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Kommunale Klimapartnerschaft
„Es ist eine globale Aufgabe“

Von der kommunalen Klimapartnerschaft der Stadt Bad Berleburg mit Morogoro in Tansania sollen beide Seiten profitieren. Eine Delegation aus Morogoro ist gerade zu Gast in Bad Berleburg. Mit den Projektverantwortlichen der Stadt unternahmen sie unter der Führung von Kaja Heising (r.) eine Führung durch die Wisent-Wildnis.
  • Von der kommunalen Klimapartnerschaft der Stadt Bad Berleburg mit Morogoro in Tansania sollen beide Seiten profitieren. Eine Delegation aus Morogoro ist gerade zu Gast in Bad Berleburg. Mit den Projektverantwortlichen der Stadt unternahmen sie unter der Führung von Kaja Heising (r.) eine Führung durch die Wisent-Wildnis.
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  • hochgeladen von Sarah Benscheidt (Redakteurin)

sabe Wingeshausen. Im vergangenen Oktober waren Ines Wünnemann, Henner Heide und Achim Vorbau zu Besuch in Morogoro, eine Stadt in Tansania. „So eine Gastfreundschaft und Herzlichkeit habe ich selten erlebt“, sagte Henner Heide. Gemeinsam mit seinen zwei Kollegen ist er Projektverantwortlicher der kommunalen Klimapartnerschaft der Stadt Bad Berleburg mit Morogoro.

Jetzt können dann die Berleburger ihre Gastfreundschaft unter Beweis stellen: Eine Delegation aus Morogoro ist seit Anfang der Woche zu Gast in der Odebornstadt. Die Reise...

sabe Wingeshausen. Im vergangenen Oktober waren Ines Wünnemann, Henner Heide und Achim Vorbau zu Besuch in Morogoro, eine Stadt in Tansania. „So eine Gastfreundschaft und Herzlichkeit habe ich selten erlebt“, sagte Henner Heide. Gemeinsam mit seinen zwei Kollegen ist er Projektverantwortlicher der kommunalen Klimapartnerschaft der Stadt Bad Berleburg mit Morogoro.

Jetzt können dann die Berleburger ihre Gastfreundschaft unter Beweis stellen: Eine Delegation aus Morogoro ist seit Anfang der Woche zu Gast in der Odebornstadt. Die Reise angetreten hatten die beiden Projektkoordinatoren Safia Kingwahi und January Njozi sowie die Bürgermeisterin Kibena Kingo Nassoro – aus den gleichen Gründen, die die Berleburger Koordinatoren ihrerseits im Herbst zu dem anderen Kontinent reisen ließen: „Es geht um eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Wir möchten in beiden Regionen Projekte entwickeln und geballtes Wissen bündeln“, so Ines Wünnemann.

In Sachen Klimaschutz gebe es Überschneidungen mit der Region in Afrika, aber auch deutliche Unterschiede. Seien es hier Themen wie Trockenheit, Borkenkäferbefall und erneuerbare Energien, die Deutschland weit, aber auch explizit in Wittgenstein ein breites Feld in Sachen Klimawandel und -wende einnehmen, so seien es in Tansania vor allem die Trinkwasserversorgung und die Abfallwirtschaft. Genug Gesprächsstoff also, der sich gleichsam in einem gut gefüllten Programmplan niederschlägt. Neben der Besichtigung der Trinkwasser-Hochbehälter am „Stöppel“ und am Arfelder Berg will die Gruppe auch die Obernautalsperre und die Wasseraufbereitungsanlage in Dreis-Tiefenbach sowie den Fellinghäuser Hauberg und auch den Bauernhof Zacharias in Elsoff besuchen. Jede Station hat dabei eigene Themenschwerpunkte. Neben Wasserspeicherungs-Lösungen und Landwirtschaft werden auch einschlägig die direkt sichtbaren Klimaschäden, die sich vor allem in den regionalen Wäldern abzeichnen, in den Fokus gerückt. Viel theoretisches Vorwissen wird es da allerdings nicht mehr brauchen, musste der afrikanische Besuch doch am gestrigen Freitag bei einer Führung durch die Wisent-Welt mit Referentin Kaja Heising über manch abgebrochenen Baum kraxeln – die Auswirkungen von Sturm „Sabine“ lagen an einigen Stellen noch gut sichtbar auf dem Waldboden.

Eben diese Szenerie, so berichtete January Njozi, sei ihm auch aus Morogoro nicht fremd. „Umgestürzte Bäume, Stürme, solche Dinge haben wir auch bei uns. Und das sind nur einige Aspekte eines sichtbar werdenden Klimawandels.“

Und noch mehr kam da zwischen Kaffee und Bratkartoffeln (nach der Wanderung gab es für alle Beteiligten einen stattlichen Mittagsimbiss) auf den Tisch der Wisent-Hütte: „Es ist eine globale Aufgabe, eine globale Herausforderung“, sagte Safia Kingwahi. Die Menschen müssten begreifen, dass das gemeinsame, übergreifende Arbeiten – von Ländern, von Menschen – für das Klima eine Win-Win-Situation sei. „Wir sind so vernetzt, verbessern wir die Situation in einem Land, verbessern wir unsere eigene.“

In Morogoro sei es maßgeblich das Ziel, ein Bewusstsein für den Klimawandel zu schaffen. „Wir gehen in Schulen und haben viele Projekte.“ Dabei gehe es um Aufforstung, um den Schutz der Wälder und Berge, wie das Uluguru-Gebirge. In Morogoro laufe viel über Kohleverbrennung – die billigste Alternative, aber auch die umweltschädlichste. Trotzdem: „Wir können nicht einfach sagen: Hört auf, die Bäume abzuschlagen, ohne andere Lösungen zu haben.“ Man müsse den Menschen Alternativen bieten können, anderes Kapital. „Um ihr Überleben zu sichern.“ Genau um solche Schnittstellen gehe es bei der Klimapartnerschaft – gemeinsame Lösungswege finden, entwickeln und dann in ein Handlungsprogramm überschreiben zu lassen, so Ines Wünnemann. Rutsche man damit dann in einen Fördertopf, könne Erarbeitetes umgesetzt werden. „Und das auf beiden Seiten.“

Der Treffpunkt in der Wisent-Wildnis war also einer mit Symbolcharakter. Die besprochenen Themen während der Wanderung seien dabei gerade solche gewesen, die „als Übersetzung für einige der anvisierten Projekte stehen können“, so Referentin Kaja Heising. „Der Wert des Wisents für die Region geht über den biologischen noch hinaus.“ So habe das Projekt nicht nur neue Arbeitsplätze geschaffen, sondern zeige damit auch, dass es durchaus Lösungen für den „Mensch-Wildtier-Konflikt“ gebe. So sei das Lebensgebiet der Tiere ein durch Menschen kultiviertes Gebiet (Aufforstung) und trotzdem handele es sich um freie Wildtiere. Artenschutz, Umweltschutz und menschliches Nutzungsgebiet – „das eine muss das andere nicht ausschließen.“ Eben diese Auseinandersetzungen (Tier, Umwelt, Mensch) gebe es – zwar in anderer Form aber ähnlicher Richtung – auch in Morogoro. Kein Wunder also, dass die Gäste eine Frage nach der nächsten hatten. „Das war ein sehr spannender Austausch, auch für mich sehr bereichernd.“

Ein Aspekt, den auch Henner Heide ganz vorne mit dabei sieht – „neben dem Klimaschutz spielt natürlich auch gerade das Zwischenmenschliche eine große Rolle, der kulturelle Austausch, das Zusammenkommen.“ So ist denn der nächste Ausflug gen Afrika bei den drei Bad Berleburger Projektkoordinatoren fest im Hinterkopf verankert – aber, darauf wies Ines Wünnemann nachdrücklich hin: „Die Einladung zur Mitarbeit geht an die gesamte Bevölkerung. Wer sich aktiv beteiligen möchte, ist jederzeit willkommen.“

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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