Erst Alkohol, dann ausflippen

Sechs Monate Haft auf Bewährung für 19-jährigen Laaspher

JG Bad Berleburg. Wenn ein 19-Jähriger sechs Monate auf Bewährung bekommt, dann muss das Gericht schon schädliche Neigungen bei ihm festgestellt haben. Genau zu einem halben Jahr auf Bewährung verurteilte gestern das Berleburger Jugendschöffengericht einen jungen Mann aus Bad Laasphe, dieser musste sich verantworten wegen einer Trunkenheitsfahrt sowie diverser Sachbeschädigungen und Diebstahl auf einer Tour.

Ein Osterfeuer im hessischen Hinterland – noch eine Ecke hinter Marburg – war Ausgangspunkt für die erste Reihe von Taten. Er sei in seinem alten Heimatort gewesen und habe eigentlich bei Freunden übernachten wollen, doch das habe aus irgendeinem Grund nicht geklappt. Als er dann nachts seine geschiedene, allein erziehende Mutter angerufen habe, habe die ihn auch nicht mehr nach Wittgenstein zurückholen wollen. Er habe viel Alkohol getrunken, sei ausgeflippt und habe aus Wut die Scheiben der Telefonzelle mit einem Nothammer zerschlagen, den habe er vorher aus dem Auto seines Cousins mitgenommen.

Er habe immer weiter gesucht und nirgendwo Obdach gefunden, deshalb habe er dann noch eine Kellerscheibe sowie einen Glasbaustein zerschlagen. Dann habe er sich ein Mofa von einem Freund geschnappt, um nach Haus zu kommen. Doch das Zweirad wollte nicht fahren und er habe es liegen lassen. Dann hab er noch an einem Opel die Rückscheibe eingeschlagen und die Scheibe der Fahrertür eingeschlagen: »Ich habe die Sachbeschädigungen begangen und mich dann in den Wald gelegt und geschlafen.«

Außerdem wurden dem jungen Mann noch ein Einbruch, ein Diebstahl und eine Sachbeschädigung vorgeworfen. Er war in ein Auto bei der Hinterlandhalle eingestiegen, hatte Kleingeld geklaut und die Zündkabel im Motorraum unterbrochen. Seine Erklärung hierfür, er habe gedacht, dass sei das Auto eines Freundes. Dem habe er einen Streich spielen wollen und das Kleingeld habe er zum Telefonieren gebraucht. Der letzte Vorwurf bezog sich dann auf den vergangenen Oktober.

Damals war der Laaspher mit einem nicht angemeldeten Motorroller zum einen, und 1,8 Promille Blutalkohol zum anderen in Dreis-Tiefenbach unterwegs. Und genau dieser Wert deutete schon auf das Hauptproblem des jungen Mannes hin: der Alkohol. Schon in seiner Kindheit habe er Alkoholexzesse des Vaters und damit verbunden viel Gewalt erlebt, so Christina Schmitt von der Jugendgerichtshilfe. Auch beim Angeklagten sah sie schon ein »massives Alkoholproblem«. Wie schon bei ihrem vergangenen Gerichtstermin mit dem Laaspher, sprach sie sich auch diesmal für eine Betreuungsweisung aus: Dem 19-Jährigen sollte ein Betreuer zur Seite gestellt werden, ohne dass dem jungen Mann eine konkrete Haftstrafe droht.

Staatsanwalt Wolfgang Nau ärgerte es besonders, dass der Laaspher ein halbes Jahr nach der Verurteilung zum dreiwöchigen Jugendarrest schon wieder Straftaten beging. Und auch nach der Arrest-Verbüßung im vergangenen Sommer erneut straffällig wurde. Er forderte auch wegen der einschlägigen Vorstrafen sechs Monate Haft zur Bewährung sowie 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit und den Führerschein-Entzug für weitere sechs Monate. Verteidiger Fritz Bosch hätte für seinen Mandaten lieber keine solch heftige Vorstrafe gesehen, auch schienen ihm 80 Arbeitsstunden ausreichend.

Zusammen mit seinen beiden Schöffen schloss sich Richter Torsten Hoffmann dem Antrag des Staatsanwaltes an. Da der Laaspher mittlerweile mit einer ambulanten Therapie versucht, ohne Alkohol auszukommen, plant der Richter in zwei, drei Monaten ein Treffen mit dem 19-Jährigen und seinem Bewährungshelfer, um dann zu schauen, wie es weitergehen kann mit dem jungen Mann.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

Der Weltsparmonat für Groß und Klein

ThemenweltenAnzeige
Eine glänzende Zukunft ist einfach
2 Bilder

Eine glänzende Zukunft ist einfach
Der Weltsparmonat für Groß und Klein

Die erste Erinnerung an die Sparkasse Für viele reicht sie in die Kindheit zurück. Die volle Spardose unterm Arm ging es Jahr für Jahr Ende Oktober zum Weltspartag in die nächste Filiale der Sparkasse. Dabei hat der Weltspartag eine fast hundertjährige Tradition: Zum ersten Mal fand am er 31. Oktober 1925 statt. Das Ziel: Mit kleinen Beträgen über die Jahre ein Vermögen aufbauen – und so den Wert des Geldes schätzen lernen. Sparen, so hieß es damals „ist eine Tugend und eine Praktik, die...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen