Ehemaliger Angestellter belastet Erndtebrücker schwer

Verhandlung wegen Körperverletzung gestern fortgesetzt

Bad Berleburg. Staatsanwalt Wolfgang Nau kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und machte sich eifrig Notizen: Für den Erndtebrücker Unternehmer, der sich seit vergangener Woche wegen Körperverletzung vor dem Bad Berleburger Amtsgericht verantworten muss, kam es am gestrigen zweiten Verhandlungstag knüppeldick. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma bestätigte nicht nur den Vorwurf, dass der Angeklagte seine ehemaligen Mieter gemeinsam mit zwei polnischen Angestellten bedroht und verprügelt haben soll (die Siegener Zeitung berichtete), er hatte in dem Betrieb auch Methoden »wie in der Mafia« ausgemacht.

»Angeklagter hat mir Schläge angedroht«

Die Geschichten, die der 20-jährige Wittgensteiner im Zeugenstand vortrug, hörten sich nahezu abenteuerlich an. Einmal hätten Mitarbeiter des Unternehmens vom Gelände der Autobahnpolizei bei Köln einen Motorroller gestohlen, dann soll der Firmen-Chef wiederholt mit illegalen Waffen auf dem Firmengelände herum hantiert haben. Mit folgender Aussage rundete der 20-Jährige seinen umfangreichen Beitrag ab: »Der Angeklagte hat mir vor einem Monat Schläge angedroht, falls ich ihn mit meiner Aussage vor Gericht belasten sollte.« Vorwürfe, die sich der Staatsanwalt und Amtsgerichtsdirektor Hans-Jürgen Niediek mit großem Interesse anhörten.

Denn bis zum Auftritt des 20-Jährigen lief die Verhandlung aus der Sicht des Angeklagten nahezu optimal. Alle anderen Zeugen hatten an dem besagten Juni-Tag, an dem die Streitereien zwischen dem 46-jährigen Angeklagten und seinen Mietern eskaliert sein sollen, nichts gesehen und auch nichts gehört. Ein 37-jähriger Kfz-Mechaniker, der auf dem Firmengelände bei Lagerarbeiten geholfen hatte, versicherte, dass er mit dem Firmenchef zur vermeintlichen Tatzeit in einem Nebenraum Bier getrunken habe: »Der Angeklagte hat den Raum höchstens mal zum Austreten für zwei oder drei Minuten verlassen.«

Mitbewohner sahen und hörten nichts

Ein 64-jähriger Bewohner des Mietshauses und seine zehn Jahre jüngere Ehefrau hatten übereinstimmend »keine Ahnung, was da passiert sein soll«. Die Hausfrau räumte zwar ein, ein Poltern registriert zu haben, aber das sei in der Wohnung der anderen Mieter öfter vorgekommen. Eine 23-jährige Mitbewohnerin belastete sogar den Mieter, gegen die sich die zur Verhandlung anstehende Prügelei gerichtet hatte. Der habe mit allen übrigen Mietparteien im Clinch gelegen, berichtete die Hausfrau, er habe in dem Haus Drogen konsumiert, Kinder mit Steinen beworfen und andere Mitbewohner genötigt.

»Schwierig auf legalem Weg«

Gründe, die nahe legen könnten, warum der Angeklagte sich von seinem Mieter trennen wollte. Interessant in diesem Zusammenhang folgende Aussage des 20-jährigen Belastungszeugen: »Der Chef sagte zu mir, dass es schwierig sei, die Mieter auf legalem Weg aus dem Haus zu bekommen. Dann mussten halt andere Methoden her.« Einer der beiden polnischen Angestellten, die an der Prügelei beteiligt gewesen sein sollen, sagte gestern vor Gericht aus, dass er zum fraglichen Zeitpunkt überhaupt nicht auf dem Firmengelände gewesen sei.

Fortsetzung folgt nächsten Dienstag

Was die Aussagen der Zeugen anging, veranlasste Staatsanwalt Wolfgang Nau zur folgenden treffenden Feststellung: »In diesem Verfahren wird dermaßen viel gelogen, dass es fast unumgänglich ist, noch weitere Zeugen zu hören.« Die Verhandlung wird kommenden Dienstag um 12.30 Uhr fortgesetzt – dann soll auch das Urteil gesprochen werden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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