»Es war Stünzel, da kann immer was passieren«

Verfahren wegen Körperverletzung gestern eingestellt

JG Bad Berleburg. »Nein, es war Stünzel, da kann immer was passieren« – so lautete gestern Nachmittag die Antwort einer Zeugin im Berleburger Amtsgericht, ob sie als Opfer eine handfeste Auseinandersetzung beim vergangenen Stünzelfest angezeigt habe. Allerdings hatte sie sich nach der Rangelei zum Freund ihrer Schwester gerettet und ihm gesagt, dass ihr jemand etwas tun wolle. Der Schwager in spe fackelte nicht lange und langte zu. Sein Kontrahent hatte am Ende anderthalb zugeschwollene Augen und ein schillerndes Veilchen im Gesicht.

Dafür verantworten musste sich gestern ein 32-jähriger Erndtebrücker. Er räumte die Tat gleich schuldbewusst ein. Morgens um Neun seien sie zum Stünzel, zur Auseinandersetzung kam es elfeinhalb Stunden später. »Und das Bier war schneller da, als man es trinken konnte«, umriss er grob den Alkoholkonsum in dieser langen Zeit. Auf dem Nachhauseweg sei es dann zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen der Schwester seiner Freundin und einem Mann gekommen. Die habe sich zu ihm geflüchtet und verängstigt an sein Bein gehängt. Mit »Wer schlägt denn hier Weiber zusammen?« sei er daraufhin zu dem vermeintlichen Angreifer gegangen und in dem anschließenden Gerangel habe er mit der Faust zugeschlagen.

Allerdings wunderte sich der Erndtebrücker, dass es überhaupt zu dem gestrigen Prozess gekommen war. Denn er hatte gleich am Tag nach dem Zusammenstoß den Geschädigten aufgesucht und sich entschuldigt. Daraufhin waren beide überein gekommen, dass die Sache damit ausgestanden sei. Äußerst einsilbig bestätigte der Geschädigte gestern im Gericht diese Übereinkunft, doch nachdem er mit seinem Verletzungen im Krankenhaus gelandet war, war es ohne sein Wissen zu einer Anzeige gekommen.

All das wär relativ einfach gewesen, wenn der Erndtebrücker nicht schon reichlich Körperverletzungen auf seinem Kerbholz gehabt hätte. Die letzte Verurteilung war vor dreieinhalb Jahre, eine 16-monatige Freiheitsstrafe hatte es damals gegeben. Diese wurde für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt, so dass der Widerruf der Bewährung für den 32-Jährigen gestern eine reale Bedrohung war. Dass der Angeklagte in solch einem Fall viel Reue zeigt, ist klar. Doch dass man das dem Mann auch abnehmen könne, versicherte sein Bewährungshelfer Reinhold Vater gestern dem Gericht.

Stets sei er zuverlässig gewesen, seine immerhin 600 Sozialstunden aus der bisher letzten Verurteilung habe er problemlos abgeleistet. Durch diese Fürsprache des stets ehrlichen Bewährungshelfers sah sogar Staatsanwalt Wolfgang Nau eine Möglichkeit, das gestrige Verfahren einzustellen, wie es zuvor Pflichtverteidiger Norbert Hartmann angeregt hatte. Dem entsprach Richter Torsten Hoffman: Die Auflagen dafür 150 Sozialstunden und 250e Schmerzensgeld für den Geschädigten. Wolfgang Nau riet dem Angeklagten zudem, keine Feste mehr aufzusuchen so lange die Bewährungszeit laufe. Diese endet im April, zwei Monate vorm nächsten Stünzelfest.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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