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Melli Osterkalb zieht Hirschkalb und Rehkitz auf
Ersatzmutter für Wildtiere

Melli Oesterhoff hat ein großes Herz für Tiere. Das verletzte Rehkitz Aayana nahm sie vor 14 Tagen in ihre Obhut und zahlte auch die 600 Euro für die nötige OP eines gebrochenen Beines.
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  • Melli Oesterhoff hat ein großes Herz für Tiere. Das verletzte Rehkitz Aayana nahm sie vor 14 Tagen in ihre Obhut und zahlte auch die 600 Euro für die nötige OP eines gebrochenen Beines.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

bw Berghausen. Mai und Juni sind die Monate der Kinderstube im Wald, berichtet Fachmann Tasso Wolzenburg aus Welschengeheu. In diesen Wochen erblicken die Hirschkälber und Rehkitze das Licht der Welt – für den Nachwuchs der Wildtierarten ist es allerdings auch eine gefährliche Zeit. Kitze verstecken sich oft im hohen Gras auf Wiesen, die auch jetzt abgemäht werden. Für ihren Schutz engagiert sich der Verein Kitzretter Wittgenstein, dessen Mitglieder mit Drohnen die Wiesen abfliegen, um die Jungtiere im Gras zu entdecken und vor dem sicheren Tod zu bewahren (die SZ berichtete).

Bei allen Bemühungen kommt es trotzdem vor, dass Kitze verletzt werden. Eines dieser Tiere päppelt jetzt Melli Oesterhoff aus Berghausen auf.

bw Berghausen. Mai und Juni sind die Monate der Kinderstube im Wald, berichtet Fachmann Tasso Wolzenburg aus Welschengeheu. In diesen Wochen erblicken die Hirschkälber und Rehkitze das Licht der Welt – für den Nachwuchs der Wildtierarten ist es allerdings auch eine gefährliche Zeit. Kitze verstecken sich oft im hohen Gras auf Wiesen, die auch jetzt abgemäht werden. Für ihren Schutz engagiert sich der Verein Kitzretter Wittgenstein, dessen Mitglieder mit Drohnen die Wiesen abfliegen, um die Jungtiere im Gras zu entdecken und vor dem sicheren Tod zu bewahren (die SZ berichtete).

Bei allen Bemühungen kommt es trotzdem vor, dass Kitze verletzt werden. Eines dieser Tiere päppelt jetzt Melli Oesterhoff aus Berghausen auf. Seit zwei Wochen hat sie Aayana in ihrer Obhut: „Das Kitz ist so lebenswillig“, erzählt sie. Andere hätten es vielleicht schon aufgegeben angesichts der Verletzungen, die das Tier hatte: zuerst einen verletzten Muskel an einem Bein und dann wurde auch noch ein Bruch an einem anderen Bein diagnostiziert. Die Arztrechnung und die OP-Kosten zahlt Melli Oesterhoff aus eigener Tasche, alleine für die Operation waren es 600 Euro. Aber die hat die Berghäuserin gerne gezahlt: „Das Kitz macht sich richtig gut. Es läuft schon wieder durch den Garten.“

Spielkameradin für "Bambi"

Doch nicht nur Rehkitz Aayana wird in Berghausen aufwachsen, denn in der kleinen Auffangstation ist ebenfalls seit etwa 14 Tagen das Hirschkalb Bambi – das aber völlig unverletzt und komplett unnötig, die Geschichte dahinter sorgt aktuell für große Fassungslosigkeit: Ein Paar hatte im Raum Erndtebrück/Benfe das Hirschkalb bei einem Spaziergang im Gras entdeckt. Für sie schien es flach zu atmen und offenbar verletzt zu sein.

Niemals berühren!

Das Paar beging den großen Fehler: Sie packten das junge Tier an und steckten es in den Kofferraum. Mit guter Absicht vielleicht im Sinn ist es eine Aktion, die Tasso Wolzenburg richtig wütend macht: „Das ist das Schlimmste, was man machen kann. Man darf nie ein Wildtier anfassen, denn sobald es den Geruch eines Menschen an sich hat, wird die Mutter es nicht mehr annehmen.“ Das sei ein absoluter Verstoß, so der Forstmann und Wildexperte aus Welschengeheu, der die SZ auf diesen Vorfall aufmerksam machte. Er betont: „Natürlich hat das Kalb flach geatmet – es hatte als Fluchttier Angst vor den Menschen.“

"Man darf nie ein Wildtier anfassen, denn sobald es den Geruch eines Menschen an sich hat, wird die Mutter es nicht mehr annehmen."
Tasso Wolzenburg
Fachmann für Wildtiere

Tasso Wolzenburg nimmt diesen Vorfall zum Anlass, einen Appell an alle Spaziergänger – vor allem die mit Hunden – zu richten: „Jetzt in dieser Zeit müssen Hunde an die Leine und Spaziergänger sollten die Wege nicht verlassen.“ Und wenn man ein junges Wildtier entdeckt, dann unbedingt die Finger davon lassen. Wenn es verletzt wirkt, dann lieber einen Revierförster verständigen.

Die Arbeit der Kitzretter Wittgenstein begrüßt auch Tasso Wolzenburg, er hat aber auch zusätzliche Tipps für die Landwirte: Am Tag vor dem Abmähen der Wiese sollten sie ein oder zwei Pfähle dort in die Erde stecken und darüber Plastiktüten stülpen. Für die Rehe ist das ein klares Signal, dass der Mensch hier aktiv ist: Sie nehmen ihre Kitze mit und verschwinden. „Zu 90 Prozent sind die Kitze dann schon mal weg, denn der Lärm durch die Plastiktüten und auch der Geruch des Menschen, der daran haftet, löst bei den Tieren den Fluchtinstinkt aus.“

Neues Zuhause noch unklar

Aayana und Bambi müssen leider ohne ihre Mütter aufwachsen, diesen Part übernimmt nun Melli Oesterhoff. Alle zwei bis drei Stunden bekommen die jungen Tiere Milch, beispielsweise von Ziegen oder von Mutterkühen. Etwa ein Jahr dürften beide Tiere bei ihr in Berghausen bleiben, bevor sie in Wildgehege entlassen werden könnten. Bambi könnte etwa vielleicht auf Hohenroth ein Zuhause finden.

Oder, und das würde Melli Oesterhoff ganz klar favorisieren, sie bleiben in der Nähe. Ein Waldgebiet bei Berghausen könnte zu dem Zweck eingezäunt werden, ein Nachbar habe ihr das schon angeboten, erzählt Melli Oesterhoff, zudem gebe es auch eine vier Hektar große städtische Waldfläche. „Mein Traum ist eine Wildtierstation“, erklärt die Berghäuserin, die ihr Anliegen auch schon bei Bürgermeister Bernd Fuhrmann hinterlegt hat. Ein Treffen hat bislang nicht stattgefunden, insofern kann das Rathaus in Bad Berleburg inhaltlich noch keine Einschätzung abgeben. Ein Gespräch soll aber laut Verwaltung stattfinden.

Melli Oesterhoff hat ein großes Herz für Tiere. Das verletzte Rehkitz Aayana nahm sie vor 14 Tagen in ihre Obhut und zahlte auch die 600 Euro für die nötige OP eines gebrochenen Beines.
Auch Hirschkalb Bambi wächst nun in Berghausen auf. Das ist allerdings völlig unnötig, weil das Tier gar nicht verletzt war. Ein Pärchen hatte es im Wald entdeckt und mitgenommen, weil es scheinbar verletzt war. Ein großer Fehler.
Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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