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Jubiläum in Sassenhausen
Ein Dorf feiert „625-Jähriges“

Die von Mannus Riedesel erbaute Kapelle in Sassenhausen ist das Wahrzeichen der Ortschaft, die in diesem Jahr zwar das „625-Jährige“ begeht, aber nur unter sich im „Familienverbund“ feiern möchte.
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  • Die von Mannus Riedesel erbaute Kapelle in Sassenhausen ist das Wahrzeichen der Ortschaft, die in diesem Jahr zwar das „625-Jährige“ begeht, aber nur unter sich im „Familienverbund“ feiern möchte.
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howe Sassenhausen. Bei „Sassenhausen“ scheiden sich die Geister. Nein, sicher nicht wegen des Dorfes oder seiner Bewohner. Vielmehr ist bis heute niemandem klar, woher der Name stammt. Sassenhausen: Waren das die Freisitzenden, die Freisassen, die einst dem Landesherrn keine Abgaben leisten mussten, weil sie sich neu angesiedelt hatten? Oder gab es einen Herrn von Sassenhausen, einen Ritter, der hier seine Güter gehabt hat? Möglich wäre auch anzunehmen, dass sächsische Bauern in Sassenhausen – ebenso wie in Saßmannshausen und in der Fischelbacher Wüstung Sassenborn – zwangssiedeln mussten. Oder wie ist es mit der Theorie der Germanen? Da könnten die Sasamänner oder Sassen hier gelebt haben.

howe Sassenhausen. Bei „Sassenhausen“ scheiden sich die Geister. Nein, sicher nicht wegen des Dorfes oder seiner Bewohner. Vielmehr ist bis heute niemandem klar, woher der Name stammt. Sassenhausen: Waren das die Freisitzenden, die Freisassen, die einst dem Landesherrn keine Abgaben leisten mussten, weil sie sich neu angesiedelt hatten? Oder gab es einen Herrn von Sassenhausen, einen Ritter, der hier seine Güter gehabt hat? Möglich wäre auch anzunehmen, dass sächsische Bauern in Sassenhausen – ebenso wie in Saßmannshausen und in der Fischelbacher Wüstung Sassenborn – zwangssiedeln mussten. Oder wie ist es mit der Theorie der Germanen? Da könnten die Sasamänner oder Sassen hier gelebt haben. Das sollen die alten Weisen gewesen sein, die im heidnischen Germanien die Glaubens-Erziehung und Leitung des Volkes übernommen hatten.

Christel Fehrmann, geborene Grübener, untersuchte die Namensherkunft 1995 in einem Artikel im Wittgenstein-Heft und kam wie auch der damalige Sassenhäuser Lehrer Heidschötter zu dem Schluss, „dass es wohl nie möglich ist, eine eindeutige Namenserklärung zu geben“. Weil die letzte Deutungsvariante nah an der Tatsache ist, dass Sassenhausen einen „Hain“, also einen Berg hat, der als germanische Opferstätte gedient haben könnte, dürfte diese auch eine der naheliegenden sein. Wie dem auch sei: Keine Spielräume gibt es bei der ersten urkundlichen Erwähnung der Ortschaft. Anno 1395 verkaufte Gerlach von Diedenshausen seinen Zehnten zu Sassenhausen an einen Brosken von Viermund. Damit ist der Ort erstmals belegt, und zwar vor genau 625 Jahren.

Wer Sassenhausen kennt, der hat die Schlaglichter vor Augen: Es ist zweifelsohne die Schulkapelle des bekannten Wittgensteiner Baumeisters Hermanus (Mannus) Riedesel, die 1703 errichtet wurde. Aus einem Artikel von Werner Wied (Wittgenstein, 1988) wissen wir, dass es eine Vorgänger-Kapelle gab, die wohl im frühen 16. Jahrhundert erbaut worden sein dürfte. Kapellenrechnungen berichten vom Glockeneinbau 1630, insofern könnte der Bau vor der Landesteilung in 1603 erfolgt sein. Zwischen 1615 und 1632 wurde laut Rechnungen auch das Strohdach des Gotteshauses erneuert, mehrfach ist im Laufe des Jahrhunderts von Reparaturen die Rede. Werner Wied führt aus: „Leider sind uns die nächsten, jetzt selbstständigen Sassenhäuser Kapellenrechnungen für die Jahre 1633 bis 1663 nicht erhalten geblieben. Sie hätten uns wohl manches erzählen können über Not, Elend und Sterben in dieser kriegerischen Zeit.“

Neben der heutigen Kapelle, die im Fachwerkstil errichtet wurde und einen vielfältigen Zierschmuck des Gebälks aufweist, hat zweifelsohne der Sassenhäuser Bilderbandwurm für eine Belebung und ein öffentliches Interesse gesorgt. Damals wurde Landrat Paul Breuer die Ehre zuteil, diesen Bilderbandwurm feierlich zu eröffnen. Damit setzten heimische Künstler ihre Werke im öffentlichen Raum in Szene.

Überall im Dorf, an den Straßen und Plätzen, sogar an den Scheunen und Häusern, können die Besucher zum Teil heute noch die großen Bilder bestaunen. Zu dem kulturellen Akzent gesellte sich ein weiterer sportlicher. Denn neben den Sportfreunden baute der Golfclub Wittgensteiner Land einen Golfplatz mit turnierfähiger 12-Loch-Anlage. Von hier oben ergeben sich einzigartige Ausblicke auf das Tal. Überhaupt liegt Sassenhausen derart idyllisch, dass es immer wieder zahlreiche Besucher von „auswärts“ anzieht. In Sassenhausen überall bekannt ist der Gasthof „Schöne Aussicht“ – seit vielen Jahrzehnten immer noch ein Geheimtipp fürs gepflegte Bier und leckere Schnitzel. Auch die Landwirtschaft spielt im Dorf eine Rolle. So hat sich die Familie Henk mit der Vermarktung ihrer Produkte wie Bio-Eier, Nudeln oder Fleisch längst einen hervorragenden Namen gemacht. Sassenhausen – das ist auch die Kameradschaft der Feuerwehr in einem kleinen, aber sehr schlagkräftigen Gerätehaus. Wir erinnern uns vor Jahren an die verheerenden Brände im Dorf. Da zeigte sich, wie lebenswichtig die eigene Feuerwehr im Dorf ist.

Dazu spielen die Sportfreunde weiterhin eine sehr positive Rolle im Ort. Wenn auch die Sicherung des Spielbetriebs mit einer Mannschaft zuweilen Kopfzerbrechen bereitet, haben die Rot-Weißen zuletzt mit dem neuen Vorsitzenden für Aufbruchstimmung gesorgt. Demnächst soll mit einem Anbau an das Sportheim eine Art „Dorfgemeinschaftsgebäude“ entstehen, das die Dorfbewohner noch mehr zusammenführen soll. Auch eine „eigene“ Landtagsabgeordnete haben die Sassenhäuser. Denn Anke Fuchs-Dreisbach ist neben ihrem Job in Düsseldorf weiterhin Ortsvorsteherin und stellvertretende Bürgermeisterin. Sie verriet jetzt: „Wir feiern unser Jubiläum klein, im Familienverbund.“

Die von Mannus Riedesel erbaute Kapelle in Sassenhausen ist das Wahrzeichen der Ortschaft, die in diesem Jahr zwar das „625-Jährige“ begeht, aber nur unter sich im „Familienverbund“ feiern möchte.
Noch ist öffentlich nicht verkündet, dass Sassenhausen in diesem Jahr sein 625-jähriges Bestehen feiert. In 1995 wurde das Dorf 600 Jahre alt.
Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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