Eine »Spur der Zerstörung« gezogen

Vier Wochen Jugendarrest für Teenager / 20000 E Schaden im Oberen Lahntal angerichtet

JG Bad Berleburg. In seiner Urteilsbegründung gestern sprach der Berleburger Jugendrichter Kurt Grauel von »einer Spur der Zerstörung«. Für diese hatten sich zwei junge Wittgensteiner zu verantworten. Gezogen worden war die Spur in der Nacht zu Fronleichnam im Oberen Lahntal. In Zahlen ließ sich das Geschehen folgendermaßen zusammenfassen: 13Sachbeschädigungen, davon vier in Tateinheit mit einem Diebstahl, und fünf weitere Diebstähle, der Schaden wurde auf 20000 e beziffert. Gemeinsam mit einem Dritten waren beide zunächst auf einer Party, der Dritte und vermutliche Rädelsführer wird demnächst bei einem Verfahren in Hessen vor Gericht stehen.

Bei der Party hatte das Trio folgendes zu sich genommen: eine Flasche Sekt, ein oder zwei Six-Packs Bier, zwei große Flaschen Jägermeister und eine Flasche Batida de Coco. So erinnerten sich jedenfalls die schmächtigen Angeklagten. »Und das habt ihr alles bei euch behalten?«, wunderte sich der Richter, insbesondere in Bezug auf den Likör. Noch mehr wunderte sich Kurt Grauel darüber, dass die Angeklagten dann überhaupt zu den vorgeworfenen Taten fähig gewesen waren.

Denn bei aller angemessenen Empörung bewies ihm ein Blick auf die Fotos der angerichteten Zerstörung: »Das ist richtig Arbeit gewesen.« Nicht das Klauen von Deko-Schafen, Gartenzwergen, Pilzmännchen und einem Fahrrad, was den Angeklagten auch vorgeworfen wurde, sondern das wüste Demolieren von Fahrzeugen, egal ob Lkw, Pkw oder Anhänger: Planen zerrissen, Wischer abgeknickt, Fensterscheiben eingeworfen, Tachometer demontiert, darüber hinaus ein Radio und ein Handy mitgenommen.

Und bis auf eine Sachbeschädigung räumten beide Angeklagten auch unumwunden alle Taten ein. Verstehen konnten sie ihr eigenes Handeln aber nicht mehr. Der Rädelsführer, der sich wohl auch das Handy unter den Nagel gerissen und noch in der Nacht zwei Stunden lang fröhlich 0190-Nummern angerufen hatte, habe damit angefangen, Verkehrsschilder abzubrechen, an Autos zu hantieren: »Und dann haben wir alles mitgemacht. Weshalb ist schlecht zu erklären. Wir haben uns gegenseitig mitgerissen.« Und gegen den eigentlichen Anstifter hätten sie sich auch nicht durchsetzen können: »Der ist verrückt.« Aber ihnen war klar: »Rausreden kann man sich damit nicht.«

Der Ältere war bei der Tat 19 Jahre alt. Christina Schmitt von der Jugendgerichtshilfe berichtete, dass er auch wegen Drogen seine Lehre geschmissen hatte, und nach einer Episode des vermehrten BTM-Konsums Ende des vergangenen Jahres wieder in sein Elternhaus gezogen war. Dort habe er begonnen, allein gegen die Sucht anzugehen. Inzwischen macht er seinen Zivildienst. Der Jüngere war bei der Tat knapp 18. Nach einem turbulenten Jahr, das mit einer Verurteilung im Januar wegen Diebstahls, diverser Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und Fahrens ohne Führerschein begann, macht er derzeit einen einjährigen Berufseinstufungs-Lehrgang. Zwei Wochenenden Freizeitjugendarrest waren damals die Strafe. Die beeindruckten den jungen Mann zwar sehr, wurden für die gestern angeklagten Taten vom Mai zu spät umgesetzt: Nach dem Urteil im Januar kam es erst im September zum Vollzug.

Bei beiden Angeklagten kam Jugendstrafrecht zur Anwendung und beide müssen nun einen vierwöchigen Jugendarrest verbüßen. Kurt Grauel entsprach damit dem Antrag von Amtsanwältin Judith Hippenstiel, auch die beiden Verteidiger Albrecht Beitzel und Richard Treude gingen davon aus, dass man um den Jugendarrest nicht herumkam. In diesem Bereich der Bestrafung ist das das Höchstmaß, ins polizeiliche Führungszeugnis wird der Eintrag aber nicht kommen. Antreten werden die Wittgensteiner ihre Strafe in der Jugendarrestanstalt in Remscheid. Wann – das ist nun wohl die große Frage. Christina Schmitt sprach bei männlichen Jugendlichen von Dreivierteljahres-Wartezeiten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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