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Gegen die Abschiebung
Eine ganze Schule kämpft für Viktorya

Eine ganze Schule zeigt ihre Solidarität für die Familie Muradyan: Lehrer und Mitschüler wollen die drohende Abschiebung nicht akzeptieren.
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  • Eine ganze Schule zeigt ihre Solidarität für die Familie Muradyan: Lehrer und Mitschüler wollen die drohende Abschiebung nicht akzeptieren.
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vö Bad Berleburg. Die drohende Abschiebung der vierköpfigen Familie von Robert Muradyan lässt in Bad Berleburg niemanden kalt. Ursprünglich sollte der 43-jährige Armenier, der seit einem Jahr Mitarbeiter des Hotels "Alte Schule" ist, gemeinsam mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Töchtern (5 und 14 Jahre alt) am Donnerstag in sein Heimatland abgeschoben werden. Doch eine Corona-Infektion des Familienvaters hat zumindest aufschiebende Wirkung (die Siegener Zeitung berichtete).

Während sich in den vergangenen Tagen bereits mehrere Politiker für den Verbleib der Familie in Deutschland stark machten und die Kreisverwaltung für die Art und Weise der Inhaftierung scharf kritisierten, ist die Solidarität für die Muradyans auch aus der Bevölkerung enorm.

Bad Berleburg. Die drohende Abschiebung der vierköpfigen Familie von Robert Muradyan lässt in Bad Berleburg niemanden kalt. Ursprünglich sollte der 43-jährige Armenier, der seit einem Jahr Mitarbeiter des Hotels "Alte Schule" ist, gemeinsam mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Töchtern (5 und 14 Jahre alt) am Donnerstag in sein Heimatland abgeschoben werden. Doch eine Corona-Infektion des Familienvaters hat zumindest aufschiebende Wirkung (die Siegener Zeitung berichtete).

Während sich in den vergangenen Tagen bereits mehrere Politiker für den Verbleib der Familie in Deutschland stark machten und die Kreisverwaltung für die Art und Weise der Inhaftierung scharf kritisierten, ist die Solidarität für die Muradyans auch aus der Bevölkerung enorm. In einem der SZ vorliegenden Brief des Lehrerkollegiums der Städtischen Realschule Bad Berleburg an Landrat Andreas Müller appellieren die Unterzeichner an die Behörde, die Entscheidung noch einmal zu prüfen und zu überdenken. Die Realschule ist die schulische Heimat der 14-jährigen Viktorya, der älteren Tochter der Familie. 

Die 14-Jährige Viktorya möchte in Bad Berleburg ihren Realschulabschluss machen.
  • Die 14-Jährige Viktorya möchte in Bad Berleburg ihren Realschulabschluss machen.
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"Im Laufe der letzten beiden Jahre ist deutlich zu erkennen, dass für Viktorya und ihre Familie ein neuer Lebensmittelpunkt entstanden ist. Bad Berleburg ist für diese Familie zur neuen Heimat geworden. Davon zeugen das schulische Engagement, die intakten sozialen Bezüge, ein aktives Einbringen in den Alltag und die nachweislich gelungene Integration Viktoryas und ihrer Familie in das Umfeld. Eine Abschiebung würde diese insgesamt sehr gelungene und für alle Beteiligten auch wünschenswerte Integration abrupt zunichte machen und Viktoryas weitere persönliche Entwicklung schädigen", heißt es in dem Schreiben an den Kreishaus-Chef. Und weiter: "Aufgrund dieser Sachlage ist das momentane Vorhaben des Kreises Siegen-Wittgenstein für uns nicht nachvollziehbar. Somit bitten wir Sie herzlich und dringend, von einer Abschiebung der Familie abzusehen."

Abschiebung um 2 Uhr nachts?

Viktorya sei in ihrer Klasse Teil des Lebens und Lernens geworden, bilde mit weiteren fünf Mädchen ein Team, das den Einsatz von selbstfinanzierten iPads verschiedenster Generationen im täglichen Einsatz erprobe – und das sehr erfolgreich. Sie sei mittlerweile in der Lage, geordnet und übersichtlich ihre digitalen Notizbücher zu führen und Unterrichtsnotizen eigenständig anzufertigen. Auch die Erstellung von Präsentationen in Kleingruppenarbeit mit dem digitalen Medium sei der 14-Jährigen in bemerkenswerter Weise gelungen. In ihrer Gruppe sei sie fester Bestandteil des Teams und habe auch im Vortrag frei vor der Klasse ihren Beitrag mehr als zufriedenstellend geleistet.

Licina-Bode: Ermessensspielraum nutzen Angesichts der erneuten Verhaftung eines Flüchtlings zur Durchsetzung der Abschiebung durch die Ausländerbehörde des Kreises Siegen-Wittgenstein spricht sich die heimische  SPD-Bundestagsabgeordnete Luiza Licina-Bode dafür aus, dass Ausländerbehörde und NRW-Innenministerium von der Vorgriffsregelung Gebrauch machen. Damit könnten die Abschiebungen von integrierten Flüchtlingen aufgeschoben werden, bis der Bund die von der Ampel-Koalition bereits angekündigten Änderungen beim Bleiberecht in geltendes Recht umgesetzt habe. „Hier haben die Ausländerbehörden einen Ermessensspielraum“, so Licina-Bode.

"Auch an den corona-bedingt wenigen Klassenaktivitäten hat sie sich immer mit Offenheit und großer Begeisterung beteiligt. Viktorya identifiziert sich mit ihrer Klasse und der Schule in hohem Maß. Dies lässt sich an der bereits beschriebenen Motivation, ihrer deutlichen Leistungssteigerung und ihrer Freude im und am Schulalltag erkennen. Mit Viktorya würde die Klassengemeinschaft einen wichtigen Teil ihres Ganzen verlieren." 

Auch Viktorya meldet sich zu Wort

Viktorya meldet sich auch selbst in einem offenen Brief zu Wort: "Ich bin 14 Jahre alt und wohne in Bad Berleburg. Ich komme aus Armenien. Ich kann Russisch, Englisch, Deutsch, Spanisch. Ukrainisch verstehe ich. Armenisch spreche ich, aber diese Sprache spreche ich hier kaum. Ich habe eine kleine Schwester, sie heißt Arpi, mit der ich gerne spiele. Sie geht hier in die Kita und freut sich jeden Tag, wenn sie dort hingehen kann." Ihr persönliches Ziel sei, so die 14-Jährige, der Realschulabschluss. In ihrer Freizeit spiele sie gerne Fußball, Gitarre und treffe sich mit Freundinnen. "Wir wohnen in Bad Berleburg und sind total gerne in dieser Stadt, die unsere Heimat geworden ist. Ich möchte soooo gerne hier bleiben." Und weiter: "Ich habe viele Freunde, sie sind nett zu mir. Ich will Deutschland nicht verlassen, ich will mit meinen Freunden die Zeit genießen. Sie wollen, dass ich hier in Deutschland bleibe."

Eine ganze Schule zeigt ihre Solidarität für die Familie Muradyan: Lehrer und Mitschüler wollen die drohende Abschiebung nicht akzeptieren.
Die 14-Jährige Viktorya möchte in Bad Berleburg ihren Realschulabschluss machen.
Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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