Fläche für acht Windräder zu klein?

Vorrangzone Osterholz: Wittgensteiner Bürgerinitiative zweifelt Zahlen des Investors an

sz Bad Berleburg. Das Thema Windenergie ist im Kreis aktueller denn je: Die SZ-Berichterstattung über die neue Entwicklung auf der Bad Berleburger Vorrangzone Osterholz zwischen Weidenhausen und Sassenhausen rief gestern erneut die Wittgensteiner Bürgerbewegung »Sturm gegen gegen Wind« auf den Plan:

»Die Stadtverordneten haben sich mit guten Gründen für einen Bebauungsplan mit einer maximalen Höhenbegrenzung für Windräder auf 100 Meter entschieden. Mit dieser Entscheidung haben sie das private Interesse eines Investors von außerhalb - der mit 138,5 Meter hohen Windkraftanlagen die Wirtschaftlichkeit seiner Kapitalanlage auf Kosten der Wittgensteiner Landschaft erreichen möchte - hinter das Interesse der Mehrheit der Bevölkerung unter Berücksichtigung der touristischen Entwicklung unseres Raumes zurückgestellt«, heißt es in der Stellungnahme. Diese »deutlich mehrheitliche Entscheidung« wolle das Unternehmen aber nicht akzeptieren und drohe nun quasi mit dem Bau von acht 100 Meter hohen Windrädern. Zusammen mit den beiden Windrädern der anderen Betreibergesellschaft seien das insgesamt zehn Windräder. »Jeder ortskundige Einheimische weiß aber, dass die ausgewiesene Konzentrationsfläche für die Errichtung und Nutzung von acht bis zehn Windkraftanlagen viel zu klein ist«, so der Sprecher der Initiative, Jürgen Elschenbroich.

Wolfgang Frin, Mitarbeiter des Berliner Unternehmens WWU Ingenieure GmbH, gebe an, dass die niedrigen, 100 Meter hohen Anlagen auf Osterholz in dem bergigen Gelände vom Wind nicht voll angeströmt werden könnten. »Daraus leitet er seine Forderung nach größerer Bauhöhe für die Windräder ab. Er verkennt dabei, dass sich die Vorrangfläche Osterholz im Gebiet des Naturparks Rothaargebirge und darüber hinaus in einem Landschaftsnutzungsgebiet befindet. Für diese Bereiche gilt eine besondere Güterabwägung zwischen dem Landschaftsschutz und der Windenergieerzeugung in der Naturzone«, formuliert die Bürgerinitiative deutliche Kritik. Auf eine Höhenbegrenzung von 100 Meter für Windräder im Naturpark Rothaargebirge hätten sich auch die Kommunen Netphen und Wilnsdorf festgelegt. In Hilchenbach stehe die Entscheidung der Höhenbegrenzung für die geplante Vorrangfläche Lümke noch aus. »Wir hoffen daher, dass sich die Stadt Hilchenbach in ihrer anstehenden Entscheidung mit politischem Weltblick den anderen Kommunen anschließt und die Interessen der privaten Investoren hinter das allgemeine Interesse zurückstellt«, heißt es in der Mitteilung mit Blick auf die anstehende Hilchenbacher Ratssitzung.

Zum Thema Osterholz: Es sei noch völlig offen, ob die Berliner Firma die Finanzierung der angedachten acht 100 Meter hohen Windräder überhaupt realisieren könne, denn sie habe mehrere Hürden zu überwinden. Jürgen Elschenbroich bezweifelt, ob sich ein Kreditgeber und ausreichend viele Kommanditisten für die benötigten Kapitalbeteiligungen fänden. Und weiter: »Nicht zu vergessen sind auch die anstehenden Verhandlungen mit den zahlreichen Grundeigentümern für die Kabelführung zur Transformatorenstation Berghausen und die damit anfallenden Zusatzkosten für die Stromeinspeisung«.

WWU-Ingenieur Wolfgang Frin lasse unerwähnt, dass Windräder über 100 Meter nachts ständig befeuert werden müssten. »Da sich die Windräder auf dem Osterholz in einem Tieffluggebiet der Bundeswehr befinden und sich in der Nähe in Schameder ein Sportflugplatz befindet, sind tagsüber zusätzliche Sicherheitsauflagen möglich.« Die vermeintliche Berechnung, dass die 138,5-Meter-Anlage nur fünf Meter höher als die bestehende Anlage seien, stimme ebenfalls nicht: »Dieses Windrad würde somit das bestehende Windrad um 6,80 Meter und nicht wie angegeben um fünf Meter überragen.«

Erwähnenswert sei auch, dass bei drei bis fünf Windkraftanlagen auf der Vorrangfläche Osterholz lediglich eine standortbezogene Vorprüfung der Umweltverträglichkeit anfalle. Bei sechs bis 19 Windkraftanlagen sei jedoch eine allgemeine Vorprüfung mit höheren Auflagen durchzuführen. Nicht zuletzt habe die Stadt Bad Berleburg im Rahmen eines Bebauungsplans die Möglichkeit, die Zahl der zugelassenen Windräder zu bestimmen und sei damit den Plänen eines Windkraftinvestors »nicht schutzlos ausgesetzt«. Fazit aus Sicht von Jürgen Elsenbroich: Die acht angedachten Windräder der Berliner Gesellschaft stellten nur eine Wunschvorstellung dar, die jede Realitätsnähe vermissen lasse. Rat und Stadt Bad Berleburg sollten dem Gespräch mit der Firma gelassen entgegensehen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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