Foulspiel bei Freizeitkickern mit verbaler Vorankündigung?

Breidenbacher bescherte Banfer 14 Wochen Arbeitsunfähigkeit

JG Bad Berleburg. »Jetzt muss ich einen umhauen« – das soll vor anderthalb Jahren ein Breidensteiner gesagt haben, der Ende Oktober 2001 bei einem Freizeitfußball-Turnier in der Laaspher Dreifachturnhalle für den Puderbacher Schalke-Fan-Club eigentlich gegen den Ball treten sollte. Nur Sekunden später lag dann der gegnerische Spieler einer Banfer Thekenmannschaft vor dem Breidensteiner – mit einer offenen, doppelten Unterschenkelfraktur. Gestern musste sich deshalb der 28-jährige Breidensteiner wegen Körperverletzung vor dem Berleburger Amtsgericht verantworten. Von solch einem wörtlich geäußerten Vorsatz mochte der junge Mann gestern nichts wissen: »Ich wollte mit langem Bein dem Gegner den Ball wegspitzeln.« Von der Seite habe er das runde Leder abgrätschen wollen und da sei es auch schon zum Zusammenstoß gekommen, aber den Ball habe er auch noch getroffen.

So weit der Angeklagte, 110 Kilogramm Lebendgewicht. Ganz anders der Geschädigte, ein »schmächtiger Knabe«, wie ihn Amtsgerichtsdirektor Hans-Jürgen Niediek nannte. Er, so der 21-Jährige gestern, habe niemanden neben sich gesehen, er habe lediglich einen heftigen Tritt von hinten bekommen. An den Ball sei der Angreifer wohl nicht mehr gekommen, kein Wunder, schließlich habe er sich selbst den Ball zwei oder zweieinhalb Meter vorgelegt. Es war der letzte Ballkontakt für länger. Denn der junge Mann wurde kurz nach dem Spiel schon operiert, musste wegen seiner Verletzungen zwei Wochen im Krankenhaus bleiben und war letztendlich 14 Wochen arbeitsunfähig. Soweit die Erinnerungen der beiden direkt Beteiligten. Die Geschichte des Angeklagten wurde hundertprozentig bestätigt von dreien seiner Mitspieler. Die Puderbacher Spieler – allesamt Breidensteiner – kamen als Zeugen schnell und ohne Umschweife auf den Punkt. Kaum waren die Personalien erörtert, da sagten alle in fast wortwörtlicher Übereinstimmung: Ihr Mitspieler sei von der Seite – keinesfalls von hinten – gekommen und habe natürlich auch den Ball noch getroffen. Schließlich geht es beim Fußball darum, den Ball zu treffen. Ohrenfällig bei den Angaben, dass alle drei ihre Aussagen immer wieder einleiteten mit »meines Erachtens« oder »aus meiner Sicht«. Das relativierende Moment der Subjektivität. Anders stellte sich das Bild allerdings bei den beiden übrigen Zeugen dar, und die hatten einen Riesenvorteil, sie waren unparteiische Beobachter am Rande. Der Schiedsrichter erinnerte sich an das Foul von damals, das er aus acht oder zehn Metern Entfernung sah. Es sei zum einen von dem Angeklagten ganz eindeutig eine »Attacke von hinten« gewesen und den Ball habe dieser »keinesfalls« getroffen. Außerdem habe er dann nach dem Spiel vor der Tür gehört, so der Schiedsrichter, wie sich drei Leute darüber unterhielten, dass der Breidensteiner seinen unfairen Angriff angekündigt habe.

Und von dieser Vorankündigung des Unfair-Seins berichtete dann der zweite außenstehende Zeuge. Er kannte den Geschädigten zwar vom Sehen und hatte den gleichen Brötchengeber wie der, doch die beiden arbeiten in unterschiedlichen Werken des Betriebs. Der Zeuge erinnerte sich daran, dass der Angeklagte ausgekontert worden sei, daraufhin gegen die Bande getreten habe und den Satz mit dem »umhauen« gesagt habe. Interessanterweise gehörte dieser Laaspher nicht zu dem Trio, dass der Schiedsrichter gehört hatte. Und doch deckten sich die beiden Aussagen in ihrem Inhalt eindeutig.

Trotzdem soll nun noch ein weiterer Zeuge – ebenfalls Schiedsrichter – gehört werden, bevor ein Urteil gefällt wird. Außerdem stellte der Breidenbacher Verteidiger Andreas Behrendt einen Beweisantrag: Ein Sachverständiger soll sich die Röntgenaufnahmen des Opfers angucken und feststellen, ob die erlittenen Verletzungen überhaupt durch eine unfaire Attacke von hinten entstanden sein können. Eines wusste der Verteidiger allerdings schon ohne Sachverständigen: »Fußball ist eben eine Art Kampfsport.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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