Speisepilze auf Baumstämmen anbauen
Eine eigene Zucht im Garten

Marc-Robin Lückert setzt bei der Speisepilzzucht auf die Schnittimpfmethode. Hier wird der Stamm mit der Motorsäge auf der ganzen Länge zwei- bis dreimal von unten oder oben angesägt. In die Sägeschlitze wird dann die Pilzbrut gestopft.
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  • Marc-Robin Lückert setzt bei der Speisepilzzucht auf die Schnittimpfmethode. Hier wird der Stamm mit der Motorsäge auf der ganzen Länge zwei- bis dreimal von unten oder oben angesägt. In die Sägeschlitze wird dann die Pilzbrut gestopft.
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ako Dotzlar. Pilze wachsen normalerweise auf Wiesen oder im Wald und dienen als Nahrung für Schnecken, hungrige Würmer und Tiere. Aber auch uns Menschen schmecken sie gut. Wer gerne Pilze isst, kann diese ganz leicht zu Hause anbauen. Wie das geht, weiß Marc-Robin Lückert. Der studierte Biologe und Agrar-Ingenieur für ökologische Landwirtschaft legt sich gegenwärtig mit beimpftem Holz eine eigene Pilzzucht im Garten an.

Klassiker wachsen auch im Wittgensteiner Garten

„Es gibt verschiedene Pilze bei denen das funktioniert“, erklärt der gebürtige Bad Berleburger im Gespräch mit der Siegener Zeitung. Zu den Klassikern, die sich auch problemlos in Wittgensteiner Gärten anbauen lassen, gehören zum Beispiel der Austernseitling, der japanische Shiitake-Pilz oder der Limonenseitling: „Ich habe mich erst mal auf diese Pilzarten spezialisiert. Die sind am gängigsten und auch für Anfänger geeignet“, weiß der 34-Jährige.

Um die Pilze zu züchten, braucht er zuallererst eine sogenannte Pilzbrut. Vereinfacht erklärt, handelt es sich hierbei um eine Pilzsaat, die zum Anbau benötigt wird – und auch selbst hergestellt werden kann. „Ein sehr aufwendiges Verfahren“, betont Marc-Robin Lückert, der den Großteil seiner Pilzbrut aus zeitlichen Gründen im Internet bestellt. Der Biologe hat sich darüber hinaus aber auch bereits seine eigene Brut auf Holzdübeln angelegt, die sogenannte Dübelbrut.

Verschiedene Methoden zur Beimpfung der Hölzer

Grundlage der Pilzbrut ist immer ein darin eingepflanztes Myzel – das Geflecht der Zellen des Pilzes, aus dem später die Fruchtkörper wachsen, die von uns „Pilze“ genannt werden. Damit das auch geschehen kann, muss die Pilzbrut zuerst auf einem geeigneten Nährboden verteilt werden. Der 34-Jährige verwendet dafür Holz: „Man spricht deshalb von der Beimpfung der Hölzer.“ Wichtig für die erfolgreiche Zucht ist, möglichst frisch geschlagenes Laubholz wie Buche, Birke, Weide oder Eiche zu verwenden: „Das Holz darf nicht älter als zwei bis drei Monate sein“, erklärt Marc-Robin Lückert.

Der Stamm wird mittels Ketten- oder Handsäge wechselseitig in vorher festgelegten Abständen eingeschnitten. Die Pilzbrut wird dann in die Sägeschlitze gestopft. Beim „Beimpfen“ muss alles „steril“ sein, weshalb Marc-Robin Lückert meist Einweghandschuhe verwendet. Anschließend werden die beimpften Stellen mit Klebeband „luftdicht“ verschlossen. „Das ist die Schnittimpfmethode“, so der Biologe, der an dieser Stelle auch auf andere Methoden wie die „Scheibenimpfmethode“ oder die „Dübelimpfung“ verweist.

Frische Speisepilze im Garten ernten statt diese im Supermarkt zu kaufen – der Anbau auf Baumstämmen macht’s möglich.
  • Frische Speisepilze im Garten ernten statt diese im Supermarkt zu kaufen – der Anbau auf Baumstämmen macht’s möglich.
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Die beimpften Holzstämme lagert Marc-Robin Lückert in seinem Garten in Dotzlar – abgedeckt an einem möglichst feuchten Ort. Während der kompletten Kulturdauer dürfen die Hölzer nicht austrocknen und müssen stets feucht gehalten werden. Die Wachstumszeit ist von äußeren Faktoren abhängig und je nach Pilzart verschieden. „Normalerweise fängt man im April oder Mai an und hat schon im Herbst die ersten Erträge“, betont der 34-Jährige. Als Faustformel gilt dabei: Auf 10 Kilogramm Holz kommen 1 bis 1,5 Kilogramm Pilz.

Nicht jeder Pilz ist für die Holzzucht geeignet

Die wohl bekannteste Art, der Champignon, ist für die Holzzucht eher ungeeignet: „Die einen nennen sich im Fachjargon holzbürtig. Dass sind die Pilzarten, die wir auf Holz anbauen. Champignons, Steinpilze und auch die meisten Waldpilze, die man so kennt, nennt man bodenbürtige Pilze – die brauchen dann gewisse Mineralien, die sie nur im Boden finden können“, erklärt Marc-Robin Lückert.

Wem das Beimpfen von Hölzern ein zu großer Aufwand ist, der kann bei Marc-Robin Lückert bereits beimpfte Stämme käuflich erwerben – der Biologe beimpft das Holz gemeinsam mit seiner Freundin Jessica Durstewitz und seinem Freund Steffen Born. Die Holzstämme müssen dann nur noch im Garten eingegraben werden: bodennah, an einer schattigen und feuchten Stelle. „Dann kann der Spaß beginnen“, sagt Marc-Robin Lückert, der für die Speisepilzzucht viele Tipps parat hat. Mehr Informationen gibt es im Internet auf https://wald.farm/.

Marc-Robin Lückert setzt bei der Speisepilzzucht auf die Schnittimpfmethode. Hier wird der Stamm mit der Motorsäge auf der ganzen Länge zwei- bis dreimal von unten oder oben angesägt. In die Sägeschlitze wird dann die Pilzbrut gestopft.
Frische Speisepilze im Garten ernten statt diese im Supermarkt zu kaufen – der Anbau auf Baumstämmen macht’s möglich.
Autor:

Alexander Kollek

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