Bescheidene Bilanz im Sportgeschäft
Einkauf vor Ort ein logistischer Aufwand

Carsten Hennig, Inhaber vom Bad Berleburger Fachgeschäft für Lauf- und Triathlonsport „Rothaar Aktiv“, stellt eine Lieferung abholbereit vor die Ladentür.
  • Carsten Hennig, Inhaber vom Bad Berleburger Fachgeschäft für Lauf- und Triathlonsport „Rothaar Aktiv“, stellt eine Lieferung abholbereit vor die Ladentür.
  • Foto: stef
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

stef Bad Berleburg. Seit Ende vergangenen Jahres, genauer gesagt seit dem 16. Dezember 2020, steht Deutschland unter dem Bann des zweiten harten Lockdowns. Folglich sind auch die Geschäfte in Wittgenstein schon seit mehreren Wochen geschlossen. Die Siegener Zeitung wollte deshalb wissen, wie es dem Einzelhandel, der keine Waren des täglichen Bedarfs anbietet, in dieser Zeit ergeht – und hat deshalb im Rahmen einer kleinen Serie mit einigen Geschäftsinhabern in Bad Berleburg gesprochen. Im dritten und letzten Teil erläutert Carsten Hennig von „Rothaar Aktiv“, wie er mit der gegenwärtigen Situation umgeht.

Ende ungewiss

An der Bad Berleburger Poststraße – nahe der Odeborn – betreibt Carsten Hennig mit „Rothaar Aktiv“ ein Fachgeschäft für Lauf- und Triathlonsport. Der ehemalige Hochleistungssportler erzählt im Gespräch mit der SZ, wie er den Verkauf unter den Bedingungen eines harten Lockdowns erlebt. Im Vergleich zum ersten Shutdown im März 2020 zieht Hennig eine bescheidene Bilanz: „Im Frühjahr hat man insgesamt noch ein bisschen mehr Hoffnung gehabt, dass schneller alles gut wird. Das Gefühl ist jetzt natürlich ein anderes, weil das Ende so ungewiss ist.“

Einkauf ein logistischer Aufwand

Damit beschreibt er die Sorgen von vielen Einzelhändlern, denen vor allem der Mangel an Planbarkeit zu schaffen macht. Der Monat Januar sei im Laufsport ohnehin kein Umsatzbringer, aber im Vergleich zu einem normalen Jahresauftakt müsse er einen Einbruch verzeichnen. Henning vermutet, dass dahinter auch der logistische Aufwand steckt, der jetzt mit einem Einkauf verbunden ist: Für die Kundschaft sei es eben umständlicher, telefonisch Termine zu vereinbaren als mal eben spontan in einen Laden gehen zu können, wenn es gerade passt.
Etwas wehmütig erinnert er sich an normale Geschäftsabläufe, die sich inzwischen anfühlen wie Relikte längst vergangener Zeiten: „Schöner ist es natürlich, wenn die Kunden in den Laden kommen, einen Laufschuh sehen, die richtige Farbe aussuchen, dann draußen Probe laufen, mitnehmen, sich freuen und am Nachmittag geht’s direkt in den Wald.“

Wunsch nach Beratung bleibt

Jetzt meldet sich die Kundschaft telefonisch und hat meist schon konkrete Vorstellungen, was gewünscht ist. Auf Beratung möchten viele trotzdem nicht verzichten und lassen sich gerne vom Inhaber berichten, was er im Laden vorrätig hat. Die meisten holen die Ware dann selbst an der Ladentür ab. Anderen allerdings bringt er teils mehrere Paare zur Auswahl vorbei, die dann in der Wohnung anprobiert werden können. Was nicht gefällt oder passt, wird zurückgebracht oder vom Geschäftsinhaber abgeholt.

Schnelle Zustellung

Not macht bekanntlich erfinderisch, und so konnte Hennig bereits im Lockdown im Frühjahr 2020 mit einigen Lieferanten neue Transportwege etablieren. Jetzt geht die Ware teilweise direkt vom Lieferanten zur Kundschaft, ohne einen Zwischenstopp in Hennigs Fachgeschäft. Das komme gut an, kommentiert er zufrieden, die schnelle Zustellung und geringere Umweltbelastung würden durchaus geschätzt.
Dennoch könne er als kleiner Fachhändler mit den Konditionen der stetig wachsenden Konkurrenz im digitalen Handel nicht mithalten. Für Sportartikel gibt es eben kein Instrument wie die Buchpreisbindung (die SZ berichtete). Schmerzlich ist für den ambitionierten Freizeitsportler außerdem, dass er seine Kurse in Nordic Walking, Schwimmen, Laufen und Radfahren im Moment nicht anbieten kann. Online-Alternativen kämen dafür nicht infrage, weil dabei das Gemeinschaftserlebnis und der Sport als „Gesamtkunstwerk“ auf der Strecke blieben.
Auch die beliebten und von der Kundschaft regelrecht herbeigefieberten Events mit technischen Repräsentanten sind erst mal storniert: Dabei konnten Testschuhe für Crosslauf, Wettkampf und Trekking im Schlosspark ausprobiert werden. Die Teilnehmer seien bei diesen Gelegenheiten direkt in Trainingskleidung aufgelaufen, sodass es sich eigentlich schon wie eine kleine Sport-Veranstaltung angefühlt habe, erinnert sich der Inhaber an unbeschwertere Zeiten.

Dankbar für treue Kunden

Gibt es auch positive Erkenntnisse? Carsten Hennig ist froh über die Treue seiner Kundschaft: „Ich fühle mich von meinen Kunden ganz gut unterstützt. Schon im ersten Lockdown kamen E-Mails und Anrufe, sie würden mich gern unterstützen. Da freut man sich natürlich.“ Außerdem konnte er feststellen, dass sich die Präsentation der Waren auszahlt. Da kämen dann schon mal Nachfragen wie: „Sie haben was Schönes im Schaufenster, gibt’s das in meiner Größe?“
Positiv bilanzieren kann Carsten Hennig auch das gestiegene Bewusstsein für Gesundheit als kostbares Gut. Die Leute würden jetzt mehr laufen, wandern und Rad fahren. Geblieben sei schließlich nur der Individualsport, da schnürten einige die Laufschuhe dann auch zum ersten Mal. Da Sporttreiben im Verein gerade auf Eis gelegt sei, würden sich auch manche mit Anfragen bei ihm melden, wie sie sich ihr Training nun allein organisieren können.
Obwohl die Einschränkungen durch den Lockdown ihn selbst auch treffen, richtet Hennig den Blick abschließend auf andere in noch bedrängterer Lage: Er selbst könne schließlich zumindest in geringerem Umfang weitermachen, anders als beispielsweise geschlossene Einrichtungen der Gastronomie.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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