Angeklagter zu Geldstrafe verurteilt
Endstation Kreisverkehr - mit 2 Promille

Im Kreisel war die Fahrt zu Ende. Jetzt hatte die Trunkenheitsfahrt ein juristisches Nachspiel.
  • Im Kreisel war die Fahrt zu Ende. Jetzt hatte die Trunkenheitsfahrt ein juristisches Nachspiel.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

howe Bad Berleburg. So kann es gehen: Ein 20-Jähriger feiert mit seinen Freunden in Bad Berleburg, trinkt ordentlich Bier und Schnaps und hebt die Gläser hoch. Irgendwann geht der Alkohol aus, gegen 0.30 Uhr sind Keller und Kühlschrank leergeräumt. Also beschließen die Freunde, nach Bad Laasphe an die dortige Tankstelle zu fahren. Die hat rund um die Uhr geöffnet, da ist auch noch was zu trinken zu bekommen.

Der 20-Jährige fühlt sich fit, setzt sich ans Steuer. Der ebenfalls betrunkene Beifahrer daneben, eine nüchterne Freundin hinten auf den Rücksitz. Bis Bad Laasphe kommen die drei locker, im Kreisel beim neuen Polizeigebäude ist Endstation. Der 20-Jährige fährt fast geradeaus im Kreisverkehr, weicht noch einem Schild aus und landet mitten in einem Stromkasten. Durch den Aufprall entstehen erste Verletzungen, die zum Glück nicht ganz so schlimm sind.

Das Auto hat Totalschaden, für den zerstörten Stromkasten ergibt sich eine Schadenshöhe von immerhin 25 000 Euro. Am Freitag verhandelte das Bad Berleburger Amtsgericht den Fall – eine Sache, die von öffentlichem Interesse ist. Denn wie schnell hat sich ein junger Mensch unter Alkoholeinfluss ins Auto gesetzt, um zu fahren. Dass nichts passiert sei, das kommentierte Richter Torsten Hoffmann so: „Das ist ein dickes Ding, das sie sich geleistet haben. Aber zum Glück hatten sie einen Schutzengel im Auto.“ 2,04 Promille Alkohol im Blut stellte die Polizei bei dem jungen Autofahrer fest. „Abends haben wir Fifa gespielt und Wodka getrunken.“

Eigentlich sei geplant gewesen, dass er bei der Freundin übernachte. „Aber wir wollten noch was zu trinken holen. Und dann ist man nach Bad Laasphe gefahren.“ – „Mit ,man’ meinen sie sich selbst“, fügte Torsten Hoffmann zu den Ausführungen des Angeklagten hinzu. An die Fahrt selbst könne er sich nicht mehr erinnern. Er wisse nur noch, dass er sich nach dem Unfall umgedreht und gefragt habe, ob alle gesund seien. „Über zwei Promille, das ist schon ziemlich heftig“, stellte Torsten Hoffmann fest.

Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel nahm sich im Anschluss die Bekannte vor, die als einzig Nüchterne auf dem Rücksitz des Wagens gesessen hatte. „Der Angeklagte war deutlich alkoholisiert. Sie wissen, dass man sich dann nicht in das Auto setzt? Da haben sie sich selbst gefährdet.“ Ja, das wisse sie. Eben weil sie nüchtern gewesen sei, sei sie mitgefahren, damit sie Anweisungen hätten geben können, der Fahrer möge nicht so schnell fahren. „Als nüchterner Mensch verhindern sie aber nichts“, entgegnete Judith Hippenstiel. Die Vertreterin der Staatsanwalt betonte, bei einem Promillewert von 1,1 liege bereits eine „absolute Fahruntüchtigkeit“ vor. Das Fahrzeug sei im Stromkasten gelandet und der Fahrer habe die Personen im Wagen gefährdet. „Wenn man Alkohol trinkt und sich dann ans Steuer setzt, um weiteren Alkohol zu holen, das ist mindestens bedingter Vorsatz“, so Judith Hippenstiel.

Sie forderte eine Geldstraße von 50 Tagessätzen zu je 10 Euro und eine weitere Sperrfrist für den Führerschein von noch fünf Monaten. Der Angeklagte, der die gesamte Gerichtsverhandlung eher stillschweigend verfolgte, äußerte sich in seinem letzten Wort unter Tränen: „Es wird mir nie wieder passieren. Das hat mich auch psychisch mitgenommen. Ich habe Flashbacks vor dem Einschlafen.“ Die acht Monate seit dem Unfall hätten ihn eine Menge gekostet. „Das war mir eine Lehre.“ Das Gericht nahm dem Beschuldigten die Reue ab und schloss sich im Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft vollumfänglich an.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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