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Literaturpflaster verabschiedet sich fulminant
Ein Pakt mit dem „Teufel“

 Ragnhild Hemsing gehört zu den bekanntesten Geigerinnen Norwegens und war beim Bad Berleburger Literaturpflaster Ehrengast.
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  • Ragnhild Hemsing gehört zu den bekanntesten Geigerinnen Norwegens und war beim Bad Berleburger Literaturpflaster Ehrengast.
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sabe Bad Berleburg. Sehnsüchtig, zart, kräftig, überraschend, charmant, lustvoll, jazzing, folkloristisch – der Montagabend, er war der Inbegriff von facettenreich! „Northern Lights and Balkan Beats“ so der Titel des Konzerts des Dreigestirns Ulrich van der Schoor (Klavier), Attila Benkö (Tuba) und der norwegischen Violinistin Ranghild Hemsing, die im Rahmen (und zum Abschluss) des Bad Berleburger Literaturpflasters mit Jazz, Folk und Klassik aus Norwegen im Verbund mit Werken aus Südosteuropa und Südamerika dem Publikum ein Konglomerat aus den farbigsten Kontrasten boten.

sabe Bad Berleburg. Sehnsüchtig, zart, kräftig, überraschend, charmant, lustvoll, jazzing, folkloristisch – der Montagabend, er war der Inbegriff von facettenreich! „Northern Lights and Balkan Beats“ so der Titel des Konzerts des Dreigestirns Ulrich van der Schoor (Klavier), Attila Benkö (Tuba) und der norwegischen Violinistin Ranghild Hemsing, die im Rahmen (und zum Abschluss) des Bad Berleburger Literaturpflasters mit Jazz, Folk und Klassik aus Norwegen im Verbund mit Werken aus Südosteuropa und Südamerika dem Publikum ein Konglomerat aus den farbigsten Kontrasten boten.

Besondere Location

In der Schalterhalle der Sparkasse Wittgenstein – das Literaturpflaster ist mittlerweile bekannt für seine kreativen Veranstaltungsstätten – gab es also von Béla Bartók über Astor Piazzolla alles und noch mehr. Ragnhild Hemsing, musikalischer Ehrengast des Abends und bekannte norwegische Geigerin, hatte neben der Violine auch die Hardangerfiedel (auf norwegisch Hardingfele), das norwegische Nationalinstrument, im Gepäck. „Ich bin auf dem Land aufgewachsen“, erklärte Hemsing gen Publikum. „Da ist Volksmusik sehr wichtig. Man lernt, indem man zuhört, also nicht über Noten.“ So wurde denn also der Notenständer ganz pragmatisch zur Seite gestellt und statt dessen nach volkstümlichem Brauchtum die fidelen Klängen der Hardangerfiedel rhythmisch mit dem Fuß begleitet.

Kammermusikkonzert mit extra Twist

Das Bad Berleburger Publikum, es ließ sich anstecken, wenn die Melodien mal feurig und feierlich, mal ganz ursprünglich daherkamen, ja, generell genoss das Publikum sichtlich, dass an diesem Abend wohl hinter jedem Stück und jedem Arrangement eine musikalische Überraschung zu finden war. „Northern Lights & Balkan Beats“ – tatsächlich entzog sich dieser Titel wohl von vorneherein jedweder Einordnung, verlieh dem Abschlusskonzert gleich zu Anfang eine knisternde Spannung, eine erfrischende Aufregung. „Das ist hier praktisch ein Kammermusikkonzert mit einem extra Twist“, lachte Attila Benkö, Tubist der Philharmonie Südwestfalen, der es, genau wie Kollege Ulrich van der Schoor (Jazzpianist), verstand, auch im Diskurs mit dem Publikum genau den richtigen Ton zu treffen.

Harmonisches Spiel

Lachte man in dem einen Moment noch über Benkös Vergleich des geschnitzten Drachenkopf-Emblems auf der Hardangerfiedel, das seinem Gusto entsprechend viel eher einem Siegerländer Dilldappen glich, wurde man im nächsten Moment ganz stumm und verzaubert, wenn die dicke Tuba zwischen der zarten Geige und dem vielseitigen Klavier so eindrucksvolle zarte Töne spielte und wunderte sich darüber, wie seltsam stimmig eine samische Ballade – herzerwärmend in einem Solo von Ulrich van der Schoor gespielt – mit einem gespielten (lauten, dynamischem) „Springtanz“ oder der musikalischen Version einer ungarischen Bauernhochzeit harmonieren konnte. Als Attila Benkö (zum großen Staunen der Zuschauer) diesen kunterbunten Klangbildern noch ein Alphorn hinzufügte, wurde mit diesem tiefen Bassteppich, auf dem ein flinkes Fingerspiel van der Schoors und ein virtuoses Spiel Hemsings lag, jede bis dato bekannte musikalische Kategorisierung von der improvisierten Bühne gefegt.

Das Instrument des Teufels

Kein Wunder also, dass das Bad Berleburger Publikum mit erquickendem Applaus seine Zugabe einforderte, die es denn dann auch in aller Umfänglichkeit bekommen sollte: Ragnhild Hemsing spielte hierfür und im Abschluss noch einmal auf ihrer Hardangerfiedel, dem Instrument mit den neun Seiten, das bis in dieses Jahrhundert hinein in norwegischen Kirchen verboten wurde, wie Ulrich van den Schoor aus alter Verbundenheit mit dem Land heraus (seine Schwester wohnt dort), zu berichten wusste: „Damals galt die Hardangerfiedel als ein Instrument des Teufels.“

"Hochbeglückt da raus gegangen"

Lauschte man Ragnhild Hemsing, die eine zeitlang selbst ganz versunken in den faszinierend rauschartigen Klängen des traditionellen Instrumentes versunken schien, da mochte man ihn (zumindest für die Dauer des Konzertes) gut heißen, den Packt mit dem „Teufel“ – die norwegische Violinistin hat ihre Unterschrift prunkvoll und einzigartig darunter gesetzt! Dieser ungewöhnliche Zusammenschluss verschiedenster Instrumente, verschiedenster Charaktere, er hallte nach, verschaffte dem Bad Berleburger Literaturpflaster einen fulminanten Abschluss und bleibt gerne in Erinnerung: „Das hat einen umgehauen, man ist hochbeglückt daraus gegangen“, fand Rikarde Riedesel von der Veranstaltergemeinschaft für diesen Abend abschließend die richtigen Worte.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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