Wittgensteiner Reisebüros spüren große Zurückhaltung der Kunden
Erkundigen, aber noch nicht buchen

Mallorca ist normalerweise eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Viele Buchungen für die balearische Insel im Mittelmeer verzeichnen die heimischen Reisebüros wegen der Corona-Pandemie derzeit aber nicht.
  • Mallorca ist normalerweise eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Viele Buchungen für die balearische Insel im Mittelmeer verzeichnen die heimischen Reisebüros wegen der Corona-Pandemie derzeit aber nicht.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

ako Bad Berleburg/Bad Laasphe. Die Lust der Menschen am Reisen sei nach wie vor ungebrochen, sagte vor Kurzem der Präsident der Allianz selbstständiger Reiseunternehmen, Jochen Szech (die SZ berichtete). Doch wie mehrere aktuelle Umfragen zeigen, planen viele Deutsche bis zum Sommer keine Urlaubsreise. Wegen der Pandemie gibt es im Moment so gut wie keine Buchungen. Die Unsicherheit ist groß, da keiner genau sagen kann, wann wir wieder verreisen können. Das macht sich auch bei den heimischen Reisebüros bemerkbar.

Situation im Reisegeschäft derzeit „dramatisch“

Katrin Vetter stufte die Situation für das Reisegeschäft gegenwärtig als „dramatisch“ ein. Die Inhaberin des Reisebüros Wittgenstein in Bad Berleburg hat seit einem Jahr kaum Buchungen verzeichnen können. Derzeit gebe es auch nur „sehr, sehr wenige Buchungsanfragen“. Normalerweise gelten die Monate Januar und Februar als Buchungshochzeit, aber im Vergleich zu den vergangenen Jahren hielten sich die Leute mit ihren Urlaubsplänen „extrem“ zurück.
Einige Privatpersonen buchten kurzfristig Flüge, beispielsweise um ihre Familie zu besuchen – oder wenn sie selbst hierzulande oder im Ausland ein Ferienhaus besitzen und sicher sind, dass sie da auch hin dürfen, berichtete Katrin Vetter. Zudem gebe es auch einige Buchungen für Hotels mit eigener Anreise. Die Ziele seien meist Deutschland oder Österreich, für die Niederlande habe es im Reisebüro an der Bahnhofstraße hingegen noch keine Anfragen gegeben. „Ganz vereinzelt“ seien auch Pauschalreisen – für Sommer und Winter – gebucht worden.

Entwicklung der Lage „schwer“ einzuschätzen

Wenn das Telefon im Reisebüro Wittgenstein klingelt, dann wollen sich die Kunden in vielen Fällen auch nur über Reisen informieren und nach Urlaubszielen erkundigen: „Viele sagen aber, dass sie erst später buchen möchten“, erklärte Katrin Vetter. Wie sich die Lage im Laufe des Jahres entwickeln wird, ist der Inhaberin zufolge deshalb auch nur „schwer“ einzuschätzen. Was den Sommerurlaub betrifft, hänge vieles davon ab, welche Länder unter welchen Bedingungen Touristen aufnehmen. Flug- und Pauschalreisen seien zudem stark vom Impfgeschehen abhängig, betonte die Inhaberin.
Trotz Pandemie sei aber positiv, dass das Reisebüro Wittgenstein bereits zweimal staatliche Unterstützung in Form von Überbrückungshilfe erhalten hat – im Oktober und im Dezember. Katrin Vetter, die zwei Angestellte beschäftigt, prüft nun die Möglichkeit auf eine dritte Hilfe.

95 Prozent weniger Buchungen

Einen „deutlichen Einbruch“ hat auch das Reisebüro von Diehl-Reisen in Bad Laasphe hinnehmen müssen. Das Unternehmen verzeichne gegenwärtig 95 Prozent weniger Buchungen als im gleichen Zeitraum 2019, erklärte Carsten Diehl im Gespräch mit der SZ. Derzeit gebe es so gut wie keine Nachfragen nach Flug- und Schiffsreisen. Allerdings liegen dafür viele Anfragen für Busreisen vor, freute sich der Geschäftsführer. Das eigene Reiseprogramm für 2021 hatte das Unternehmen bereits im vergangenen Herbst zusammengestellt, noch bevor sich die „zweite Corona-Welle“ wirklich angebahnt hatte. Dennoch sei das diesjährige Programm „sehr deutschlandlastig“, wie Carsten Diehl betonte. Zu den weiteren Zielen gehörten dann das benachbarte Ausland wie Österreich und die Schweiz – sowie ab Herbst auch Fahrten nach Südtirol und zum Gardasee in Italien.

„Vertrauen der Kunden gewinnen“

„Einige sagen: ,Ja, wir fahren auf jeden Fall in den Urlaub, wir wollen aber noch abwarten‘“, berichtete Carsten Diehl von Gesprächen mit Kunden. Auch Familien halten sich dem Geschäftsführer zufolge in Sachen Urlaubsplanung noch sehr zurück. Um den Kunden in dieser unsicheren Zeit entgegenzukommen, bietet Diehl-Reisen die Möglichkeit, bis vier Wochen vor Urlaubsbeginn kostenlos zu stornieren. Bei neuen Buchungen werde zudem auf eine Anzahlung verzichtet: „Wir wollen so auch das Vertrauen der Kunden gewinnen“, sagte Carsten Diehl, der mit Blick auf die gegenwärtige Pandemie von einer „zufriedenstellenden Buchungslage“ sprach.
Auch wenn bis April keine Busreisen möglich sind und das Ostergeschäft in diesem Jahr komplett wegbreche, gab sich der Geschäftsführer vor allem bei Busreisen für die zweite Jahreshälfte optimistisch: „Für den Herbst haben wir schon einige Anfragen.“ Außerdem lägen bereits mehrere Buchungen für den Gardasee vor.

„Wir sind die Glücklichsten von den Traurigen“

Existenzängste hat der Geschäftsführer trotz Pandemie nicht. Denn sein Unternehmen hat neben dem Reisegeschäft noch ein weiteres Standbein – so sind zehn Busse von Carsten Diehl im ÖPNV im Einsatz: „Wir sind noch die Glücklichsten von den Traurigen.“
Wie das Reisebüro Wittgenstein hatte auch die Firma Diehl-Reisen staatliche Unterstützung beantragt. Im vergangenen Jahr habe man die NRW-Soforthilfe erhalten, einen Teil davon aber auch zurückzahlen müssen, erklärte Carsten Diehl. Der Geschäftsführer hat zudem auch einen Antrag für die „Soforthilfe-Reisebus“ gestellt, der auch bewilligt wurde: „Da haben wir aber nur einen Bruchteil bekommen.“

Autor:

Alexander Kollek

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