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Was macht eigentlich...?
Dr. Ralf Kötter über seine Zeit nach Elsoff

Die Kirche als Teil des Gemeinwesens zu betrachten, den Ansatz verfolgte Dr. Ralf Kötter (hier bei einer Gemeindeversammlung im Jahr 2014) in seinen 19 Jahren als Pfarrer in der Lukas-Kirchengemeinde. Und das ist bis heute Grundsatz seiner Arbeit.
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  • Die Kirche als Teil des Gemeinwesens zu betrachten, den Ansatz verfolgte Dr. Ralf Kötter (hier bei einer Gemeindeversammlung im Jahr 2014) in seinen 19 Jahren als Pfarrer in der Lukas-Kirchengemeinde. Und das ist bis heute Grundsatz seiner Arbeit.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Björn Weyand (Redakteur)

bw Unna/Elsoff. Die Veränderungen in der Evangelischen Lukas-Kirchengemeinde waren zwei Jahrzehnte lang eng mit dem Namen Dr. Ralf Kötter verbunden. Im Jahre 1997 kam er nach Elsoff und blieb dort bis 2016. Maßgeblich setzte er sich für die Erweiterung des Gemeindehauses Elsoff ein, für Betreuungsangebote für Kinder sowie für Demenzkranke, grundsätzlich für die Zusammenarbeit zwischen Kirche, Vereinen, Bürgerschaft und Kommune. Auch wenn er es selbst nicht gerne hört: Dr. Ralf Kötter ist ein Vordenker, der Spuren hinterlassen hat – in Wittgenstein und auch darüber hinaus. Die SZ sprach mit ihm über seine heutige Arbeit, über seine Zeit in Elsoff und über sein Kirchenbild.

bw Unna/Elsoff. Die Veränderungen in der Evangelischen Lukas-Kirchengemeinde waren zwei Jahrzehnte lang eng mit dem Namen Dr. Ralf Kötter verbunden. Im Jahre 1997 kam er nach Elsoff und blieb dort bis 2016. Maßgeblich setzte er sich für die Erweiterung des Gemeindehauses Elsoff ein, für Betreuungsangebote für Kinder sowie für Demenzkranke, grundsätzlich für die Zusammenarbeit zwischen Kirche, Vereinen, Bürgerschaft und Kommune. Auch wenn er es selbst nicht gerne hört: Dr. Ralf Kötter ist ein Vordenker, der Spuren hinterlassen hat – in Wittgenstein und auch darüber hinaus. Die SZ sprach mit ihm über seine heutige Arbeit, über seine Zeit in Elsoff und über sein Kirchenbild.

Vor knapp vier Jahren haben Sie Ihre Stelle als Dozent am Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Evangelischen Kirche von Westfalen angetreten. Was sind eigentlich Ihre Aufgaben dort?

• Ich veranstalte Kollegs, das sind Wochenveranstaltungen für die Westfälische, die Rheinische, die Lippische Landeskirche und die Reformierte Kirche, also für einen Raum, der sich vom Saarland bis an die Nordsee zieht. Die Veranstaltungen finden an verschiedenen Orten statt, viele Reisen gehören also zu meiner Tätigkeit. Sie führt mich quer durch das Bundesgebiet. In den Kollegs geht es um theologische Grundfragen und Gruppen- und Bildungsarbeit. Ich schreibe auch Artikel und halte außerdem viele Vorträge, zuletzt war ich in Tutzing in Bayern. Und ich habe ein neues Buch geschrieben: Es heißt „Im Lande Wir“ und erscheint im Herbst.

Worum geht es darin thematisch?

• Ich habe ja vor einigen Jahren bereits mein erstes Buch „Das Land ist hell und weit“ geschrieben, das in vielen Landeskirchen in Konzepte eingeflossen ist. Es geht um die Frage, was Kirche leisten sollte. Gerade jetzt in der Corona-Krise kam wieder die Frage auf, ob sich die Kirche auf das Wesentliche beschränken sollte. Aber reicht es denn, wenn Kirche nur Gottesdienste am Sonntag anbietet? Ist Kirche nicht vielmehr Teil der Zivilgesellschaft? Es geht ein Stück weit um eine neue Kirche, die aber eigentlich eine alte Kirche ist. Nur auf Mitgliederwerbung zu setzen, ist ein Denken der Kirche des 19. Jahrhunderts. Damals musste sich Kirche verteidigen und das steckt noch in vielen Köpfen drin. Wir wollen dahin zurück, was Kirche in den fast 2000 Jahren zuvor war: der Wille, mit anderen zusammen neue Wege zu finden. Dazu gehört immer die Frage, wie können sich Menschen mit ihren Fähigkeiten und Erfahrungen in das Gemeinwohl einbringen – völlig egal, ob jemand Mitglied in der Kirche ist. Es ist eine breite Bewegung, in die ich mich eingereiht habe.

Konkret haben Sie mit vielen Mitstreitern im Eder- und Elsofftal seinerzeit viele Projekte unter diesem Aspekt angestoßen.

• Wir sind damals mit den Ortsvorstehern in der Lukas-Kirchengemeinde den Weg gegangen. Wir haben mit der Grundschule in Elsoff die Übermittagsbetreuung ins Leben gerufen und die Tagesbetreuung für Demenzkranke geschaffen. Solche Angebote machen Kirche aus. Ich bin 1997 mit einer bestimmten Theologie nach Elsoff gekommen und es gab so viele Menschen, die mit Herzblut mitgearbeitet haben. Die Zusammenarbeit mit den Ortsvorstehern war eine Sensation – was war das für eine tolle Bewegung! Von diesem Aufbruch berichte ich in meinen Vorträgen. Ich habe aus diesen 19 Jahren viel mitgenommen.

Sind Sie rückblickend zufrieden mit Ihrem Schritt, die Lukas-Kirchengemeinde zu verlassen? Fehlt Ihnen die Arbeit in einer Kirchengemeinde nicht?

• Wir fühlen uns hier total wohl, es hatte damals auch gesundheitliche Gründe. Der ganze Prozess war nicht frei von Konflikten, vieles wurde auf mich projiziert. Uns war damals klar, dass man persönlich beschädigt wird und dieser Prozess hätte gar nicht zu dem positiven Ende geführt werden können, wenn ich geblieben wäre. Wir mussten uns aus Elsoff verabschieden, damit hier etwas Neues entstehen kann. Ich war total gerne Gemeindepfarrer, mit Leib und Seele war unsere ganze Familie dabei. So eine Pfarrstelle ist aber auch eine erhebliche emotionale Belastung. Ich kann sagen, dass verlässliche Arbeitszeiten ein Segen sind und man kann auch mal wieder Sport treiben. Ich war erst am Montag mit meinem Sohn Malte Squash spielen. Was ich vermisse, ist die Arbeit mit Kindern. In Elsoff haben wir ja den Konfirmandenunterricht im dritten Schuljahr (KU-3) ins Leben gerufen. Das war eine besondere Geschichte. Mit manchen Kindern von damals bin ich heute noch über Facebook befreundet. Die sind jetzt 15 oder 16.

Sie waren immerhin 19 Jahre im Eder- und Elsofftal tätig. Pflegen Sie heute noch Kontakt in Ihre frühere Kirchengemeinde? Wie haben Sie die weitere Realisierung des „Experiments Lukas“ verfolgt?

• Für Pfarrer gilt der Grundsatz, dass man seinem Nachfolger ja nicht ins Handwerk pfuschen darf. Wir haben deshalb damals bewusst entschieden, dass wir uns raushalten wollen, denn es hätte den gesamten Prozess in der Kirchengemeinde nur erschwert. Wir haben den Schnitt auch sehr resolut vollzogen. In den knapp vier Jahren waren wir nur drei oder vier Mal wieder in Elsoff. Eine Kirchengemeinde verändert sich auch laufend mit den beteiligten Personen, in meinen 19 Jahren auch von Jahr zu Jahr. Sicher habe ich Artikel gelesen und per Internet verfolgt, was sich in der Kirchengemeinde tut. Aber sich ein Urteil zu bilden, das kann man aus dieser Entfernung natürlich nicht.

Gibt es eine Veränderung in der Lukas-Gemeinde, die durch Sie maßgeblich angestoßen wurde, auf die Sie zurückblickend besonders stolz sind?

• Stolz ist nicht mein Begriff, ich bin sehr dankbar für vieles, etwa dafür, dass unser Modell der Gemeindeschwester auf so guten Boden gefallen ist. Das Land Rheinland-Pfalz hat etwa dieses System implementiert, auch in Bayern gibt es ein solches Modell. Die Veränderungen haben so gut funktioniert, weil die Kommunikation so gut war – etwa mit Thomas Dörr vom Diakonischen Werk, mit Bernd Fuhrmann und mit Volker Sonneborn. Dafür bin ich extrem dankbar.

Der Kirchenkreis Wittgenstein wird aller Voraussicht nach mit dem Kirchenkreis Siegen fusionieren. Kleinere Kirchengemeinde mussten sich zusammentun. Wie sehen Sie einen solchen Weg, bei dem größere Einheiten geschaffen werden?

• Er bietet Vorteile, aber birgt auch Gefahren. Wenn es nur darum geht, wie man auf größeren Flächen mit weniger Personal auskommen kann, dann wird es eine Katastrophe. Wenn es aber verbunden ist mit der Frage eines neuen Kirchenbildes, dann kann es gelingen: Wie können sich Menschen in der Kirche selbst verwirklichen, die nicht Mitglied sind? Wie können wir ihre Erfahrungen und Fähigkeiten einbinden? Ich erinnere mich an die Fusion von Elsoff mit Schwarzenau damals. Ziel war, wie wir die Stärken von Schwarzenau noch stärken können. Ich denke, Schwarzenau hat letztlich profitiert. Wittgenstein hat Stärken, von denen auch die Siegerländer profitieren können und umgekehrt. An Fusionen führt letztlich kein Weg vorbei – gerade, weil die Zahl der Pfarrer massiv einbricht. Wittgenstein wird Schwierigkeiten haben, neue Pfarrer zu finden, die gehen lieber in die Städte. Es gibt keine andere Möglichkeit – aber es ist eine echte Chance, den Wandel bewusst zu gestalten.

Die Kirche als Teil des Gemeinwesens zu betrachten, den Ansatz verfolgte Dr. Ralf Kötter (hier bei einer Gemeindeversammlung im Jahr 2014) in seinen 19 Jahren als Pfarrer in der Lukas-Kirchengemeinde. Und das ist bis heute Grundsatz seiner Arbeit.
Ralf Kötter ist heute Dozent am Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung.
Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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