»Eine verabscheuungswürdige Tat«

Grableuchten am Berleburger Friedhof gestohlen / Angeklagte gestern verurteilt

Bad Berleburg. Staatsanwalt Wolfgang Nau sprach von einer »verabscheuungswürdigen Tat«, Richter Torsten Hoffmann hatte überhaupt kein Verständnis dafür, »wie man überhaupt auf diese Idee kommen kann«. Gemeinschaftlicher Diebstahl stand gestern Mittag im Bad Berleburger Amtsgericht zur Verhandlung an. Dabei ging es allerdings weniger um die Höhe des entstandenen Schadens, sondern vielmehr um die Gegenstände, die gestohlen wurden.

Auf der Anklagebank nahmen vier Bad Berleburger im Alter von 24, 20 und 18 Jahren Platz. Ihnen warf Staatsanwalt Wolfgang Nau vor, im Frühjahr vergangenen Jahres sechs Grableuchten vom Bad Berleburger Friedhof am Sengelsberg entwendet zu haben. Mit von der Partie – offenbar als Anstifter – ein 24-jähriger Bad Berleburger, der in dem viel beachteten Benzin-Prozess unlängst wegen schwerer Körperverletzung zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war (die Siegener Zeitung berichtete).

Der 24-Jährige wurde in Handschellen in den Gerichtsaal geführt und war auch der einzige, der sich an den Diebstahl erinnern konnte – oder wollte. Ein 24-jähriger angeklagter Lagerarbeiter: »Ich habe keine Grableuchte mitgenommen. Ich kann mich insgesamt an den Tag irgendwie schlecht erinnern.« Es sei irgendwie eine schwachsinnige Idee gewesen. Der 18-Jährige wollte an besagtem Tag überhaupt nicht in der Stadt gewesen sein, einer der 20-Jährigen gab an, dass er nur auf dem Friedhof gewesen sei, um frische Luft zu schnappen. Richter Torsten Hoffmann: »Der Friedhof als Naherholungsgebiet, eine tolle Idee.«

Um dem noch einen drauf zu setzen, wartete der zweite 20-Jährige, ein Fensterbauer, mit einer sehr abenteuerlichen Geschichte auf. Die beiden Grableuchten, die die Polizei bei ihm gefunden habe, seien sein Eigentumn gewesen. Die habe er in seiner früheren Heimat, den neuen Bundesländern, gebraucht erworben. Dazu der Staatsanwalt: »Sie erzählen uns hier einen vom Pferd.« Pech für den Angeklagten, dass eine Zeugin, die den Diebstahl der Leuchte vom Grab ihres verstorbenen Sohnes bei der Polizei angezeigt hatte, ihr Eigentum sofort wiedererkannte.

Bei der Aussage der 67-jährigen Berleburgerin wurde deutlich, dass diese Art des Diebstahls kein Kavaliersdelikt war. »Ich war mit den Nerven fertig, ich habe manche Träne wegen dieser Sache vergossen«, so die Zeugin. Daher war es nicht verwunderlich, dass der Staatsanwalt von einer »üblen Geschichte« sprach, schließlich sei das Pietätsgefühl der betroffenen Familien erheblich verletzt worden. Wolfgang Nau beantragte allerdings für den 18-Jährigen und einen 20-Jährigen die Einstellung des Verfahrens: Beide haben wegen vorangegangener Delikte noch Strafen vor sich, der Jüngere einen Wochenendarrest, der Ältere gemeinnützige Arbeit.

Für den 24-Jährigen auf der Anklagebank forderte Wolfgang Nau eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 20 e, für den verbliebenen 20-Jährigen zwei Arreste. Dem schloss sich Richter Torsten Hoffmann in seinem Urteil an und fügte unmissverständlich an, »dass wir die Strafe eigentlich noch im unteren Bereich angesetzt haben«. Die Arreste für den 20-Jährigen seien »zwingend erforderlich, aber letztlich ausreichend«. Positiv dürfte sich für den Fensterbauer die gute Beurteilung durch die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe ausgewirkt haben.

Kleine Beobachtung am Rande: Während den vier Angeklagten während der Verhandlung die Tragweite ihres Tuns offenbar bewusst wurde, kamen die mahnenden Worte von Richter und Staatsanwalt bei einigen »qualifizierten« Herrschaften im Zuschauerraum nicht an. Wie sonst wäre folgende abschließende Bemerkung eines hinlänglich bekannten Beobachters zu erklären: »Barbara Salesch ist für heute zu Ende.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen