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Extreme Trockenheit in Wittgenstein
Fehlender Regen könnte zu einem Fiasko werden

Den ohnehin angeschlagenen Wald in Wittgenstein trifft die seit Wochen anhaltende Trockenheit besonders hart. Das dritte Jahr in Folge mit zu geringen Niederschlagsmengen könnte vielen Waldgebieten den Rest geben. Foto: Björn Weyand
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  • Den ohnehin angeschlagenen Wald in Wittgenstein trifft die seit Wochen anhaltende Trockenheit besonders hart. Das dritte Jahr in Folge mit zu geringen Niederschlagsmengen könnte vielen Waldgebieten den Rest geben. Foto: Björn Weyand
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bw Wittgenstein. Es fällt kein Tropfen. Schon seit Wochen hat es auch in Wittgenstein nicht mehr ergiebig geregnet. Die Sonne scheint unentwegt. Die Folge ist eine extreme Trockenheit. Sehr ungewöhnlich nennt Wetterforscher Julian Pape die aktuelle Situation. Bis Anfang März habe es noch reichlich Niederschlag gegeben, berichtet er im SZ-Gespräch. „Seitdem befinden wir uns allerdings unter hohem Luftdruck, der zudem meist noch über dem Norden Europas liegt. Damit haben wir es mit sehr trockenen Ostwinden zu tun, die nur in Ausnahmefällen mal für einen Regenschauer gut sind.“ Und diese Regenschauer bleiben am Rothaargebirge hängen, schaffen es nicht wirklich bis ins Eder- und Lahntal hinab.

bw Wittgenstein. Es fällt kein Tropfen. Schon seit Wochen hat es auch in Wittgenstein nicht mehr ergiebig geregnet. Die Sonne scheint unentwegt. Die Folge ist eine extreme Trockenheit. Sehr ungewöhnlich nennt Wetterforscher Julian Pape die aktuelle Situation. Bis Anfang März habe es noch reichlich Niederschlag gegeben, berichtet er im SZ-Gespräch. „Seitdem befinden wir uns allerdings unter hohem Luftdruck, der zudem meist noch über dem Norden Europas liegt. Damit haben wir es mit sehr trockenen Ostwinden zu tun, die nur in Ausnahmefällen mal für einen Regenschauer gut sind.“ Und diese Regenschauer bleiben am Rothaargebirge hängen, schaffen es nicht wirklich bis ins Eder- und Lahntal hinab. Ein Beispiel war der vergangene Samstag, als sich rund um Wittgenstein Schauer und Gewitter gebildet hatten, bei uns freilich nicht mehr als ein paar Tropfen brachten. Nennenswert war die Regenmenge nur an der Nordgrenze Wittgensteins zum Sauerland hin. Hier sind während eines Gewitters am Samstag rund um Girkhausen immerhin 8 bis 10 Liter zusammengekommen. Normalerweise würden im Zeitraum von Mitte März bis jetzt zwischen 70 und 110 Liter Regen fallen, erklärt Julian Pape. Statt dessen herrscht quasi Fehlanzeige – und das hat natürlich Folgen.

Für den Landwirt: „Es ist eine Katastrophe“, sagt Lothar Menn. Der Kreislandwirt sieht nicht nur den ersten Schnitt, der bis Mitte oder spätestens Ende Mai eingeholt werden sollte, in Gefahr, sondern auch die Existenz mancher landwirtschaftlicher Betriebe. „Es ist auch kein Futter mehr da aus dem letzten Jahr“, gibt der Bauer vom Hof Rohrbach zu bedenken. Schließlich haben die Landwirte im dritten Jahr in Folge mit Trockenheit zu kämpfen: Nach der extremen Dürre 2018 folgte ein nur unwesentlich regenreicheres Jahr 2019. So mussten viele Landwirte zusätzliches Futter kaufen. Jetzt wächst das Gras wieder nicht, wie es eigentlich notwendig wäre. Und dann verschärft auch noch der Einbruch des Milchexports durch die Corona-Krise die Situation weiter: Der Druck auf die Molkereien, weniger für die Milch zu zahlen, ist derzeit groß, weil der Absatz zurückgegangen ist. „Ich weiß nicht, wie es werden soll“, verrät Lothar Menn und befürchtet deshalb: „Das wird nicht jeder Betrieb durchhalten.“

Für den Forstwirt: Die Trockenheit in diesem Frühjahr dürfte für den ja ohnehin angeschlagenen Wald der letzte Sargnagel sein. Das jedenfalls befürchtet Forstamtsleiter Diethard Altrogge: „Es wird eine Katastrophe sein.“ Gerade Wittgenstein sei ja ein „Dürre-Hotspot“. Fichten und Douglasien werfen bereits ihre Nadeln ab. „Der Wasserspeicher im Boden ist extrem runtergefahren“, berichtet der Chef des Forstamtes Siegen-Wittgenstein, „es fehlt akut Wasser.“ Das könne sich nur durch längeren, ergiebigen Regen ändern – ansonsten droht der endgültige K.O. für viele Waldgebiete. Die Bäume werden durch die Trockenheit immer anfälliger für Insekten und Käfer. Mit den entsprechenden Folgen für deren Besitzer: „Das wird ein riesiges wirtschaftliches Fiasko“, konstatiert Diethard Altrogge. Der Wald werde bei uns sicherlich nicht verschwinden, aber sich massiv verändern. Und er werde in Zukunft nicht mehr die Erträge bringen wie in der Vergangenheit. Letztlich sei dies das Resultat des Klimawandels, „und an dem haben wir alle mitgewirkt“, macht der Forstamtsleiter im SZ-Gespräch deutlich.

Für die Feuerwehr: Einige Waldbrände hat es in den vergangenen Tagen bereits in Wittgenstein gegeben, die zum Glück noch glimpflich ausgingen – verglichen etwa mit dem großen Waldbrand in Rothemühle im Kreis Olpe. „Das Schicksal kann uns auch jederzeit ereilen“, weiß der Bad Laaspher Wehrführer Dirk Höbener, „es ist eine echt kritische Situation.“ Die Wälder seien voll von dürrem Geäst und Käferholz – da hat Feuer leichtes Spiel. Schon seit 14 Tagen gelte eine erhöhte Waldbrand-Stufe, zwei Fahrzeuge rücken derzeit zusätzlich bei einem entsprechenden Einsatzstichwort aus. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass bei der nächsten wöchentlichen Videokonferenz der Wehrführer die Stufe noch einmal erhöht wird. Die Situation sei heikel, findet Dirk Höbener: „Im Moment sind auch viele Leute im Wald unterwegs.“ Wegen der anhaltenden Trockenheit genügt bereits eine fahrlässig weggeworfene, glimmende Zigarette, um die Natur in Brand zu setzen. Das Grillen und Entzünden von Feuerstellen im Wald ist natürlich aufgrund der stetig steigenden Waldbrandgefahr verboten und äußerst gefährlich.

Für Hobbygärtner: Erich Bald, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins in Bad Laasphe, weiß bereits, „dass es wieder ein schwieriges Gartenjahr wird“. Die Trockenheit macht durchdringendes Wässern der jetzt bereits angesäten Beete erforderlich: „Nicht nur dünn drüber, sondern richtig wässern.“ Gießen, hacken und mulchen ist angesagt: Am Tag nach einem kräftigen Wässern gelte es, die Oberfläche aufzuhacken, „das hält die Feuchtigkeit im Boden“, erklärt der Laaspherhütter. Und es sei von Vorteil, etwas Rasenschnitt oder anderes organisches Material einzuarbeiten. Insgesamt müssten sich Hobbygärtner deutlich umstellen, glaubt Erich Bald: „Der Klimawandel ist massiv.“ Entsprechend dürften künftig Gemüsesorten gefragt sein, die mit weniger Wasser auskommen.

Für die Wildtiere: Das außergewöhnlich trockene Wetter bedeutet für das Wild einen frühen Einstieg in die Körperpflege, wie Hirschrufer Tasso Wolzenburg berichtet. „Kühlen und Pflegen stehen jetzt öfter auf dem Tagesplan, denn durch die frühen hohen Temperaturen sind beispielsweise Zecken schon besonders früh aktiv unterwegs.“ Aber auch die Vegetation hat sich durch die Trockenheit verändert. So finden viele Wildtierarten ihre Nahrung mehr in Naturschutzgebieten, Wiesen und Seitentälern oder in Nordhängen, wo es gute und nährstoffreiche Nahrung gibt. „Dabei spielen die Erfahrungswerte der ranghohen Tiere eine wichtige Rolle, um dem gesamten Rudel – etwa beim Rotwild – fette Nährstoffe zu verpassen“, weiß der Mann aus Welschengeheu. Die Nährstoffe spielen jetzt eine große Rolle für die Hirsche beim Aufbau der Geweihe und für die Entwicklung der noch nicht geborenen Kälber bei den weiblichen Tieren.

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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