Erndtebrück: schon wieder rabiater Umgang mit Mieter

Hausfriedensbruch und Körperverletzung in der Parterre

JG Bad Berleburg. Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche musste sich das Berleburger Amtsgericht gestern mit den merkwürdigen Gepflogenheiten Erndtebrücker Vermieter im Umgang mit ihren Mietern kümmern. Diesmal ging es um einen 46-Jährigen, dem gefährliche Körperverletzung vorgeworfen wurde.

»Das tut mir leid, was passiert ist« – direkt mit seinem ersten Satz machte der Erndtebrücker deutlich, dass er bereute. Doch trotz dieser offenbaren Reue unterschied sich seine Geschichte deutlich von der Anklage. Die Version des Vermieters hörte sich folgendermaßen an: Mehrfach habe der Untermieter auf dem frisch gepflasterten – noch nicht gerüttelten – Hof des Hauses gestanden, mehrfach habe er den Mieter gebeten, das zu unterlassen. An jenem April-Nachmittag sei er deshalb nach der Arbeit zur Parterrewohnung gegangen, habe mit dem Mieter sprechen wollen. Der habe ihn nicht mal reingelassen, ihm stattdessen Schimpfwörter entgegen geschleudert, auch in Verbindung mit dem Wort »Russe« – der Angeklagte wurde in der damaligen Sowjetrepublik Kasachstan geboren. Da sei er ausgerastet, habe den Mann im Windfang geschlagen und dann noch zwischen die Beine getreten. Getreten habe er mit den Schuhen, die er auch gestern trug. Beim »Zeigt-her-eure-Füßchen« präsentierte er dem Gericht hellbeige Halbschuhe der eher leichten Art.

Die Version des Mieters: Schon morgens um fünf Uhr habe die Geschichte begonnen, der Vermieter habe Sturm bei ihm geklingelt, weil er auf dem Hof geparkt habe – auf einem Stellplatz, den er mit der Miete bezahlte. Es sei zwar frisch gepflastert gewesen, doch Familienmitglieder und Freunde der Vermieter hätten hier sehr wohl parken dürfen. Er habe den Vermieter nicht reingelassen. Doch nachdem er nachmittags von der Arbeit gekommen sei, sei der Vermieter erneut erschienen, habe ihn im Eingangs-Flurchen der Mieter-Wohnung wüst beschimpft und unerwartet ins Gesicht geschlagen. Daraufhin sei er zu Boden gegangen, wo der Vermieter ihn heftig in die Genitalien getreten und erneut geschlagen habe. Der Tritt sei mit abgenutzten, dunklen Arbeitsschuhen erfolgt, die habe er vor sich gesehen, als er am Boden gelegen habe. Danach sei der Vermieter gegangen, habe erst einer durch die Hilferufe aufgeschreckten Nachbarin noch bedeutet, dass nichts passiert sei, und dann seelenruhig weitergepflastert.

Die anschließenden »extremen Schmerzen«, an die sich der Geschädigte erinnerte, fassten die vorgelegten Atteste in genauere Wörter: Verschiedene Prellungen sowie eine Platzwunde im Gesicht, eine Schädelprellung, die Ausführungen des Urologen machten erst deutlich, was bei einem heftigen Tritt in den Unterleib eines Mannes dort alles durcheinander kommen kann. Wobei das den Geschädigten gestern nicht so sehr erzürnte, wie der ihm gemachte Vorwurf, er habe den Vermieter quasi fremdenfeindlich verunglimpft: »Das möchte ich mir verbitten.«

Staatsanwalt Wolfgang Nau sah den Tatbestand von Hausfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung erfüllt und bewiesen, Verteidiger Erdmann von Gersdorff hingegen weder das Eine noch das Andere, sondern höchstens eine einfache Körperverletzung seines Mandanten, für den er um »eine milde Strafe« bat. Torsten Hoffmann sah sehr wohl eine gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit einem Hausfriedensbruch – und da war es ihm auch egal, was der Angeklagte für Schuhe getragen hatte. Der Richter unterstrich, dass er keinen Anlass sehe, die Aussagen des Geschädigten zu bezweifeln, aber selbst wenn er mit anderen Schuhen getreten worden sei, so handele es sich trotzdem um eine gefährliche Körperverletzung – wegen des Körperbereichs, dem der Tritt gegolten habe. Das Urteil: eine achtmonatige Haftstrafe auf Bewährung und eine Geldbuße in Höhe von 1200 e. Bezahlt hat der bisher Unbescholtene bereits ein Schmerzensgeld von 1640 e, jetzt soll er dem Arbeitgeber des Mieters den Ausfall für zwei Wochen Arbeitsunfähigkeit in Höhe von 1000 e erstatten. Keine billige Sache, doch der Angeklagte sagte gestern: »Ich bezahle alles.« Und eine Entschuldigung brachte er beim Geschädigten auch noch zähneknirschend an.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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