SZ

Windkraft am "Prenzenberger Kopf"
Ehepaar sieht Trinkwasserversorgung in Gefahr

Die Oberböden auf dem „Prenzenberger Kopf“ bei Arfeld sind weitgehend abgeschoben. Mehr soll vorerst nicht passieren, obgleich ein Sofortvollzug vorliegt. Dagegen hat nun ein Ehepaar Widerspruch beim Kreis eingelegt.
  • Die Oberböden auf dem „Prenzenberger Kopf“ bei Arfeld sind weitgehend abgeschoben. Mehr soll vorerst nicht passieren, obgleich ein Sofortvollzug vorliegt. Dagegen hat nun ein Ehepaar Widerspruch beim Kreis eingelegt.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

tika Arfeld. Das Gros der Bagger hat den Wald schon wieder verlassen. Die Oberböden auf dem Prenzenberger Kopf sind abgeschoben, das Feld ist buchstäblich bestellt. Nun allerdings soll vorerst nichts passieren, wie Windkraft-Investor Ludwig-Ferdinand Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg von der Eder Energy erst jüngst gegenüber der Siegener Zeitung erklärt hatte. Das Unternehmen hatte eine Baugenehmigung durch den Kreis Siegen-Wittgenstein erhalten – inklusive Sofortvollzug, der einen kurzfristigen Baustart ermöglichen würde. Dazu soll es aber laut dem Investor nicht kommen, lediglich die Vorarbeiten mussten bis zum 28. Februar erledigt sein – so jedenfalls sah es eine entsprechend gesetzte Frist vor.

tika Arfeld. Das Gros der Bagger hat den Wald schon wieder verlassen. Die Oberböden auf dem Prenzenberger Kopf sind abgeschoben, das Feld ist buchstäblich bestellt. Nun allerdings soll vorerst nichts passieren, wie Windkraft-Investor Ludwig-Ferdinand Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg von der Eder Energy erst jüngst gegenüber der Siegener Zeitung erklärt hatte. Das Unternehmen hatte eine Baugenehmigung durch den Kreis Siegen-Wittgenstein erhalten – inklusive Sofortvollzug, der einen kurzfristigen Baustart ermöglichen würde. Dazu soll es aber laut dem Investor nicht kommen, lediglich die Vorarbeiten mussten bis zum 28. Februar erledigt sein – so jedenfalls sah es eine entsprechend gesetzte Frist vor.

Ehepaar legt Widerspruch ein

Wenige Tage nach der Entscheidung hatte die Stadt Bad Berleburg indes Klage gegen die Genehmigung des Kreises Siegen-Wittgenstein eingereicht, damit auf den Sofortvollzug reagiert – und auf diese Weise eine aufschiebende Wirkung erwirken wollen. Nicht nur, aber auch deshalb ist Eile geboten – am Montagabend sollte der weitere Verfahrensablauf zum sachlichen Teilflächennutzungsplan Windenergie der Stadt Bad Berleburg auf der Agenda der Stadtverordnetenversammlung stehen. Ungeachtet dessen gehen auch Sonja Kuhn-Weber und Michael Weber juristisch gegen den geplanten Bau der vier Windkraftanlagen am „Prenzenberger Kopf“ in Arfeld vor. Das Ehepaar aus dem Ohrenbach hat Widerspruch gegen die Entscheidung des Kreises Siegen-Wittgenstein eingelegt – und dafür nun auch anwaltlichen Beistand eingeschaltet: Patrick Habor aus Göttingen vertritt das Arfelder Ehepaar – und nicht nur dieses. Unter anderem ist er mit Blick auf die Genehmigung und den Bau von Windkraftanlagen auch für Gegner in Sohl und Benfe aktiv. „Er weiß zudem, wer der Investor ist, er kennt ihn“, erklärte Sonja Kuhn-Weber im SZ-Gespräch vielsagend, „er ist der beste Anwalt, den man in einem solchen Fall haben kann.“

Beeinträchtigung der Lebensqualität befürchtet

Sonja Kuhn-Weber und Michael Weber befürchten massive Beeinträchtigungen der Lebensqualität durch den Bau der Windkraftanlagen – bis hin zu gesundheitlichen Folgen. Und nicht nur dies. Ihre Recherchen haben ergeben, dass ihre Wasserversorgung künftig wohl vollständig unterbrochen ist, sollte es zum Bau der Anlagen kommen. Denn eines der Windräder soll – näher als zunächst angenommen – im Grenzgebiet zum Ohrenbach entstehen. Genau dort befindet sich auch der Brunnen, der die zentrale und einzige Quelle der Trinkwasserversorgung für den Hof des Ehepaars darstellt.
„Wenn wir nicht mehr duschen können, dann ist das das eine. Wenn wir aber das Wasser abgedreht bekommen, wie sollen wir dann täglich 500 Liter Wasser für die Tiere bekommen?“, fragte sich Sonja Kuhn-Weber. Eines der geplante Windräder solle nämlich in unmittelbarer Nähe zum bereits bestehenden Brunnen entstehen.

Problem mit dem Brunnen

„Es handelt sich dabei gewissermaßen um einen Oberflächenbrunnen – und der würde dann nicht mehr funktionieren.“ Widerspruch hätte das Ehepaar gegen die Entscheidung zur Genehmigung inklusive Sofortvollzug ohnehin beim Kreis Siegen-Wittgenstein eingelegt. Das Problem der möglicherweise nicht mehr vorhandenen Wasserversorgung sei nun noch erschwerend hinzugekommen.
„Was das Problem mit dem Brunnen betrifft, ist uns dieses erst jetzt bewusst geworden. Da war so und in dieser Form zunächst nicht mit zu rechnen. Das Problem ist aber auch, dass der Investor niemals mit uns gesprochen hat“, haderte Sonja Kuhn-Weber. Einhergehend mit dem Widerspruch habe Anwalt Patrick Habor nun daher auch Akteneinsicht bei der Kreisverwaltung beantragt.

Schadensbegrenzung ist das Ziel

Dass sie den Bau der geplanten Windkraftanlagen noch verhindern können, damit rechnen Sonja Kuhn-Weber und Michael Weber nicht mehr. „Es geht wahrscheinlich vor allem darum, Schadensbegrenzung zu betreiben“, erklärte die Arfelderin vielsagend. Vor gänzlich vollendeten Tatsache will die Familie mit ihrem Hof und ihren Tieren am Ende schließlich nicht stehen – und zumindest so früh wie möglich auf das Problem aufmerksam machen. Nicht zuletzt durch die jetzt ergriffenen rechtlichen Schritte. „Wir wollen es ganz sicher nicht drauf ankommen lassen und dann ohne Wasser da stehen“, berichtete Sonja Kuhn-Weber.
Denn wenn der Brunnen nicht mehr funktioniere und selbst wenn dann eine Lösung zur Wasserversorgung gefunden werde, müsse diese dann auch erst umgesetzt werden. Und das koste Zeit – zu viel Zeit, um vor allem die Tiere, die auf dem Hof leben, adäquat zu versorgen.

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

Timo Karl (Redakteur) auf Facebook
Timo Karl (Redakteur) auf Instagram
following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen