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Pornobilder mit Klobürste
„Ekelerregender Sachverhalt“ im Amtsgericht

Ein nicht alltäglicher Sachverhalt wurde am Dienstag vor dem Bad Berleburger Amtsgericht verhandelt.
  • Ein nicht alltäglicher Sachverhalt wurde am Dienstag vor dem Bad Berleburger Amtsgericht verhandelt.
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howe Bad Berleburg. Es war am Dienstag im Bad Berleburger Amtsgericht einer dieser Momente, den man gar nicht erleben wollte, weil einem solche Bilder – wenn auch zum Glück ungezeigt – nicht aus dem Kopf gehen wollen. Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel sträubte sich förmlich, die Anklageschrift vorzulesen. Sie habe ja in ihren über 25 Berufsjahren viel erlebt. „Das hier hat Gott sei Dank Ausnahmecharakter“, so die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Sprachlos machten sie die Vorfälle, es sei ein „ekelerregender Sachverhalt“.

Der 30-jährige Mann aus dem Raum Bad Berleburg zeigte sich einsichtig. Immerhin: Er hatte den  - wie man sagt – Hintern in der Hose, an der Gerichtsverhandlung teilzunehmen und blieb dieser eben nicht fern. „Andere hätten sich so geschämt und wären nicht gekommen.

howe Bad Berleburg. Es war am Dienstag im Bad Berleburger Amtsgericht einer dieser Momente, den man gar nicht erleben wollte, weil einem solche Bilder – wenn auch zum Glück ungezeigt – nicht aus dem Kopf gehen wollen. Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel sträubte sich förmlich, die Anklageschrift vorzulesen. Sie habe ja in ihren über 25 Berufsjahren viel erlebt. „Das hier hat Gott sei Dank Ausnahmecharakter“, so die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Sprachlos machten sie die Vorfälle, es sei ein „ekelerregender Sachverhalt“.

Der 30-jährige Mann aus dem Raum Bad Berleburg zeigte sich einsichtig. Immerhin: Er hatte den  - wie man sagt – Hintern in der Hose, an der Gerichtsverhandlung teilzunehmen und blieb dieser eben nicht fern. „Andere hätten sich so geschämt und wären nicht gekommen. Sie hätten sich der Hauptverhandlung nicht gestellt“, konstatierte Judith Hippenstiel. Was sie dem 30-Jährigen vorwarf, kann an dieser Stelle nicht in Gänze beschrieben werden. Nur so viel: Zwischen Juli 2020 und September 2021 legte er an etlichen Orten – am Schulhof einer Schule, an der Baustelle am Sportplatz, an der Bushaltestelle der Landesstraße 717, am Grünewald, auf dem Weg zur Schule und an der Bundesstraße 62 insgesamt 24 pornografische Bilder und neun kinderpornografische Bilder aus – allesamt laminiert, damit sie der Witterung Stand hielten. Auf dem Schulhof entdeckten Schüler Fotos des Angeklagten, auch eine Klobürste entdeckte man auf den Bildern. Weitere Ausführungen verbieten sich hier.

Pornobilder-Prozess vor dem Bad Berleburger Amtsgericht: Fotos öffentlich ausgelegt

Auch Bälle und Puppen sollen Gegenstände der sexuellen Darstellungen des Mannes gewesen sein. Dazu, so schilderte es Judith Hippenstiel in der Anklageschrift, legte der Angeklagte Bilder aus, auf denen „weibliche, unbekleidete Genitalbereiche“ von Frauen und Mädchen unter 14 Jahren zu sehen waren. Die Fotos fanden dann irgendwelche Leute, die als Zeugen vor Gericht hätten aussagen sollen, wenn denn der Angeklagte nicht geständig gewesen wäre. Zwei junge Männer und eine Frau schickte Richter Torsten Hoffmann jedenfalls wieder nach Hause. Ihrer Aussagen bedurfte es nicht mehr. Auch Kinder sollen einige Bilder entdeckt haben. In einem Fall war es eine Kriminal-Anwärterin auf dem Fahrrad, die ihre Entdeckung gleich bei der Polizei meldete.

„Ich gebe es ja zu, dass ich es gemacht habe mit den Bildern“, gestand der Angeklagte. „Ich hatte öfters mal Amphetamine genommen, und da ist man dann neben die Spur geraten.“ Judith Hippenstiel rechnete vor: „Von Juli 2020 bis September 2021 wurden die Bilder verteilt. Dann standen Sie also unter Dauer-Amphetamin?“ Sie wollte wissen, wie der 30-Jährige darauf komme, „die Bilder auch noch in der Weltgeschichte zu verteilen. Was wollten Sie? Die Antwort lieferte der Täter: „Ich wollte mich öffentlich präsentieren.“ Und dabei, ergänzte Judith Hippenstiel, habe er sich keinerlei Gedanken darüber gemacht, dass Kinder so etwas sehen könnten? Kurze Antwort: „Nein.“ Er habe jetzt aber auf der Arbeit viel zu tun und wolle alles daran setzen, wieder normal zu werden.

Pornobilder-Prozess vor dem Bad Berleburger Amtsgericht: So lautet das Urteil

Judith Hippenstiel forderte eine Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung. Dabei habe der Angeklagte sogar noch Glück. Denn er sei nach altem Strafrecht, also bei Delikten vor Juni 2021 zu verurteilen. „Nach dem neuen wäre ihre Sache vor dem Schöffengericht gelandet. Und dann wäre der Tatbestand ein Verbrechen gewesen mit einem Jahr Mindestfreiheitsstrafe.“ Zu der beantragten Bewährungsstrafe forderte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft eine Geldauflage von 2500 Euro. Richter Torsten Hoffmann folgte dem Antrag. Das Geld soll der 30-Jährige an die Kindernothilfe zahlen.

„Es tut mir leid, was ich getan habe“, entschuldigte sich der Angeklagte. „Das war nicht richtig. Ich werde auf jeden Fall daran arbeiten.“ Und Judith Hippenstiel warnte: „Kommt sowas noch einmal vor, ist die Staatsanwaltschaft sehr sensibel. Sie werden sofort festgenommen.“

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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