Baumrain-Klinik zieht um
„Ein großer Teil der Probleme ist hausgemacht“

Ab 5. Dezember befindet sich der gesamte Reha-Bereich von Vamed in Bad Berleburg unter einem Dach. Allerdings gilt die Entscheidung zur Schließung der Baumrain-Klinik als höchst umstritten.
  • Ab 5. Dezember befindet sich der gesamte Reha-Bereich von Vamed in Bad Berleburg unter einem Dach. Allerdings gilt die Entscheidung zur Schließung der Baumrain-Klinik als höchst umstritten.
  • Foto: Holger Weber
  • hochgeladen von Martin Völkel (Redakteur)

Bad Berleburg. In Bad Berleburg gewinnt man den Eindruck, dass mit der Baumrain-Klinik ein weiteres Klinikgebäude des einst überaus bedeutenden Gesundheitsstandortes quasi durch die Hintertür – und still und leise – für immer geschlossen wird. Wie die Siegener Zeitung erfuhr, soll der ursprünglich für das dritte Quartal angepeilte Umzug der Orthopädie aus der Baumrain-Klinik in den großen Klinik-Komplex am Arnikaweg – mit Odeborn- und Rothaar-Klinik – nun am Donnerstag, 5. Dezember, über die Bühne gehen. Unwiderruflich offenbar.

Mit der Zentralisierung verfolgt Vamed als Betreiber in der Odebornstadt nach eigenen Angaben das Ziel, alle Kräfte künftig unter einem Dach zu bündeln und Synergien zu nutzen (die Siegener Zeitung berichtete). Zugegeben – diese Argumentation hört man am Klinik-Standort Bad Berleburg nicht zum ersten Mal. „Ich will es mal zynisch formulieren: Mit der Schließung der Baumrain-Klinik leisten wir einen weiteren Beitrag zur Sicherung des Standortes. Das war ja bei der Herz-Kreislauf-Klinik auch schon so – mit welchem Ergebnis? Gesichert wurde gar nichts“, findet Jürgen Weiskirch deutliche Worte. Die Wahrheit sei, dass Bad Berleburg ein weiteres Klinikgebäude drohe, das nicht langfristig genutzt werde, ergänzt der Verdi-Gewerkschaftssekretär: „So viele Altenheime können in Bad Berleburg gar nicht eröffnet werden. Die Gebäude sind nicht im Handumdrehen vermittelbar.“ Dass sich der Reha-Bereich in Deutschland weiterhin im Abwärtstrend befinde, sei kein Geheimnis. Und auch die Wittgensteiner Verkehrsferne mache die Sache nicht einfacher. Nur: „Ein großer Teil der Probleme in Bad Berleburg ist hausgemacht. An den entscheidenden Stellen im verantwortlichen Bereich ist man mit dem Patienten-Potenzial nicht so umgegangen, wie es notwendig gewesen wäre.“

In Mitarbeiterkreisen fehlt nach intensiven SZ-Recherchen das Vertrauen in die Führungsriege – nicht erst seit gestern oder heute, sondern seit geraumer Zeit. Einem früheren Reha-Geschäftsführer, der sich längst aus Bad Berleburg verabschiedet hat, wirft ein Insider „eine Aneinanderreihung von Fehlentscheidungen und null Gespür für die Arbeit der Kollegen“ vor. Generell sei es ein großes Problem, so der Kenner der Bad Berleburger Kliniken, wenn an den Schaltstellen die Identifikation mit dem Standort Bad Berleburg fehle: „Die ziehen nach ein paar Jahren weiter, sind auf Karriere aus und das war es dann.“ Das sei zu WKA-Zeiten deutlich anders gewesen.

Der Umzug der Baumrain-Klinik in den Gesamtkomplex sei von der Grundüberlegung „vielleicht nicht ganz falsch, er bietet vielleicht sogar Chancen“. Wie das Projekt allerdings angepackt worden sei, hinterlasse in der Mitarbeiterschaft viele Fragezeichen. Die Orthopädie der Baumrain-Klinik „mit ganz hervorragenden Therapeuten und nachweisbaren Erfolgen“ sei über Jahre ein Aushängeschild für Bad Berleburg gewesen. Nicht von ungefähr sei die Klinik bis zuletzt sehr gut belegt. Jetzt laufe man Gefahr, dass die Orthopädie Einbrüche zu verkraften habe, weil der Umzug an die Adresse der Kostenträger völlig unzureichend kommuniziert worden sei. Vamed-Ärzte, die allerdings lieber anonym bleiben möchten, sehen es als großes Problem an, dass orthopädische Patienten künftig wieder in Doppelzimmern untergebracht werden sollen: „Überhaupt nicht mehr zeitgemäß.“ Warum die Infrastruktur teilweise zurückgebaut worden sei und man künftig mit nur noch einem Schwimmbad für den riesigen Komplex auskommen müsse, habe ebenfalls noch niemand beantwortet.

Hinzu kämen entscheidende Fehler bei der Umsetzung des Projektes. Der Umbau werde rund 500 000 Euro teurer als kalkuliert, wusste ein Kenner des Betriebes. Und: „Dass die Einnahmen durch die Vermietung der Rothaar-Klinik an das Land Nordrhein-Westfalen wegfallen könnten, hatte wohl niemand auf dem Schirm. Man muss das so deutlich sagen: Im Prinzip wurde hier ein Umzug und Umbau in Angriff genommen, für den kein Geld da war.“ Viele Mitarbeiter der Baumrain-Klinik befürchteten auch, dass durch die Zusammenlegung der Kliniken nur der gravierende Personalmangel im Pflegebereich übertüncht werden solle. „Vielleicht will man Löcher stopfen. Projekte wie das mit den ungarischen Pflegekräften, das öffentlichkeitswirksam gepriesen wurde, sind krachend gescheitert.“

Und was sagt Vamed? „Nach unserer Erfahrung ist es sinnvoll, sich bei der Umsetzung eines Projektes ein Zieldatum zu setzen. Dabei wird die Machbarkeit kontinuierlich überprüft, um sicherzustellen, dass unsere Mitarbeiter ihrer Tätigkeit uneingeschränkt nachgehen können und die Patienten medizinisch, pflegerisch und therapeutisch bestmöglich versorgt werden“, erklärt Sprecherin Antje Gröpl-Horchler.

Und weiter: „Im Zuge unseres Zusammenzuges modernisieren wir verschiedene Bereiche und sanieren eine Station von Grund auf. Dies ist mit einem hohen Aufwand verbunden, da wir im Bestand bauen und das in einem Gebäude, das bereits 60 Jahre alt ist.“ Bis heute sei viel erreicht worden: Mehrere interne Umzüge seien erfolgreich abgeschlossen sowie Umbauten in den Therapiebereichen und in der Pflege, einige Maßnahmen seien noch in der Umsetzung „und schreiten gut voran“. Über alle Maßnahmen seien die Mitarbeiter regelmäßig im Rahmen von Newslettern, Info-Mails, Mitarbeiterfrühstücken, in Abteilungsleiterrunden oder in persönlichen Gesprächen informiert worden. Die Zuweiser und Kostenträger seien unter anderem durch die Reha-Referentin sowie verschiedene Informationsschreiben informiert worden und stünden mit der Patientenaufnahme in einem persönlichen Austausch. Antje Gröpl-Horchler: „Wir sind für das Engagement unserer Mitarbeiter und der beteiligten Gewerke sehr dankbar – gemeinsam stemmen wir eine große Aufgabe, bei der wir glauben, dass sie für unsere Rehaklinik mit Blick auf die Zukunft die beste Entscheidung ist. Wir sind davon überzeugt, dass der Zusammenzug unter einem Dach für unsere Patienten und Mitarbeiter einen großen Mehrwert haben wird.“

Am kommenden Donnerstag, 21. November (18 Uhr), tagt der Bad Berleburger Gesundheitsausschuss im Johannes-Althusius-Gymnasium. Dann soll über „aktuelle Entwicklungen bei Vamed“ berichtet werden – allerdings nur schriftlich. Auch eine Möglichkeit.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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