»Eine leicht verdauliche Klassik«

450 Besucher im ausverkauften Berleburger Bürgerhaus feierten Philharmonie Südwestfalen

wette Bad Berleburg. Wenn einem Menschen knapp 50 andere Personen ein »Prosit Neujahr« wünschen, ihm währenddessen noch ein Strauß musikalischer Grüße überreicht wird und ihm dann eine Liebeserklärung durch wohl klingende Melodien widerfährt, dann gibt es dafür eigentlich nur zwei wirklich plausible Möglichkeiten. Entweder er erfreut sich eines ziemlich großen Bekanntenkreises oder aber er befindet sich im traditionellen Neujahrskonzert der Kulturgemeinde Bad Berleburg. Denn die lud am Freitag zum 13. Mal in das örtliche Bürgerhaus ein, um dort im ausverkauften Saal die 450 Zuhörer mit Hilfe der Philharmonie Südwestfalen im noch jungen Jahr willkommen zu heißen.

Ein mehr als gelungenes Unterfangen, wechselte die letzte Eintrittskarte ihren Besitzer doch schon Tage vor der Veranstaltung. Ihn wundere diese erfreuliche Resonanz keineswegs, so Christoph Haupt von der Kulturgemeinde. Schließlich erweise sich das Neujahrskonzert schon seit Jahren durch ein voll besetztes Bürgerhaus als Publikumsmagnet in Bad Berleburg. »Durch diese Veranstaltung wollen wir eben unterhalten und keine Musikpädagogik betreiben«, erläuterte Christoph Haupt das offensichtliche Erfolgsrezept. Und gut unterhalten wurden die 450 Zuhörer während der zweistündigen Darbietung in der Tat. Wartete das Orchester doch mit fantastischen Beiträgen auf, die Christoph Haupt schon im Vorfeld als »eine leicht verdauliche Klassik« einstufte.

Ob nun Ludwig van Beethovens Romanze für Violine und Orchester, einem unheimlich melodischen Werk, die Schauspielmusik zu Shakespeares Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn-Bartholdy, dem eher schnellen Ungarischen Tanz von Johannes Brahms, der fast schon zum mittanzen einlud, oder aber die schnelle Polka von Johann Strauss – nicht nur während der vorgetragenen Werke erntete das Orchester anerkennenden Beifall. Auch die Leistung der 1979 in Rumänien geborenen Alina-Luciana Tambrea erstaunte. Nach einem Blick in das Programmheft und der dort abgelichteten Auflistung ihres bisherigen musikalischen Werdeganges allerdings verblüffte es wohl noch mehr, wie eine so junge Musikerin schon jetzt dermaßen mit der Musik verschmelzen kann.

Faszinierend an ihren Auftritten war neben dem perfekten Violinspiel auch eine ganz andere Sache, die Orchesterdiregent Georg Fritzsch bei einer seiner zahlreichen Ankündigungen und wissenswerten Erklärungen den Zuhörern verriet. Seit vergangenem Jahr spielt die Rumänin eine Violine von Gaetano Guadagnini, die sie von der NRW-Stiftung »Kunst und Kultur« erhielt. »Diese Violine stammt aus dem selben Jahr wie die Romanze für Violine und Orchester von Ludwig van Beethoven, also 1798«, so der Dirigent, der leider seinen letzten Auftritt in Bad Berleburg absolvierte. Wie Christoph Haupt etwas wehmütig verriet, wird Georg Fritzsch künftig am Kieler Opernhaus dirigieren. Das Orchester, das seit vergangenem Jahr nicht mehr im Verbund mit den Hagener Musikern auftritt (die Siegener Zeitung berichtete) und nun, wie Christoph Haupt betont, »wieder nur unser Orchester für den Kreis Siegen-Wittgenstein ist«, wird allerdings in einigen Monaten anlässlich des Frühjahrkonzertes wieder zu sehen sein. Und auch dann dürfte es wieder in der für Bad Berleburg größtmöglichen Besetzung aufspielen.

Denn Christoph Haupt berichtete abschließend, dass die Kulturgemeinde der Bühne noch einen weiteren Vorbau verpasst habe, so dass die Musiker zwar nicht in ihrer vollen Stärke von rund 60 Instrumentalisten, aber immerhin mit 45 Musikern Klassik zum Besten geben konnten.

Alles in allem war es also ein Konzert, dass nicht nur die Kulturgemeinde zu Jahresbeginn fröhlich stimmte. Und wenn auch noch die Belichtung des Publikumsaales ausgeschaltet worden wäre, darauf machten einige Zuhörer aufmerksam, dann wäre die Angelegenheit wohl perfekt gewesen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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