Ein wahrer Eklektizist

Klaus Kösters (LWL), Rikarde Riedesel, Berleburgs Kulturbeauftragte, und Waldemar Kiel, stellv. Bürgermeister der Stadt, bei der Ausstellungseröffnung. Foto: ahe
  • Klaus Kösters (LWL), Rikarde Riedesel, Berleburgs Kulturbeauftragte, und Waldemar Kiel, stellv. Bürgermeister der Stadt, bei der Ausstellungseröffnung. Foto: ahe
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ahe Bad Berleburg. Im Stadtmuseum am Bad Berleburger Goetheplatz eröffnete am Mittwochabend eine Wanderausstellung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) mit Plastiken und Zeichnungen des Bildhauers Robert Ittermann. Auf zwei Ebenen zeigt das Museum einen Querschnitt seines Schaffens: Zeichnungen, Bozzetti und auch kleinformatige Skulpturen und Plastiken sowie Kopien von Arbeiten, die im öffentlichen Raum in Soest und Essen zu betrachten sind. Ittermanns Interesse galt in erster Linie dem Menschen.

In Ton, Holz und Bronze, aber auch in Gips und Stein porträtierte der Künstler Menschen zumeist aus seinem privaten Umfeld. Landschaftsdarstellungen kommen in seinem Werk nur sporadisch vor, weshalb auch nur zwei Zeichnungen diesen Zweig seines Schaffens in der Ausstellung belegen. Einige Porträtdarstellungen in Rötel, Bleistift und Tusche runden das Gezeigte ab.

Robert Ittermann wurde 1886 als Sohn eines Bäckers in Iserlohn geboren. In Iserlohn wurde er ab 1900 zum Modelleur in der Metallindustrie ausgebildet. Anschließend ging er nach München und studierte zunächst bei dem Kunstgewerbler Hermann Obrist, der zusammen mit August Endell sicher der wichtigste Wegbereiter für den Münchner Jugendstil war und zudem das Schaffen der späteren Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ maßgeblich mit beeinflusste. Ittermann blieb bis 1905 und wechselte dann nach Düsseldorf, um bei dem Architekten und Industriedesigner Peter Behrens, der 1907 den „Deutschen Werkbund“ mitbegründete, in Düsseldorf seine Ausbildung fortzusetzen. Seine Meisterschülerzeit beendete er schließlich an der Karlsruher Kunstakademie. Seine umfangreiche Ausbildung bei wichtigen Repräsentanten der Klassischen Moderne bezeugt ihm auch posthum eine solide Ausbildung, die sich in seinem Werk deutlich widerspiegelt.

Bis zum Ende der 20er Jahre blieb er als Auftragskünstler in Karlsruhe. In dieser Zeit fertigte er Kriegerdenkmäler, die eher „unheldenhaft“ ausfielen. 1928 richtete er sich dann wieder in Düsseldorf ein. Von dort musste er in den Wirren des Zweiten Weltkriegs 1943 fliehen. Er fand Unterschlupf in Wamel am Möhnesee in der Druckerei der Kätelhöns, die auch für Künstler wie Marc Chagall fertigten. In Wamel formte sich mit der Zeit eine kleine Künstlergruppe um die Kätelhöns; neben Ittermann zählten auch der Fotograf Albert Renger-Patzsch und der Maler Hermann Prüßmann dazu. Das mag ein Grund gewesen sein, weshalb Ittermann in der Umgebung von Wamel bis zu seinem Tod im Jahre 1970 blieb.

Die Stadt Soest verwaltet den Nachlass des Künstlers. Zusammen mit dem LWL- Landesmuseum und der Arbeit der Kunsthistorikerin Stefanie Riboni wird das Werk Ittermanns nach längerer Bearbeitung nun der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Die einführenden Worte zur Eröffnung sprach Klaus Kösters vom LWL-Museumsamt im Münster. Kösters charakterisierte Ittermann als einen Menschen, der in seinem Leben nichts riskiert habe. Er vermisse Brüche in seinem Werk oder Ansätze einer Reflexion der mannigfachen Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts.Robert Ittermanns Plastiken sind in der Tat geschult an den Strömungen des Impressionismus und des Fin de siècle. Expressionistische Anleihen gleich welcher Prägung sind bei ihm nicht zu entdecken. Und doch hat er sich offensichtlich mit den Großen wie Rodin und Maillol, Kollwitz und Lehmbruck auseinandergesetzt, ist aber einer klassischen Formensprache in seinen Plastiken, Porträtbüsten und Plaketten lokaler und privater Schönheiten sowie prominenter Auftraggeber verbunden geblieben. Wenn überhaupt, dann ist Ittermann ein wahrer Eklektizist, der die Erhabenheit des Guten und Schönen hochhielt, sie aber doch auf seiner Weise durchaus weiterführte.Vielleicht hatte sich der Künstler, der von den Nazis nicht als „entartet“ abgestempelt wurde und folglich unauffällig blieb oder bleiben wollte, in einer alles andere als fröhlichen Zeit mehr dem inneren Ausdruck verschrieben. Das jedenfalls würde für seine sensiblen Beobachtungen sprechen, die im feinen Mimikspiel seiner Porträts zum Tragen kommt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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