Verhandlung im Berleburger Amtsgericht
Erndtebrücker zog den Kopf noch aus der Schlinge

Die sprichwörtliche Galgenfrist hat am Dienstag im Bad Berleburger Amtsgericht ein 27-jähriger Erndtebrücker bekommen.  Foto: Archiv
  • Die sprichwörtliche Galgenfrist hat am Dienstag im Bad Berleburger Amtsgericht ein 27-jähriger Erndtebrücker bekommen. Foto: Archiv
  • hochgeladen von Holger Weber (Redakteur)

howe Bad Berleburg. Die sprichwörtliche Galgenfrist hat am Dienstag im Bad Berleburger Amtsgericht ein 27-jähriger Erndtebrücker bekommen. Und das, weil sich der mehrfach Vorbestrafte, der zuletzt auch Haft verbüßt hatte, aktuell auf eigene Initiative in einer Drogenfachklinik im Sauerland befindet. Das Gericht setzte die Verhandlung aus, um dem Angeklagten Gelegenheit zu geben, „Punkte für die Sozialprognose zu sammeln“, wie es Richter Torsten Hoffmann formulierte. Sei der Abschlussbericht im Juli positiv, ebenso der Bericht über das Anti-Aggressionstraining, könne durchaus eine Bewährungsstrafe verhängt werden. Ansonsten droht dem 27-Jährigen vielleicht eine lange Haftstrafe.

Aber von vorn: Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel klagte den Mann an, Ende Oktober und Anfang Dezember in Erndtebrück und Siegen Widerstand gegen Polizeibeamte geleistet zu haben. Im ersten Fall habe er sich einem Platzverweis widersetzt und unter starkem Einfluss von Drogen und Alkohol nach einem der beiden Wittgensteiner Beamten getreten. Im zweiten Fall habe er in einem Rettungswagen randaliert und nach den Einsatzkräften geschlagen und getreten. Einem Polizeibeamten habe er versucht, eine Kopfnuss zu geben.

Der 27-Jährige machte im Beisein seines Verteidigers Fritz Bosch reinen Tisch, legte ein komplettes Geständnis ab. Zugleich erfuhr das Gericht von einer aktuell laufenden Therapie. Im Anschluss daran soll eine Adaptionsmaßnahme im Rheinland in Angriff genommen werden. „Da will ich neu anfangen, nehme eine Wohnung und werden langsam wieder ins Berufsleben integriert“, schilderte der Beschuldigte. Der gab den ein oder anderen Einblick in sein bisheriges Leben: mit Amphetaminen, Kokain, THC und LSD, mit „Benzos“ und reichlich Alkohol. „Es gab bis vor meiner Therapie nicht einen Tag, an dem ich nicht konsumiert habe.“ Schriftlich entschuldigte sich der 27-Jährige zunächst beim Rettungsdienst und bei der Polizei. Außerdem reichte er den beiden Beamten am Dienstag im Gerichtsflur die Hand. Judith Hippenstiel sah als Vertreterin der Staatsanwaltschaft das Bemühen des Angeklagten, wollte aber ohne einen schriftlichen Bericht der Therapieklinik keine Strafmilderung gewähren.

Fritz Bosch bat im Sinne seines Mandanten darum, ihm die Chance der Therapie unbedingt einzuräumen. Das tat Richter Torsten Hoffmann denn auch. Er setzte das Verfahren solange aus, bis gegen Ende Juli der Abschlussbericht der Klinik erstellt werden müsste. Darin enthalten sollte auch die Bewertung des Anti-Aggressionstraining sein, ebenso eine Vorschau dessen, wie die geplante Adaption im Rheinland laufen soll. „Es liegt an Ihnen, den Schlussbericht zu präsentieren.“

Nach dem Sommer will das Gericht die Verhandlung unter den dann neuen Voraussetzungen fortsetzen. Damit hat der Angeklagte dessen möglichen Ausgang komplett selbst in der Hand. Auf Anraten von Judith Hippenstiel entband der 27-Jährige per Erklärung die behandelnden Ärzte in der Therapieklinik und die künftigen im Rheinland von deren Schweigepflicht, damit das Gericht leichter Auskunft erhält.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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