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Kurioser Auftritt vor dem Amtsgericht Bad Berleburg
Ein Geständnis aus Bequemlichkeit?

Ist ein 29-Jähriger tatsächlich alkoholisiert Auto gefahren - oder handelt es sich um einen "Rosenkrieg" mit der Ex-Freundin? Der Mann legte vor dem Amtsgericht Bad Berleburg jedenfalls einen kuriosen Auftritt hin.
  • Ist ein 29-Jähriger tatsächlich alkoholisiert Auto gefahren - oder handelt es sich um einen "Rosenkrieg" mit der Ex-Freundin? Der Mann legte vor dem Amtsgericht Bad Berleburg jedenfalls einen kuriosen Auftritt hin.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

howe Bad Berleburg. Das war ja ein kurioser Auftritt, den ein 29-jähriger Angeklagter am Freitagmorgen im Bad Berleburger Amtsgericht hinlegte. Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel klagte den Erndtebrücker an, im Oktober unter Alkoholeinfluss Auto gefahren zu sein. Gegen 2.45 Uhr sei er „in alkoholbedingten Zustand“ mit dem Fahrzeug unterwegs gewesen, die Polizei habe ihm um 4 Uhr eine Blutprobe entnommen. Mit dem Ergebnis: 1,34 Promille. Soweit zur wenig spektakulären Anklage.

Gleich zu Beg

howe Bad Berleburg. Das war ja ein kurioser Auftritt, den ein 29-jähriger Angeklagter am Freitagmorgen im Bad Berleburger Amtsgericht hinlegte. Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel klagte den Erndtebrücker an, im Oktober unter Alkoholeinfluss Auto gefahren zu sein. Gegen 2.45 Uhr sei er „in alkoholbedingten Zustand“ mit dem Fahrzeug unterwegs gewesen, die Polizei habe ihm um 4 Uhr eine Blutprobe entnommen. Mit dem Ergebnis: 1,34 Promille. Soweit zur wenig spektakulären Anklage.

Gleich zu Beginn stritt der 29-Jährige alles ab. „Das ist ein Rosenkrieg meiner Ex“, erklärte er dem Gericht. Er setze sich doch nicht ins Auto und „verhaue mir doch nicht das Leben.“In Wahrheit sei das Ganze so gewesen: Seine Ex-Partnerin habe eine Freundin besucht. Er selbst, so der Angeklagte, habe es sich zu Hause auf dem Sofa gemütlich gemacht und was getrunken. Plötzlich sei die Ex-Freundin von ihrem vermeintlichen Treffen zurückgekommen. „Sie war mit meinem Auto unterwegs. Wir haben uns dann gestritten, weil ich Alkohol getrunken habe.“

"Ok. Sagen wir einfach, ich war es"

Er habe dann die Wohnung verlassen und sei auf die Straße gelaufen. Genau dort habe ihn dann die Polizei in Empfang genommen. „Ich denke, die Polizei hatte sie vorher schon benachrichtigt.“ Die Beamten trafen den 29-Jährigen zu Fuß an, erhielten aber wohl den Hinweis von der Ex-Freundin, dass der kurz zuvor betrunken ins Auto gestiegen sei.
Im Wissen, dass hier durchaus Aussage gegen Aussage stehen könnte, unterbreitete Richter Torsten Hoffmann ein grundsätzliches Angebot. Bei einer geständigen Einlassung würde den Angeklagten eine Geldstrafe und ein Fahrverbot erwarten. Mehr nicht. Schließlich sei der 29-Jährige nicht vorbestraft. Gleich reagierte der Angeklagte: Wie hoch denn die Geldstrafe ausfalle, wenn er sage, dass er doch gefahren sei, wollte er wissen.
Judith Hippenstiel legte die Karten auf den Tisch: Wenn sie plädieren würde, dann wären das 30 Tagessätze zu je 80 Euro und eine achtmonatige Sperre. „Ok. Sagen wir einfach, ich war es“, antwortete der Angeklagte. „Ich habe keine Lust, noch einmal hier hinzukommen und der Ex-Freundin zu begegnen.“ Das Geld spiele keine Rolle und das Auto brauche er im Moment sowieso nicht, schilderte der 29-Jährige.

Richter Torsten Hoffmann möchte keine Unschuldigen verurteilen

Torsten Hoffmann forderte den Beschuldigten auf, er möge die Tat auch wirklich nur gestehen, wenn er sie denn auch begangen habe. „Wir verurteilen keine Unschuldigen.“ Um dem Angeklagten ein wenig auf die Sprünge zu helfen, verlas Torsten Hoffmann die Aussage der Ex-Freundin, die wegen Krankheit nicht vor Gericht erschienen war.
Demnach sei sie gegen 1 Uhr vom Freundin-Besuch nach Hause gekommen, da habe ihr Freund betrunken auf dem Sofa gesessen. Es habe Streit gegeben, er habe sich daraufhin den Autoschlüssel geschnappt, sei hinausgelaufen und „mit quietschenden Reifen“ davongefahren. Nach ein paar Minuten sei er zurückgekommen, es habe erneut Streit gegeben und wiederum habe sich ihr Ex-Freund ins Auto gesetzt und sei weggefahren.

Neuer Termin vor dem Amtsgericht Bad Berleburg

„Sind sie aus Wut mit dem Auto gefahren“, wollte Judith Hippenstiel wissen. „Nein. Ich war alkoholisiert, aber zu Fuß“, lautete die Antwort. Er sei nicht mit dem Auto gefahren. „Ich will aber nicht nochmal hier auftauchen und habe keinen Bock auf meine Ex“, so der 29-Jährige. Um dann nachzulegen: „Also ja, ich bin gefahren. Ich gebe das jetzt zu, ist mir egal.“ Torsten Hoffmann lehnte ab. Er setzte das Verfahren aus. Zum neuen Termin werden neben der Zeugin auch deren Freundin sowie die Mutter geladen. Bei letzterer soll der Wagen vor dem Haus gestanden haben.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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