Einfach mal spazieren schauen

Rikarde Riedesel und Uwe Paduck verloren sich vorgestern in der Tiefe des Raums des irischen Connemara. Foto: jg
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jg Bad Berleburg. „Hat diese Ausstellung überhaupt eine Einführung nötig?“, fragte vorgestern Abend bei einer Vernissage Berleburgs Kustodin Rikarde Riedesel im Museum der Stadt am Goetheplatz rhetorisch. Lebenswichtig war die Einführung vielleicht nicht, aber das was Rikarde Riedesel über die Landschaftsbilder von Uwe Paduck sagte, das war so richtig und treffend, dass sich der Künstler nach der Einführung freudestrahlend bei ihr bedankte.

Zuvor hatte Rikarde Riedesel die zahlreiche Zuhörerschaft mit auf einen Spaziergang durch einige der gut 50 Bilder der Ausstellung genommen. Sie hatte das große Blau manches Bildes erläutert: „Für Uwe Paduck gehört der Himmel zur Landschaft, nur so ist Landschaft als Ganzes zu sehen.“ Sie konnte erklären, weshalb Pflanzen die einzigen Lebewesen in allen Bildern sind: „Menschen und Tiere lenken zu sehr von der Landschaft ab, sagt Uwe Paduck.“ Wobei Zivilisation dennoch vorkommt: „Die Landschaften sind keine Idyllen, es sind Kulturlandschaften, und der Mensch hat seine Spuren darin hinterlassen. Unberührte Natur gibt es nicht mehr.“

Dabei orientieren sich die Aquarell- oder Öl-Gemälde an real existierenden Landschaften. Uwe Paduck fotografiert diese zunächst einmal. Das seien keine guten Fotos, gibt er offen zu, wobei er die Kunstform „Fotografie“ ohnehin kritisch sieht – dabei war doch seine Ehefrau Christiane Gehner Bildredakteurin beim „Spiegel“. Über die Frau mit Schwarzenauer Wurzeln kam auch die Ausstellung in Bad Berleburg zustande. Aber zurück zu Uwe Paducks Hilfstechnik „Fotografie“. Erst wenn er diese Bilder als Aquarell oder in Öl male, verleihe er den Landschaften ihre Würde. Mit den kleineren Aquarellen testet er zunächst, ob das Motiv auch für die deutlich größeren Ölgemälde trägt. Beides ist in Bad Berleburg zu sehen, beides zeichnet sich durch eine akribische und feine Komposition aus. Wo als Gruß aus der Zivilisation schon mal Satellitenschüsseln, Straßenlampen oder fein säuberlich gestapelte Holzstämme pittoresk herumhängen, -stehen oder -liegen. Ach ja, die Baumstämme sind übrigens wirklich Wittgensteiner, ansonsten führt die Ausstellung oft in die norddeutsche Heimat des Malers oder nach Irland, aber auch nach Venedig. Denn selbst Palazzi können eine Landschaft formen. Schön an den Werken ist auch, dass Uwe Paduck immer wieder längst verblichene, große Künstler zitiert und interpretiert: mal Caspar David Friedrich, mal William Turner.

An den Wittgensteiner Baumstämmen konnte Rikarde Riedesel noch einen wichtigen Punkt deutlich machen. Viele Besucher hätten bestimmt einen Ort im Kopf, wo dieses Bild nach ihrer Meinung gemalt worden sei. Allerdings seien das wahrscheinlich ganz unterschiedliche Stellen: Auch hier finde man die Allgemeingültigkeit der Paduck’schen Landschaften.

Wer sich sein eigenes Bild machen möchte, ist willkommen. Man sollte genug Zeit mitbringen, denn jedes Bild lädt zum zeitintensiven Spazieren-Schauen ein. Allerdings warnte Rikarde Riedesel auch vor Nebenwirkungen der Ausstellung: „Die Landschaften haben Sogwirkung, man beginnt, sich in ihnen zu verlieren.“

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