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Schwarzarbeit ein großes Problem
Erst Corona-Hilfen, dann Rückzahlung?

Marina Marchel (l.) und Tania Müller sind sauer: Sie sollen Corona-Hilfen aus dem Jahr 2020 zurückzahlen,
obwohl auch sie harte Einbrüche im Geschäftsbetrieb zu verzeichnen hatten.
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    obwohl auch sie harte Einbrüche im Geschäftsbetrieb zu verzeichnen hatten.
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schn Bad Berleburg. Friseurmeisterin Marina Marchel steht in ihrem Salon an der Bad Berleburger Poststraße und schaut verzweifelt über ihren Mundschutz. Neben ihr steht Tania Müller, auch sie ist Friseurin und bei ihr schwingt mehr Wut in der Stimme mit, wenn sie über die Rückforderungen der Bezirksregierung Arnsberg spricht.
Nun muss zurückgezahlt werden
Beide Frauen haben im vergangenen Frühjahr Corona-Hilfen beantragt. In jener Zeit, in der ihnen Berufsverbot erteilt wurde. Die sind sehr schnell und unkompliziert ausgeschüttet worden. „Bei mir hat es keine drei Tage gedauert, da war die Bewilligung da und kurz drauf wurde auch das Geld ausgezahlt“, lobt Tania Müller das Verfahren. Damals war man froh über die schnellen Hilfen, in diesem Jahr aber kam die Ernüchterung.

schn Bad Berleburg. Friseurmeisterin Marina Marchel steht in ihrem Salon an der Bad Berleburger Poststraße und schaut verzweifelt über ihren Mundschutz. Neben ihr steht Tania Müller, auch sie ist Friseurin und bei ihr schwingt mehr Wut in der Stimme mit, wenn sie über die Rückforderungen der Bezirksregierung Arnsberg spricht.

Nun muss zurückgezahlt werden

Beide Frauen haben im vergangenen Frühjahr Corona-Hilfen beantragt. In jener Zeit, in der ihnen Berufsverbot erteilt wurde. Die sind sehr schnell und unkompliziert ausgeschüttet worden. „Bei mir hat es keine drei Tage gedauert, da war die Bewilligung da und kurz drauf wurde auch das Geld ausgezahlt“, lobt Tania Müller das Verfahren. Damals war man froh über die schnellen Hilfen, in diesem Jahr aber kam die Ernüchterung. Ein Teil der Mittel muss nun zurückgezahlt werden.

„Die Kommunikation war damals eine andere. Das ist das Problem daran, dass nicht wirklich ersichtlich war, dass der tatsächliche Liquiditätsbedarf nachermittelt wird“, sagt Reinhard Afflerbach, der Steuerberater von Marina Marchel. Zwar habe man im Antrag ankreuzen müssen, dass im Fall einer Überkompensation eine Rückzahlung anstehe, aber das genaue Verfahren sei nicht eindeutig gewesen, befindet Afflerbach. Was ihn besonders störe, sei die Tatsache, dass die Erläuterungen der Behörden immer wieder geändert worden seien, argumentiert der Steuerberater. Grundsätzlich sei eine mögliche Rückzahlung aber schon im Antrag als Option genannt worden.

Mit Krediten durch die Corona-Zeit

Marina Marchel fragt sich, wie sie die Gelder zurückzahlen soll. Schließlich habe sie ihren Laden rund vier Monate ganz schließen müssen, in dieser Zeit sei kein Umsatz möglich gewesen, die Kosten aber seien ja weiter gelaufen. Miete, Strom, Telefon, Versicherungen, Kredite, Gehälter – das habe sie alles zahlen müssen. Und dafür habe sie die Mittel aus dem Frühjahr auch eingesetzt, macht die Handwerksmeisterin deutlich. „Das belastet mich sehr, ich bin ja nicht allein, ich habe ja auch Mitarbeiterinnen“, sagt sie. Inzwischen habe sie mehrere Kredite laufen, die sie aufgenommen habe, um die Corona-Zeit zu überbrücken, so Marchel. Das alles zehrt an ihren Nerven.

„Ich bin in der Situation froh, dass ich keine Angestellten habe“, findet Tania Müller deutliche Worte. Sie trage aber immer noch die Verantwortung für ihre Familie und auch das nagt. Beide fragen sich, wie das Geld ans Land zurückgezahlt werden soll. „Wir haben viel investieren müssen und die Umsätze erreichen nur langsam wieder ein Normalniveau“, sagt Tania Müller. Auch Marina Marchel kann das unterstreichen und schiebt gleich noch nach, dass die Zeit der Schließungen noch einen anderen Effekt hatte: Schwarzarbeit. „Viele Kunden wollten nicht so lange ohne Frisur herum laufen, also haben sie sich schwarz die Haare schneiden lassen. Viele davon sind nicht wieder zu uns gekommen“, so die bittere Erkenntnis von Marina Marchel.

,,Eigentlich dürften wir keine Steuern mehr bezahlen''

Tania Müller schiebt nach: „Die Fußballer und Fernsehleute, die jeden Tag mit frischen Frisuren zu sehen waren, waren kein Vorbild. Da haben viele gedacht, das kann ich auch.“ Schwarzarbeit sei ohnehin schon ein großes Problem im Friseurhandwerk und Corona habe das ganze nochmal schlimmer gemacht. Die geforderten Rückzahlungen seien nicht hilfreich und es müsse mehr gegen Schwarzarbeit getan werden, zeigt sich Tania Müller richtig sauer: „Eigentlich dürften wir keine Steuern mehr bezahlen, wenn man uns so behandelt.“

Steuerberater Ralf Strupat sieht die Friseure im Gespräch mit der Siegener Zeitung in einer schwierigen Situation. Da Friseure im Mai 2020 wieder öffnen durften und dann große Nachholeffekte erlebten, schlage sich das in der Berechnung der Fördergelder nieder. „Dort wird nicht nach dem Gesamtumsatz oder den Umsatz zu Vergleichsmonaten geschaut. Es geht darum, ob in den Monaten ein Verlust entstanden ist. Wenn nicht, muss die Summe anteilig zurückgezahlt werden“, so Strupat.

Das treffe die Unternehmen dann hart, wenn im Rest des Jahres viel Liquidität verbraucht worden sei, bemerkt Reinhard Afflerbach: „Vor allem, wenn das nicht so klar kommuniziert worden ist.“ Immerhin wirke sich die Rückzahlung auf die Steuerlast aus, da es sich um eine Betriebsausgabe handle, sind sich die Steuerberater einig. In der konkreten Situation helfe das aber nicht weiter, sagen die Friseurinnen.

Autor:

Guido Schneider aus Siegen

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