SZ

Kundgebung pro Corona-Impfung
Erste Partei reagiert auf Montags-Demonstrationen

Der Ortsverband Wittgenstein der Linkspartei ruft am kommenden Montag in Bad Berleburg zu einer Gegendemonstration auf.
  • Der Ortsverband Wittgenstein der Linkspartei ruft am kommenden Montag in Bad Berleburg zu einer Gegendemonstration auf.
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vö Bad Berleburg. Die Montags-Demonstrationen von Kritikern der staatlichen Corona-Maßnahmen, die wöchentlich mindestens rund 200 Menschen in Bad Berleburg auf die Straße bringen, bleiben nicht ohne Reaktion: Die Linkspartei ruft am kommenden Montag, 24. Januar (18 bis 20 Uhr), zu einer überparteilichen Kundgebung auf. „Solidarisch aus Corona – nur solidarisch und gemeinsam finden wir einen Weg aus der Corona-Pandemie! Diesen Weg gibt es nur nazifrei!“ – dieser Slogan steht über der Veranstaltung auf dem Parkplatz gegenüber des Johannes-Althusius-Gymnasiums. Die Kundgebung ist bereits genehmigt.

Einige Parteien des Stadtrates hatten die Montags-Kundgebungen in Bad Berleburg gegenüber der SZ zumindest kritisch bewertet, sich allerdings mit öffentlichen Aktionen zurückhaltend gezeigt.

Bad Berleburg. Die Montags-Demonstrationen von Kritikern der staatlichen Corona-Maßnahmen, die wöchentlich mindestens rund 200 Menschen in Bad Berleburg auf die Straße bringen, bleiben nicht ohne Reaktion: Die Linkspartei ruft am kommenden Montag, 24. Januar (18 bis 20 Uhr), zu einer überparteilichen Kundgebung auf. „Solidarisch aus Corona – nur solidarisch und gemeinsam finden wir einen Weg aus der Corona-Pandemie! Diesen Weg gibt es nur nazifrei!“ – dieser Slogan steht über der Veranstaltung auf dem Parkplatz gegenüber des Johannes-Althusius-Gymnasiums. Die Kundgebung ist bereits genehmigt.

Einige Parteien des Stadtrates hatten die Montags-Kundgebungen in Bad Berleburg gegenüber der SZ zumindest kritisch bewertet, sich allerdings mit öffentlichen Aktionen zurückhaltend gezeigt. SPD und Grüne untermauerten ihre Positionen lediglich mit Plakaten an den jeweiligen Parteibüros an der Poststraße. Die Linkspartei wagt sich demnach jetzt als erstes aus der Deckung. Nach SZ-Informationen hat für Montag auch DIE PARTEI aus Bad Laasphe ihre Unterstützung zugesagt. Das sorgt für eine neue Situation in Bad Berleburg, auf die sicherlich auch die Polizei reagieren wird.

Situation laut Partei keine Farce oder Verschwörung

Wer die Stellungnahme der Linken zu den Montags-Demonstrationen genau liest, dem fällt auf, dass die beiden Vorsitzenden Thorsten Fischer und Wolfgang Roeser nicht die Teilnehmer an sich kritisieren, sondern ihre Auffassung zum Ausdruck bringen, dass Veranstaltungen wie die in der Odebornstadt von Extremisten instrumentalisiert würden.

„Zwei Jahre Pandemie fordern ihren Tribut und die Spannung ist deutlich erkennbar. Aber diese Spannung, diese Konflikte und diese Unzufriedenheit haben einen Ursprung. Unsere Gesellschaft war bereits vor der Pandemie zerrüttet und hatte tiefe Gräben. Gräben, die einfacher zu überwinden waren, als Existenzen nicht in solch einer Breite bedroht, Kunst und Kultur im Alltag vorhanden waren, die Frage einer Impfpflicht nicht da war und sozialer Kontakt ohne Regeln ausgelebt werden konnte“, argumentiert die Linkspartei. Die Situation heute sei keine organisierte Farce oder eine Verschwörung. „Wir haben eine Pandemie: Viele Personen berichten davon, neben milden Symptomen, keinen bedrohlichen Verlauf gehabt zu haben. Zahlreiche berichten aber von Atemnot, Fieber, Kreislaufproblemen, Koma und Ohnmacht.“

Soziologe bezieht klar Stellung zu Montagsdemonstrationen

Über 5 Millionen Menschen seien weltweit gestorben. „Als Gesellschaft sollte es uns wichtig sein, für einander da zu sein. Wir waren solidarisch und haben uns geholfen. Nach zwei Jahren ist davon nur wenig geblieben. Wir haben jetzt Impfstoffe, die die Risiken einer Erkrankung, Übertragung und eines schweren Verlaufes stark reduzieren, aber wir erleben auch, dass Unsicherheit, Desinformation, Druck und pandemische Maßnahmen uns alle sehr deutlich treffen“, argumentieren Thorsten Fischer und Wolfgang Roeser.

Diskussion und Austausch sind wichtig, auch wenn sie ermüdend sein können.
Thorsten Fischer
Linke-Ortsverband Wittgenstein

In einer Demokratie gebe es immer viele Meinungen und das sei auch gut so – so lange die Rechte und Würde der Menschen erhalten blieben. Eine wichtige Frage in dieser Phase der Pandemie sei, ob die Impfpflicht das richtige Mittel sei, diese zu überwinden. Es bleibe allerdings bei weitem nicht die einzige Frage, die laut diskutiert werden sollte. Aber eines sei sicher: „Die Corona-Impfung rettet Leben. Darum lassen Sie sich impfen.“

In Bad Berleburg prallen zwei Meinungen aufeinander

Doch unter keinen Umständen dürfe sich die Gesellschaft von Faschisten beeindrucken lassen. Ihre menschenfeindliche Politik habe nie und werde auch nie eine Gesellschaft zusammen führen – sie spalte die Gesellschaft. „Diese nutzen die Pandemie und die Leidtragenden aus, um sich zu zeigen, sich zu vernetzen und ihre vereinfachten und falschen Antworten auf die Krise als Alternative zu verkaufen. Sagt entschlossen Nein zu so einem Schulterschluss mit den Faschisten. In einer Demokratie ist Platz, um über Maßnahmen und eine Impfpflicht zu debattieren – unter faschistischen Diktaturen oder rechten Autokratien nicht. Diskussion und Austausch sind wichtig, auch wenn sie ermüdend sein können.“
Der Linke-Ortsverband Wittgenstein hält mit seiner Position nicht hinter dem Berg: Es gebe gute Gründe für eine Impfung und die Risiken einer Impfung seien geringer als die Risiken einer Infektion. Nur solidarisch und gemeinsam finde die Gesellschaft einen Weg aus der Corona-Pandemie. Und weiter: „Diesen Weg gibt es nur nazifrei.“
Zwei unterschiedliche Meinungen prallen da am nächsten Montag in Bad Berleburg aufeinander. Es bleibt zu hoffen, dass das ebenso friedlich der Fall sein wird, wie in den vergangenen Wochen. Und einzelne Provokateure, die ganz bewusst Öl ins ohnehin schon lodernde Feuer gießen wollten, weiterhin konsequent ignoriert werden.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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