Ein musikalisches Kammerspiel

Leskowitz und Costin luden zu Duoabend ins Berleburger Schloss

gmz Bad Berleburg. Der Duoabend am Freitag im Berleburger Schloss war ein musikalisches Kammerspiel: Der Geiger Luz Leskowitz, musikalischer Leiter der Internationalen Musikfestwoche in Bad Berleburg und der Salzburger Schlosskonzerte, und die junge rumänische Pianistin Alexandra Costin verzauberten ihr Publikum mit drei Sonaten für Violine und Klavier von drei »Wiener Klassikern«, Mozart, Schubert und Beethoven. Die beiden Solisten spielten Mozarts Sonate für Klavier und Violine G-Dur KV 301, Schuberts Sonate für Klavier in A-Dur, op. 162 und Beethovens Sonate für Klavier und Violine in G-Dur, op. 96.

In dem wohl durchdachten Programm legten sie den Wandel und die Intensivierung der musikalischen Ausdruckstiefe dar, vom heiteren Mozart über den romantischen Schubert zum das Sein auslotenden Beethoven. Dabei zeigten sie in ihrer geschliffenen Interpretation der Sonaten durchaus Verbindungen zwischen den Stücken. Sie loteten beispielsweise in der plötzlich gar nicht mehr so unbeschwerten Mozart-Sonate das Ungestüme und Drängende aus, das auch Schuberts Sonate über weite Strecken charakterisiert und stellten der früh-romantischen Sehnsucht Schuberts die existenzielle Beethovens gegenüber. Es waren Darbietungen voller Überraschungen!

Der heitere Auftakt der Mozart-Sonate wurde von Alexandra Costin mühelos zum beinahe gesungenen Duett mit der Violine geführt. Luz Leskowitz verlieh den folgenden, fröhlichen, aber energisch vorwärtsstrebenden Passagen tänzerische Leichtigkeit, die zeigten, wie das Spiel mit der spielerischen Unbeschwertheit zum souveränen »Spiel« des Interpreten wird. Das zauberhafte Anfangsmotiv des zweiten Satzes, das von beiden Instrumenten variiert wird, erhielt plötzlich nachdenkliche Aspekte, die unter der scheinbar unbeschwerten Lässigkeit eine drängende Notwendigkeit sichtbar machten: Mozart, so wurde eindrucksvoll deutlich, ist mehr als nur voraussetzungs- und konsequenzlose »Heiterkeit«. Franz Schuberts viersätzige Sonate untersucht von Beginn an mit großer Intensität die emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten der Musik. Von der rhythmisch gegliederten zur wehmütigen Erinnerung, von der elegischen in die beinahe intellektuell abgeklärte Stimmung wechselnd, die fast in ungebremste Gefühlsseligkeit abgleitet, reichte die Spannbreite im ersten Satz. Die beherrscht-energische Aufbruchsstimmung bestimmt den zweiten, ihre Energie scheint sich dann in Sehnsucht zu verlieren, um dann aber doch wieder (im dritten Satz), kontrastreich und fast dramatisch die gegebenen Möglichkeiten zu debattieren. Der Schlusssatz fasst diese romantisch-vielfältige Gefühlslage zusammen und gelangt zu inniger Gelöstheit und emotionaler Tiefe, die in fulminante Aufbruchsstimmung mündet.

Die bekannte Beethoven-Sonate in G-Dur mit der innigen, optimistisch aufwärtsstrebenden Eingangsmelodie wird von den beiden Spielern geformt, kommentiert und variiert. Alexandra Costin spielte das Stück präzise und klar »aus einem Guss«, Luz Leskowitz setzte die nachdenklichen, ja nahezu gebrochenen Akzente dazu, die in spannungsreichem Kontrast standen zur in sich geschlossenen Darbietung der Pianistin. Im zweiten Satz, dem Adagio espressivo, schien es, als lausche er dem Spiel seiner Geige, als sei das Spiel selbst Erinnerung, die beschworen wird, um erst mit dem Schlussdialog mit dem Klavier wieder in der Gegenwart anzukommen – eine tolle Interpretation dieses traumhaft-besinnlichen Satzes (der auch als Zugabe wiederholt wurde). Das Scherzo will, so kommt es einem vor, die Erinnerung an die Erinnerung abschütteln, drängt mit Verve vorwärts, um sich dann im vierten Satz befreit der Erinnerung noch einmal zu stellen und mit den gestalteten Gefühlen voller Elan in eine Zukunft aufzubrechen. – Ein Schluss, der zukunftsweisend sein kann und die Zuhörer begeisterte!

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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