Drei Schafe zu Tode gequält

Erndtebrücker Brüderpaar gestern zu Dauerarrest verurteilt

JG Bad Berleburg. Als er vor gut drei Monaten die Zeitungsberichte über Randale und Tierquälereien in Erndtebrück gelesen habe, da habe er zunächst angenommen, hier sei wohl kräftig übertrieben worden, so gestern Morgen Richter Torsten Hoffmann. Als er dann jedoch die Bilder der getöteten Schafe und von einer verwüsteten Hütte sowie die Aussagen der jetzt Angeklagten auf dem Tisch gehabt habe, sei ihm das Ausmaß der Tat schnell bewusst geworden. Das Ganze sei als »nur noch schrecklich« zu bezeichnen, unterstrich er in seinem Urteil gegen das Brüderpaar. Beide werden einen dreiwöchigen Jugendarrest absitzen müssen.

Dritter Angeklagter erschien nicht

Eigentlich waren drei junge Erndtebrücker wegen der Taten angeklagt, doch der dritte Mann – der mittlerweile nicht mehr in Wittgenstein wohnt – blieb dem Prozess fern. Ein anderes Gericht wird sich um diesen Fall nun kümmern. Erschienen waren ein fast 16-Jähriger und sein zwei Jahre älterer Bruder. Der Jüngere sollte laut Anklageschrift mit dem dritten Mann zunächst freitagnachmittags Bier geklaut haben, inklusive des Bruders hätte das Trio dann das Bier getrunken. Danach hatten sie zunächst im Wellerstal eine Hütte verwüstet, anschließend im Breitenbachtal ein Mutterschaf und zwei Lämmer getötet.

Die jungen Männer waren geständig

Unumwunden gaben die Brüder die Tat gestern Morgen zu. Zunächst schilderte der Ältere, wie er mit seinem jüngeren Bruder und dem dritten Mann das Bier getrunken und die Hütte verwüstet hatte. Bei dem Umbringen der Tiere habe er mit dem nicht erschienenen Angeklagten das Mutterschaf getötet, indem sie es abwechselnd mit der scharfen Seite der Axt auf den Kopf geschlagen hätten.

Eines der Lämmer hätten sie alle zusammen umgebracht, indem sie reihum drauf eingeschlagen und mit einem Messer eingestochen hätten. Schilderungen, die dem 18-Jährigen sichtbar schwer fielen. Den Rädelsführer wollte der ältere Bruder nicht preisgeben. Auch als er für das Gemetzel einräumte »Ich hatte anfangs schon meine Bedenken«, nahm er direkt danach wieder die Gesamtschuld mit auf sich: Die Idee hätten alle drei zusammen gehabt.

Geschädigte blieben sehr sachlich

Auch sein jüngerer Bruder stand gestern – wie schon in der polizeilichen Vernehmung und im Gegensatz zum dritten Mann – zu seinen Taten. Er hatte allein einem Lamm die Vorderbeine gebrochen und es dann umgebracht. Als Zeugen gehört wurden gestern der Hütten-Besitzer – ein Nachbar der Jungen – und der Halter der Schafe. Sehr sachlich umrissen die beiden den angerichteten Schaden: bei der Hütte allein ohne mögliche Arbeitslöhne 900 e, bei den Schafen 1000 e, vom Wert der Tiere bis zu den Abdeckerkosten. Eigentlich hätte man die Hütte abreißen müssen, so deren Besitzer, der mehr als zwei Tage lang aufräumen musste, wozu auch das Wasserablassen aus seinen Teichen gehörte, in die die Angeklagten einiges aus der Hütte versenkt hatten.

Jugendstrafrecht für beide

Christina Schmitt von der Jugendgerichtshilfe hatte mit den beiden Erndtebrückern gesprochen. Aus seiner Biographie und ihrem persönlichen Eindruck heraus fand sie, dass der Ältere nach Jugendstrafrecht abzuurteilen sei. Bei dem Jüngeren sah sie die strafrechtliche Verantwortlichkeit als gegeben an. Als Strafen schlug sie neben einem Dauerarrest auch noch Geld- oder Arbeitsauflagen vor, außerdem regte sie für beide eine Betreuungweisung an. Staatsanwalt Wolfgang Nau sprach in seinem Plädoyer noch einmal von der »außerordentlichen Brutalität«, mit der die Tat verübt worden sei. Den ausufernden Alkoholgenuss vor der Tat wollte er als Erklärungsansatz nicht durchgehen lassen, zu zielgerichtet seien die Handlungen – etwa der Diebstahl der später benutzten Axt – gewesen. Für beide Angeklagten forderte er jeweils vier Wochen Dauerarrest als »höchstmögliches Zuchtmittel«, wenn man keine Jugendfreiheitsstrafe beantragen wolle.

Betreuungsweisungen ausgesprochen

In ihren letzten Worten sagten beide Angeklagten noch einmal, dass ihnen die Tat leid tue, außerdem boten sie ihrem Nachbarn Hilfe an, um die Hütte wieder instandzusetzen. Wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verurteilte Richter Torsten Hoffman die beiden zu jeweils drei Wochen Dauerarrest, der Jüngere soll zudem 80 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten, der Ältere jeweils 300 e an die beiden Geschädigten zahlen.

Bei aller Abscheu gegenüber der Tat habe er »sehr zu Gunsten der Angeklagten« deren Geständnis gewertet. Ein Nachweis der Taten wäre schwierig und zeitaufwendig gewesen. Außerdem sprach er für beide eine Betreuungsweisung aus. Quasi wie ein Bewährungshelfer – ohne dass eine Bewährungsstrafe ausgesprochen worden wäre – soll sich eine Fachkraft ein Jahr lang um die Erndtebrücker kümmern. Denn die entscheidende Frage konnte gestern im Gericht nicht geklärt werden: Wie kamen die bisher Unbescholtenen dazu, solch eine grausame Tat zu begehen?

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