Eine Unfallflucht mit weitreichenden Folgen

jg Bad Berleburg. Eine Unfallflucht bei einem Fremdschaden von über 1200 oder 1300 Euro - dann ist der Lappen weg. „Daran geht kein Weg vorbei“, er könne auch in diesem Fall keine Ausnahme machen, erläuterte Richter Torsten Hoffmann gestern Morgen in seinem Urteil. Ein 50-jähriger Berleburger sollte sich dafür verantworten, dass er Ende Februar einen Unfall mit einem Fremdschaden von knapp 1500 Euro verursachte und sich dann vom Acker machte. Das Ergebnis: eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 30 Euro, eine Geldbuße von 35 Euro wegen der Ordnungswidrigkeit und sechs Monate der Führerschein weg.

Vorgeworfen wurde dem Mann, dass er im Februar mit einem sperrigen Transporter - den er sich für seinen Umzug geliehen hatte - in einem Wendehammer drehen wollte und dabei ein Auto touchierte. An dem entstand der genannte Schaden, um den sich der Berleburger nicht gekümmert hatte. Seine Erklärung gestern: Weder hätten die Sensoren angezeigt, dass er gegen etwas gefahren sei, noch habe er das Geräusch eines Zusammenstoßes gehört. Er habe lediglich ein Ruckeln wahrgenommen und gedacht, er sei gegen einen Schneehaufen gefahren oder über einen Bordstein. Und als man ihn gefunden habe, habe er ja auch nichts abgestritten. Überhaupt sei er im Straßenverkehr noch nicht sonderlich aufgefallen, obwohl er Taxi gefahren sei seit seinem 23. Lebensjahr. Seine Ehefrau sagte gestern als Zeugin, sie habe zwar ein Geräusch gehört, aber auch gedacht, dass wohl ein Schneehaufen im Weg gestanden habe.

Dass man den Unfallfahrer schnell nach der Tat gefunden hatte, war einer Nachbarin vom Unfallort zu danken. Die hatte in der Küche beim Fenster gestanden, einen Knall gehört und als sie direkt danach zum Fenster herausschaute noch gesehen, wie das touchierte Auto wackelte.

Der Angeklagte war kein unbeschriebenes Blatt. Denn auch wenn sich in seinem Verkehrszentralregister keine Einträge fanden, so steht der 50-jährige Berleburger doch unter Bewährung. Wegen eines gemeinschaftlichen Betruges. Seine Bewährungshelferin Conny Pohl berichtete von einem sehr zuverlässigen Klienten. Sie umriss auch seine schwierige finanzielle Situation mit ganz vielen Schulden. Seine Privatinsolvenz sei auf dem Weg und nach langer Zeit und großen Anstrengungen habe er jetzt wieder eine Arbeit in Wallau gefunden. Hierfür sei er dringend auf den Führerschein angewiesen.

Das wollte auch Judith Hippenstiel von der Staatsanwaltschaft anerkennen, dennoch führe kein Weg am Führerschein-Entzug vorbei. Neun Monate sollte der Mann nach ihrer Ansicht auf die Lizenz verzichten, Außerdem unterstrich sie, wie knapp der Bewährungsversager für sie an einer weiteren Freiheitsstrafe vorbeigeschrammt sei. Sie plädierte für eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 30 Euro. Verteidigerin Dunja Veller sah die Grenzen der juristischen Spielräume und forderte für ihren Mandanten lediglich eine angemessene Strafe. Der Angeklagte, dem als Laien die Zwänge der Rechtsprechung nicht so klar waren, stellte im Angesicht des zu erwartenden Führerschein-Verlustes klar, er komme ohne Führerschein nicht morgens um Fünf aus Bad Berleburg nach Wallau, dann sei es vorbei mit der Stelle: „Wenn ich diese Arbeit verliere, kriege ich nie wieder eine neue.“ Dann liege er eben wieder dem Staat auf der Tasche.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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