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Amtsgericht Bad Berleburg
Ein teures Päckchen aufgegeben

Wegen Beleidigung musste sich ein Angeklagter vor dem Amtsgericht Bad Berleburg verantworten.
  • Wegen Beleidigung musste sich ein Angeklagter vor dem Amtsgericht Bad Berleburg verantworten.
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  • hochgeladen von Timo Karl (Redakteur)

sabe Bad Berleburg. Unterschreiben, Paket entgegennehmen und dann die Zusendung erst öffnen. Eine mittlerweile für viele Menschen standardisierte Formel, wenn der Postbote klingelt. Am gestrigen Dienstagvormittag wurde der normierte Prozess im Zuge einer Anklage gegen einen 59-jährigen Deutschen allerdings noch einmal ganz genau beleuchtet. Der Angeklagte, der sich aufgrund eines Beleidigungsvorwurfs vor dem Bad Berleburger Amtsgericht verantworten musste, hatte im August 2019 ein Paket geordert.

Die Übergabe durch eine 21-jährige Zustellerin verlief dabei aber alles andere als reibungslos.

sabe Bad Berleburg. Unterschreiben, Paket entgegennehmen und dann die Zusendung erst öffnen. Eine mittlerweile für viele Menschen standardisierte Formel, wenn der Postbote klingelt. Am gestrigen Dienstagvormittag wurde der normierte Prozess im Zuge einer Anklage gegen einen 59-jährigen Deutschen allerdings noch einmal ganz genau beleuchtet. Der Angeklagte, der sich aufgrund eines Beleidigungsvorwurfs vor dem Bad Berleburger Amtsgericht verantworten musste, hatte im August 2019 ein Paket geordert.

Die Übergabe durch eine 21-jährige Zustellerin verlief dabei aber alles andere als reibungslos. So habe der Angeklagte vor dem Bestätigen der Annahme durch seine Unterschrift das Paket mit einem Cutter-Messer öffnen wollen, worauf dann ein Wortgefecht gefolgt sei, dass durch eine Beleidigung seitens des Angeklagten mit den Worten „Postboten sind eh alles nur Idioten“, geendet haben soll, so die Aussage der Anklage. Den diffamierenden Worten sei dabei eine wörtliche Auseinandersetzung vorangegangen, in der die Postbotin dem Angeklagten habe verständlich machen wollen, dass aufgrund ihrer Arbeitsbestimmungen das Paket nicht geöffnet werden dürfe, wenn noch keine Unterschrift erfolgt ist. „So lange ist das Paket noch Eigentum der Post“, sagte die Zeugin vor Gericht. Der Angeklagte, der zum einen die beleidigende Aussage nicht getätigt haben wollte und überdies durch eine Mail des Lieferanten – er solle vor Paketannahme prüfen, ob alles unbeschädigt angekommen sei – sein Recht dafür vorliegen sah, zeigte sich seinerseits diskreditiert. „Den besagten Satz habe ich nie gesagt, auch wenn es im Streit laut wurde.“ Er seinerseits „hatte keine Lust mehr auf diesen Zirkus.“

Die E-Mail, die er der Postbotin habe zeigen wollen, habe diese nicht sehen wollen. Aus gutem Grund, wie die 21-Jährige das Gericht wissen ließ: „Das hätte mir nichts gebracht, ich brauche solche Anweisungen schriftlich von meinem Arbeitgeber.“ Außerdem habe sie sich, aufgrund der angespannten Situation und des Cutter-Messers, „auch wenn es nicht auf mich gerichtet war“, unbehaglich gefühlt, erklärte die Frau vor Gericht.

Der Angeklagte, so formulierte er, habe die Szenerie anders wahrgenommen. „Ich war selber überrascht, drei Tage später eine Anklage in meinem Briefkasten zu finden.“ Außerdem vermutete er eine koordinierte Offensive gegen ihn: Im Jahr 2018 gab es einen ähnlich gelagerten Vorfall mit einem anderen Zusteller, den der Angeklagte als „faule Sau“ bezeichnete – dem Strafbefehl, eine Zahlung über 200 Euro, war der Bad Berleburger damals nachgekommen. Jetzt aber sah er die Schuld nicht bei sich. Er habe das Gefühl, der damalige Bote stichele nun seine Kollegen an.

Damals war nach dem Vorfall unter anderem eine Zustellungssperre seitens der Post erteilt worden – bestellt hatte der Angeklagte also das neuerliche Paket auf den Namen seiner Lebensgefährtin. Für Staatsanwältin Judith Hippenstiel zeigte sich die Sachlage, auch aufgrund der Zeugenaussage der Polizeibeamtin, die in ihrem Anzeigendienst die Aussage der Klägerin aufgenommen hatte und deren Wahrheitsgehalt stütze – „der Erzählfluss war flüssig“ – in ihrem Schlussplädoyer eindeutig: Eine Verschwörung sei aufgrund des Erstkontaktes mit dem Angeklagten seitens der Postbotin „nicht haltbar“. An der Glaubwürdigkeit der Klägerin habe sie – auch mit dem Hinweis auf eine nicht vorhandene Motivation einer Deformation durch Falschaussage – „keinerlei Zweifel“. Mit der Aussage bezüglich des Streitgesprächs, dass auch sie lauter geworden sei, habe sie sich schließlich auch in gewisser Weise von Fehlverhalten nicht ausgenommen.

Richter Torsten Hoffmann folgte der Staatsanwalschaft dahingehend und wies den Hinweis des Verteidigers und das Plädieren auf Freispruch ab. Der hatte in seinem Schlusswort bemerkt, aufgrund der Vier-Augen-Szenerie ohne Zeugen stünde Aussage gegen Aussage und es gebe somit keine eindeutigen Belege für einen Nachweis der Tat. Richter Torsten Hoffman sah das anders: „So einfach darf und kann es sich ein Gericht nicht machen.“

Die Glaubhaftigkeit der jeweiligen Aussagen zu prüfen, gehöre mit zur Aufgabe der Rechtsprechung. Hierbei folgte er den genannten Gründen der Staatsanwaltschaft, fügte allerdings noch hinzu, dass die Beschimpfung „nicht aus der untersten Schublade ausgepackt worden“ sei. Für eine Urteilsverkündung von 15 Tagessätzen a 70 Euro – 1050 Euro – reichte die Schwere allerdings aus.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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