.

Autor:

Lena Marie Heinrich aus Bad Laasphe

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